Böhmer, der sich ehrenamtlich zu Tages- und Nachtzeiten um die Unterkunft in der Seegefelder Straße kümmert, plädierte gegen eine "Kirchturmmentalität" und dafür, die Neuankömmlinge nicht "weiterzuschieben". Nach Auffassung der Willkommensinitiative eignet sich die Stadt Falkensee besonders für einen dauerhaften Aufenthalt, weil die Bürgerschaft sich überwiegend weltoffen und tolerant zeigt. Dies sei längst nicht überall so. "Wir stehen für soziale Vielfalt, dauerhafte Integration, Willkommenskultur, und wir haben eine Vorstellung davon, wie wir das schaffen können", so Böhmer. Eine Gentrifizierung sollte in Falkensee unbedingt verhindert werden. Dazu müsste jedoch entsprechender Wohnraum geschaffen werden. Neu ist dieser Bedarf indes nicht, denn auch ohne Flüchtlingszuzug wächst die Falkenseer Bevölkerung seit Jahren kontinuierlich, und der Druck auf den Wohnungsmarkt ist sowieso groß. Ähnlich sieht es im Bereich der weiterführenden Schulen aus. Auch hier gibt es aufgrund der demografischen Entwicklung Kapazitätsschwierigkeiten. Die psychologische Betreuung insbesondere traumatisierter Menschen dürfte gleichfalls eine Problematik darstellen, die angegangen werden muss. "Falkensee sollte aber nicht zu einer Durchgangsstation werden", warnte Böhmer.
"Jeder sollte das selbst entscheiden, schließlich hängt es auch davon ab, ob der Einzelne hier Arbeit findet oder nicht. Das Wohnungsproblem hätte sich auch ohne Flüchtlinge verschärft - die jetzige Situation wirkt beschleunigend, ist aber nicht die Ursache", gab Norbert Kunz (Die Linke) zu bedenken.
Bürgermeister Heiko Müller (SPD) sieht indes einen ebenso großen Druck auf dem nicht geförderten Wohnungsmarkt. "Über Jahre gab es keine Nachfrage nach Baugebieten für mehrgeschossigen Wohnungsbau. Diese Situation hat sich in den letzten Monaten dramatisch verändert", so Müller.
Was den Bedarf an integrativen Begegnungsräumen betrifft, wäre es laut Müller vorstellbar, das Haus an der Bahnhofstraße 80 - ehemals "Biofreunde" - für die nächsten ein bis zwei Jahre einer entsprechenden Nutzung zuzuführen. Eine kommerzielle Vermietung sei durch die Stadt hier nicht beabsichtigt. Die Art und Weise einer sinnvollen Nutzung sei ein Aspekt, der etwa mit der Lokalen Agenda zu diskutieren sei.