Die Havelstadt hat ein extern erarbeitetes Integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK) und damit ihren Handlungsrahmen für die zukünftige Stadtentwicklung beschlossen. Das allerdings mit äußerst knapper Mehrheit. Nur sechs Ketziner Stadtverordnete votierten für die nunmehr gültige Fassung, fünf votierten dagegen. Es gab eine Stimmenthaltung.

725 Wohneinheiten in den kommenden Jahren

Auf 118 Seiten sind für 65 Handlungsfelder die dazu notwendigen vertiefenden Planungen und Entscheidungen der Kommune in den nächsten Jahren skizziert. Notwendig geworden ist das Konzept insbesondere durch die in Planung befindlichen Wohngebiete Baumschulwiese mit künftig rund 225 Wohneinheiten und Zuckerfabrik mit etwa 500 weiteren Wohneinheiten, die dazu notwendige Infrastruktur für die innerstädtische Entwicklung und die in den Ortsteilen insgesamt.

Moderates Bevölkerungswachstum vorhergesagt

Das bisher kontrovers diskutierte Bevölkerungswachstum von weit mehr als 1.000 Einwohner mit den Anforderungen an die Infrastruktur, auch an Kitas und Schulen, ist nach dem INSEK so nicht zu erwarten. Nach den Modellrechnungen wird die Einwohnerzahl von aktuell rund 6.500 in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren langsam und nur auf rund 7.000 wachsen.
Das INSEK beinhaltet allerdings noch nicht solche detaillierten Maßnahmen, wie beispielsweise den Ausbau vorhandener oder den Verlauf neuer Straßen. Das zu beschließen wird in den kommenden Jahren Aufgabe der Stadt auf der Grundlage des INSEKs sein.

Unzureichende Bürgerbeteiligung bemängelt

Hauptgründe für die Ablehnung waren nach Meinung einiger Kommunalpolitiker die unzureichende Bürgerbeteiligung und die nicht ausreichend bedachte spezielle Rolle von Paretz. Ursula Münstermann (Grüne) mahnte die zwar beschlossene, aber coronabedingt ausgefallene zweite Bürgerbeteiligung an. Es gäbe keine Eile und deshalb keinen Grund, das INSEK an diesem Tag zu beschließen. Sie beantragte die Zurückstellung bis nach der zweiten Bürgerbeteiligung.
Christiane Schnell, Paretzer Ortsvorsteherin, bemängelte, „dass die Ortsbeiräte zu keinem Zeitpunkt der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes konsultiert wurden“. Sie seien doch am ehesten durch die Kommunalverfassung legitimiert, die Bürgermeinungen zum Ausdruck zu bringen. Für den Fall, dass das INSEK ohne diese festgelegte zweite Bürgerbeteiligung beschlossen werden sollte, kündigte Jamila Wichniarz (Grüne) an, die Kommunalaufsicht einzuschalten. Renate Donat (LINKE) fragte ganz konkret, warum es denn so wichtig sei, unbedingt an diesem Tag das INSEK zu beschließen. Die ebenso kurze wie konkrete Antwort der stellvertretenden Bürgermeisterin Sabine Pönisch: „Die Verwaltung kann erst Fördermittelanträge stellen, wenn das INSEK beschlossen ist“.

Rolle des Ortsteil Paretz ein Knackpunkt

Ein weiterer Knackpunkt des Konzeptes war der Status des Ortsteiles Paretz. Vehement hatten sich der Ortsbeirat und auch Ursula Münstermann in den vorhergehenden Beratungen dagegen gewehrt, dass Paretz im INSEK entwicklungsmäßig zur Kernstadt Ketzin gezählt werden soll. Der Ortsteil als denkmalgeschütztes Dorf und mit dem Schloss habe andere Aufgaben, die sich auch aus der Einstufung als „Dorf mit historischem Ortskern“ ergeben.
Im INSEK seien die Dorfgemeinschaftshäuser in Falkenrehde, Zachow, Etzin und Tremmen als „Orte des sozialen Miteinander“ bezeichnet. Sie würden die Infrastruktur für die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements darstellen, zitierte Ortsvorsteherin Christiane Schnell. Sie seien zu sichern und zu stärken. Nur der Ortsteil Paretz verfüge nicht über einen solchen Ort des sozialen Miteinanders, merkte sie an und forderte die Schaffung eines solchen Dorfgemeinschaftshauses auch im jüngsten Ketziner Ortsteil.