Auf einigen Balkonen flattert frische Wäsche, Blumenkübel wurden dekorativ verteilt, Sonnenschirme sorgen für ein schattiges Plätzchen. Beinahe ein ganz normales Wohnhaus, aber eben nur beinahe. Wer hier wohnt, lebt in einem historischen Gebäude. Dies unterstreicht in besonderer Weise die Ausstellung mit Fundstücken vom Bau, Fotos und geschichtlicher Einordnung. Auf 51 Stationen können sich Besuchende der Historie des Ortes annähern.
Das Speisehaus der Nationen in Elstal wurde eingeweiht und gleichzeitig übergab Investor Erik Roßnagel die neue Begegnungsstätte im Speisehaus an Werner Futterlieb. Futterlieb und sein Team vom Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH werden das soziale Leben im Quartier auf 85 Quadratmetern Fläche bereichern.

Denkmalschutzgerechte Sanierung des Speisehauses abgeschlossen

Das Speisehaus gehört zum ersten Bauabschnitt im Olympischen Dorf. In diesem entstanden 365 Wohnungen. Sie alle gehören zum Projekt G.O.L.D. – Gartenstadt Olympisches Dorf von 1936. Rund um das Speisehaus beleben schon seit Monaten die Bewohner das Areal, im Speisehaus selbst sind schon seit Langem alle Objekte verkauft, etwa 70 Prozent der Wohnungen sind bewohnt.
Rund 330 geladene Gäste kamen zur Eröffnung des nach Denkmalschutz-Kriterien sanierten Hauses: Planer, Handwerker, Vertreter der Kommune. Besonders für die Handwerker fand Roßnagel viele lobende Worte. Denn denkmalgerecht sanieren stelle viel größere Herausforderungen als neu bauen. Er dreht gedanklich noch einmal die Zeit zurück, als 2013 eine Machbarkeitsstudie die Nicht-Machbarkeit attestierte. Er berichtet von Bürgermeister Holger Schreiber, der seinen Plan von einem wiedererweckten Olympischen Dorf nicht so schnell aufgeben wollte.

Förderprogramm ermöglichte Umbau des Hauses

Mit der Teilnahme am Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ als Premiumprojekt war die Umsetzung dann doch möglich. Für Roßnagels Firma terraplan ist das einmalige Projekt das bisher größte. Das Gelände lag vom Abzug der russischen Armee Anfang der 1990er Jahre bis 2005 brach. Dann übernahm die DKB Stiftung das Areal. Ein sogenannter Lost Place blieb es dennoch.
Das rund 130 Meter lange Speisehaus war der Mittelpunkt des Olympischen Dorfes. Eigens für die eine Olympiade gebaut, war es das erste Olympische Dorf überhaupt. Die Architekten Werner und Walter March errichteten in nur zwei Jahren Bauzeit eine Unterkunft für die rund 3.600 männlichen Sportler. Die Sportlerinnen erhielten an anderer Stelle ein weniger spektakuläres Quartier. Kaum waren die Sportler abgereist, zog das Militär auf das Gelände. Die Planung war auf diese „Nachnutzung“ ausgelegt. Das Speisehaus wurde als Lazarett genutzt. In militärischer Hand blieb das Gelände auch nach dem Krieg als die Rote Armee hier einzog.

Ausstellung zeigt Funde aus Bauarbeiten in Elstal

Im „historisch kontaminierten Gelände“, wie Roßnagel es nennt, wurde während der Bauarbeiten viel gefunden. Zerschlagenes Porzellan, verbeulte Helme, eine lädierte Schreibmaschine, Schuhe, Fliesen und sogar die Olympische Fackel. Die Fundstücke sind im Speisehaus in einer Ausstellung zu bewundern. Für Führungen durch die Ausstellung will Roßnagel die Vereinsmitglieder von Historia Elstal gewinnen. Diese haben bereits früher über das Gelände geführt. Im September 2022 plant terraplan ein Straßenfest, um alle neuen Mieter zu begrüßen.