Die Eisenbahnersiedlung Elstal wächst, rund die Hälfte der 9.900 Einwohner der Gemeinde Wustermark leben im Ortsteil Elstal. Da sind die rustikalen Eisenbahnhäuschen und die Siedlungskirche als Ortskern. Auf der anderen Seite liegt die neu entstandene Heidesiedlung. Dieses alte und neue Elstal soll zusammenwachsen. Dafür, da ist sich Bürgermeister Holger Schreiber (parteilos) sicher, braucht es eine neue Ortsmitte.

Zentraler Treffpunkt mit Einkaufsmöglichkeiten

Einen Ort der Begegnung, ein Zentrum, dass Einkäufe mit breiter Auswahl in der Nachbarschaft möglich macht. Ein Ort zum Bummeln, Flanieren, einen zentralen Treffpunkt. Gut erreichbar soll er sein, zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto und dem öffentlichen Personennahverkehr. Dazu Wohnungen in einem neuen Zentrum, mittendrin und doch nicht so quirlig wie Berlin, auch am Abend soll hier noch was los sein.

180 Wohnungen sollen entstehen

Wer von der Hauptstraße kommend links in die Rosa-Luxemburg-Allee abbiegt, findet zur Linken das Areal, auf dem einmal eine Panzerhalle stand, wie Bürgermeister Schreiber berichtet. Die Allee führt direkt in die Eisenbahnersiedlung, hinter dem zu bebauenden Gelände schließt sich die Heidesiedlung an. Entstehen soll hier ein Gebäudekomplex mit 180 Wohnungen, davon sind 80 Wohnungen barrierefrei und Seniorengerecht geplant.
Überwiegend kleinere Wohnungen werden hier zu haben sein, drei Zimmer auf 60 Quadratmeter zum Beispiel, erklärt Uwe Schollän, Fachbereichsleiter im Ressort Standortförderung und Infrastruktur. „Kleine, sehr funktionale Wohnungen“, sagt er.
Das dreigeschossige Gebäude wird im Erdgeschoss Platz für Ladenlokale haben. Restaurants und Cafés sollen einziehen und ein großer Supermarkt, der mit annähernd 2.000 Quadratmetern viel Platz für eine große Auswahl an Waren anbieten kann. Besonders über den sogenannten Vollsortimenter freut sich Schollän. Welches Unternehmen einzieht, soll sehr wahrscheinlich noch in diesem Jahr bekannt gegeben.

Wohnservice für Senioren

Das Service-Wohnen für Senioren wird von den „Johannitern“ übernommen und damit kommt ein weiterer Anbieter für den Bereich der Seniorenbetreuung nach Wustermark. Platz für Kinderbetreuung durch Tagesmütter ist ebenfalls Teil der Planung.
60 der 180 Wohnungen sollen mit Wohnberechtigungsschein (WBS) A, also für 5,50 Euro pro Quadratmeter oder mit WBS B für 7 Euro den Quadratmeter zu haben sein. Schreiber sagt, es gäbe einen hohen Bedarf an erschwinglichem Wohnraum in der Gemeinde und der müsse gedeckt werden. Allein im Güterverkehrszentrum arbeiten mehr als 4.000 Menschen, dazu kommen Karls Erlebnisdorf und das Outlet-Center.

Wustermark bietet viele Arbeitsplätze

„Viele gute Arbeitsplätze, jedoch nicht unbedingt am oberen Ende der Gehaltsskala“, sagt er. Dazu kommen ältere Wustermarker, die ihr Haus nicht mehr bewirtschaften wollen und eine Wohnung in der vertrauten Umgebung suchen. Und die Jugend. „Ich habe beobachtet, dass der Trend zum Weggehen sich gedreht hat. Die jungen Leute wollen heute lieber in ihrer Umgebung bleiben. Dafür brauchen sie Wohnungen“, sagt Schreiber.

Vonovia in Wustermark keine unbekannte

Umgesetzt wird das ganze vom Bochumer Wohnungsunternehmen Vonovia. Wenn der B-Plan, wie vom Bürgermeister angekündigt, im kommenden Sommer fertig ist, könnte zum Jahresanfang 2022 Baubeginn und Fertigstellung ein Jahr später sein, sagt der Verwaltungschef. Der Wohnungskonzern „Vonovia“ ist in Wustermark kein Unbekannter.
„Wir arbeiten bereits am Ernst-Thälmann-Platz mit Vonovia zusammen und sind sehr zufrieden“, sagt Schollän und fügt hinzu, man habe sehr auf den Konzern eingewirkt, um auch sozial verträgliche Mietwohnungen für Elstal zu bekommen. Dass das Wohnungsbauunternehmen „Vonovia“ immer wieder in der Kritik stand, meist ging es dabei um Sanierungen oder Abrechnungen von Nebenkosten, weiß der Bürgermeister. „Unsere Erfahrung ist, dass Vonovia sehr auf die kommunalen Interessen geachtet hat“, sagt er.

Bedenken der Anwohner sollen ernst genommen werden

Sorgen und Einwände gab es im Vorfeld auch von Bewohnern der Heidesiedlung. „Wir nehmen die Bedenken der Anwohner sehr ernst“, sagt Schreiber. Im Fokus der Anwohner stand das Staffelgeschoss. 65 Prozent des Daches soll begrünt werden, ein begehbarer Dachgarten.
Für die Nachbarn war die Aussicht, man könnte ihnen zukünftig von oben auf den Teller schauen, nicht erstrebenswert. Man habe darauf reagiert und das Staffelgeschoss zurückgezogen. Hochbeete sollen verhindern, dass man an den Gebäuderand treten kann. Zusätzlich werden 12 bis 15 Meter hohe Bäume gepflanzt. Wo diese auf dem Dach gepflanzt werden müssen, damit der Blick in des Nachbarn Garten verwehrt wird, werde mit den Anwohnern individuell abgesprochen, sagt Schollän und auch, dass diese Lösung sehr gut angenommen wird.
Auch die Umgebung wird sich verändern. Aus der Ecke zur Hauptstraße werde ein Kreisverkehr, die Baukosten trägt Vonovia, sagt Schreiber. Die Bushaltestelle wird verlegt. Autos sollen überwiegend in der Tiefgarage Platz finden. Schnellladesäulen sind geplant. Mit dem Betreiber des Supermarktes möchte die Verwaltung den Verleih von Lastenfahrrädern besprechen. „Wir setzen hier unser Klimaschutzpaket komplett um“, sagt Schollän und Schreiber fügt hinzu. „Das ist wichtig. Wir leben das Thema Klimaschutz als Gemeinde vor.“