„Die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende“, so oder so ähnlich sang Herbert Grönemeyer in einem seiner bekanntesten Stücke. Im Rahmen des Programms „die Stadtentdecker“ zogen 18 Schüler der Grundschule Menschenskinder in Schönwalde-Glien los, die Welt ein bisschen freundlicher und bunter zu machen.
Ihr Auftrag: Einen Ort in ihrer Gemeinde aussuchen, ihn besuchen und schauen, wie man ihn aufhübschen kann. Erklären, warum es wichtig sein könnte, diesem Ort ein neues Gesicht zu geben, den Plan als Modell umsetzen und später in einem Theaterstück der Öffentlichkeit präsentieren. Zeitraum: Drei Monate.

Kinder wählten Erlenbruch für ihr Architekturprojekt

Die Stadtentdecker sind ein Projekt der Brandenburgischen Architektenkammer und ein Architekt ist auch mit den Kindern unterwegs. In diesem Fall war Martina Nadansky aus Hohen Neuendorf, die in Schönwalde ihr 15. Stadtentdecker-Projekt begleitete, dabei. Die Kinder der Klasse 5a waren angehalten, den Ort für das Unternehmen auszusuchen. Sie wählten den Erlenbruch, früher auch Fliegerhorst genannt.
Ein 1935 eröffneter Flugplatz zwischen Schönwalde und Bötzow (Oberhavel). Das militärisch genutzte Areal blieb bis 1992 in Händen der russischen Streitkräfte, dann passierte zunächst nicht viel. Der alte Fliegerhorst ist heute ein sogenannter Lost Place, ein vergessener Ort.

Neuer Ortsteil auf dem ehemaligen Fliegergelände

Wohnungsbaupläne für das Gelände sind immer wieder mal aufgetaucht und sie sind auch aktuell, erklärt Bürgermeister Bodo Oehme (CDU), der diese Pläne befürwortet. Eine Mischung aus Sanierung und Neubauten für rund 3.000 neue Einwohner. „Damit würde ein neuer Ortsteil entstehen“, sagt Oehme und das sehen auch viele Schönwalder Einwohner so.
Erfreut sind nicht alle, manche fürchten, die Infrastruktur wächst nicht mit. Allen voran die Verkehrsanbindung. Trotz intensiver Bemühungen von Seiten des Bürgermeisters, der sich für einen Bahnanschluss der Gemeinde einsetzt, hat Schönwalde keinen intakten Bahnhof. Damit steht zu befürchten, dass künftig noch mehr Autos die Straßen rund um die Glien-Gemeinden verstopfen. Hinter dem ehemaligen Flugplatz liegt das Fauna-Flora-Habitat Muhrgraben mit Teufelsbruch. Auch hier befürchten Naturschützer und Landnutzer einen Konflikt mit zukünftigen Anwohnern.

Kinder mit sieben Entwürfen für Erlenbruch in Schönwalde

Dennoch sagt Oehme, die erste Baugenehmigung für zwei Häuser mit je 30 Wohnungen ist erteilt. Doch bevor die Bagger kommen, durften die Kinder ihre Fantasie spielen lassen und ihren Wünschen Raum geben.
Den Ausflug auf das Gelände, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, hat der Bürgermeister begleitet und ist bei der Präsentation der Ergebnisse begeistert, wie gut die Kinder das Gehörte behalten und in ihre Projekte umgesetzt haben.
Entstanden sind sieben schöne Entwürfe, alle als liebevolle und detailverliebte Modelle im Rahmen einer Theatervorführung vorgestellt. Ein Hotel, Cafés, Kletterwand, Skaterpark, Jugendclub und ein Museum stehen auf der Wunschliste der Kids. Die Architektur der Kids mag vielleicht für manch Statiker zum Problemfall werden, dem Auge aber gefällt es.

Vom Jugendclub bis zum Café mit Aussicht

Im Theaterstück mussten die Entwürfe nun von einer Jury, bestehend aus Stadtplanerin, Bürgermeister und Gemeindevertreter, gespielt ebenfalls von Kindern, bestehen. Dabei sind die Argumente für die vorgestellten Entwürfe oft bestechend ehrlich und einfach. So lautete die Erklärung, warum der Jugendclub „Winkelgasse“ genau so gebaut werden müsste: „So etwas Schönes braucht doch jeder.“
Im Museum haben die jungen Künstler unter die gewagte Deckenkonstruktion ein historisches Flugzeug gehängt. Im „View Café“ setzt die Nachwuchsarchitektin um, was sie auf der Tour durch Gelände gehört hat. Eine Glaskuppel, die einen Blick ins Grün, und bei schönem Wetter, bis zum Berliner Fernsehturm erlaubt, krönt das Gebäude. Letzteres hatte Oehme den Kindern beim Ortstermin erzählt. Die Jury fragt wertschätzend nach, man bedankt sich viel, so höfliche Umgangsformen würde man sich im politischen Alltag tatsächlich wünschen.

Bürgermeister will Modelle den Gemeindevertretern vorstellen

Ob die liebevollen Entwürfe der jungen Star-Architekten eine Chance in der Erwachsenenwelt haben, wird sich zeigen. Oehme verspricht, die Modelle in den Gemeindevertretern vorzustellen. Er sei weit entfernt davon, diese Wünsche nicht ernst zu nehmen, erklärt die Anregungen für wichtig. „Die Kinder zeigen uns etwas. Wir sollten hinsehen“, sagt er. Jugendclub, Skaterpark, klingt gut. Sein Favorit: das Hotel. Manche Idee, sagt Oehme, hätte er selbst nie gehabt, die Kletterwand zum Beispiel. Und gegen die lauschigen Cafés ist auch nichts einzuwenden.
Bleibt zu hoffen, dass es tatsächlich die eine oder andere Idee, wenn vielleicht auch in veränderter Bauweise, in den Erlenbruch schafft. Alles andere wäre zumindest an die Kinder das falsche Signal. Denn die Stadtentdecker sollen Lust machen auf Beteiligung. Die wäre dahin, wenn in einem Baugebiet Erlenbruch keines der zauberhaften Modelle Wirklichkeit wird.