Das es einigen Einwohnern der Gemeinde Wustermark mit dem Insektenschutz wichtig sei, bemerkte man mit dem ersten Bürger-Budget, erzählt Jens Kroischke, Leiter des Baubetriebshofes in Wustermark und Naturfreund. Mit dem Bürger-Budget haben die Einwohner die Möglichkeit Gelder für bestimmte Projekte einzusetzen. Die Anlage eines Blühstreifens auf kommunaler Fläche war einer der Vorschläge, der viel Zustimmung fand.

16 Flächen zu Blühwiesen umgestaltet

Im darauffolgenden Jahr wurde der Vorschlag in die Tat umgesetzt, mehr noch, inzwischen sind 16 kommunale Flächen zu Insektenwiesen umgestaltet worden. Bereits im Vorjahr beschloss die Gemeindevertretung Samen auf die Wiese zu bringen, mit der Begründung, man möchte die bundesweiten Bemühungen gegen das Insektensterben unterstützen.
Im Moment schaut die Wiese recht struppig aus. Trocken sind die Stängel und doch ist Leben drin. Hier und da könnten sich bald die ersten Wintergäste in die abtrocknenden Pflanzen einquartieren. Eine schöne Welt für Insekten, mit einem reich gedeckten Tisch und sicheren Schlaf- und Eiablageplätzen ist nicht immer das, was der Mensch als optisch ansprechend empfindet. Die schönen, bunten, prallen Blumenwiesen aus dem Heimatfilm wird man im staubtrockenen Brandenburg vergeblich suchen. Zum Trost, auch im Heidi-Land blühen die Blumen ab, was bleibt, finden die Insekten dennoch einladend.

Flächen zurück in ursprünglichen Zustand

An unsere Region, die Böden und das Wetter haben sich spezielle Pflanzen angepasst und die liefern den Bewohnern alles, was sie brauchen. Was Kroischke also macht, ist, auf den 16 Flächen die Uhr zurückdrehen, die Böden in den ursprünglichen Zustand zurückführen, die geschlossene Rasendecken und gut gedüngte Flächen müssen weichen. Die obere Bodenschicht abtragen, mit Sand und Kies auffüllen. Abmagern, heißt das im Fachjargon. Bevor es soweit ist, kommen erst mal die Gutachter ins Spiel.

Externe Experten begleiten Projekt

Die 16 Flächen, auf denen die Insekten weiden und wohnen können, umfassen insgesamt 3,6 Hektar und sind zwischen 400 und 6.000 Quadratmeter groß. Externe Fachleute haben die Flächen zuvor begutachtet und ihre Ergebnisse mit Steckbriefen und einem Maßnahmenkatalog hinterlegt, mit dem Ziel, einen größeren Artenreichtum auf die Flächen zu bringen. Schwerpunkt sind dabei Wildbienen und Hummeln. In einem Monitoring soll geklärt werden, ob die Flächen von Insekten angenommen werden. Die Gemeinde stellt Saatgut, Blumenzwiebeln, Stauden und wenn nötig die Bewässerungstechnik zur Verfügung.

Von Lob bis Unverständnis

Die neuen Biotope müssen sich entwickeln und das dauert. Die letzten regenarmen Jahre haben auch diesen Flächen zugesetzt. Was bleibt, trifft nicht Jedermanns und Jederfraus Geschmack. Und so kommen dann auch ganz unterschiedliche Meinungen zum Projekt bei Kroischke an. Von lobenden Worten bis zu „sieht sehr ungepflegt aus“ ist alles dabei. Wobei Kroischke glaubt, dass die meisten Einwohner durchaus Verständnis für die Maßnahme haben. Sie müssten nur wissen, was, warum passiert.

Infoveranstaltungen geplant

Um die Vorteile des Insektenfreundlichen Gartens aufzuzeigen, möchte die Gemeinde ab dem kommenden Jahr Info-Veranstaltungen zum Thema anbieten. Denn weit mehr Flächen  gibt es hinter den Gartenzäunen. Die Einwohner inspirieren, dass schafft auch das private Engagement, wie es in Wustermark bereits verbreitet ist. „Die Verwaltung sollte bürgerliches Engagement immer unterstützen und auch dranbleiben“, sagt Kroischke.
Damit sind nicht nur die Privatleute gemeint, auch die Landwirte und Unternehmer sollen unterstützt werden, wenn sie insektenfreundliche Ideen haben. In Wustermark darf auch vor den Grundstücken insektenfreundlich gepflanzt werden. Allerdings keine Gehölze und die Verkehrssicherheit muss gewahrt sein. Und weil das mit dem Stehenlassen von Totholz und Abgeblühtem nicht überall leichtfällt, hat die Gemeinde Totholz und Insektenhotels aufgestellt. Damit dürfte Wustermark mehr Übernachtungsmöglichkeiten für Insekten als für zweibeinige Durchreisende anbieten.

Gemeinde verwendet kein Glyphosat mehr

Kroischke gehört zu jenen Menschen, die nicht nur reden. Sein eigener Garten ist eine Oase für Tiere und Menschen. Deshalb hat er auch schon vor vielen Jahren das Pflanzenschutzmittel Glyphosat aus dem Gebrauch auf den kommunalen Flächen verbannt. „Als dann, einige Zeit später, in der Gemeindevertretersitzung ein Verbot diskutiert wurde, konnte ich nur sagen, dass wir dieses Mittel schon lange nicht mehr nutzen“, sagt Kroischke lächelnd.
Klar habe das am Anfang nicht allen Mitarbeitern gefallen. Hier helfe dann nur reden und aufklären. Aufklären würde er auch gern mit einer Beschilderung an den insektenfreundlichen Wiesen. Doch eins nach dem anderen. Und eines steht fest, Kroischke ist mit seinen Maßnahmen zum Insektenschutz noch nicht fertig. Ideen habe er reichlich, versichert er.