Ein Jugendparlament ist keine neue Idee, es gab bereits eines in der Stadt. Aber es fiel in eine Art Dornröschenschlaf. Jenen, die sich nun regelmäßig treffen, scheint es durchaus ernst zu sein mit der politischen Beteiligung. Sie haben Untergruppen für fachspezifische Themen gebildet, wie zur Ausrichtung des Jesse-Owens-Laufs, für das „Egal, unser kleines Lokal“, wie sie es nennen, verantwortlich oder die Veranstaltungsgruppe, die sich um Events für Jugendliche kümmert.
Auf ihrer letzten Jugendkonferenz, kurz Ju-Kon, hatte sich eine große Anzahl der Jugendlichen für eine Begrünung der Stadt ausgesprochen - das sogenannte Urban gardening, städtisches Gärtnern. Für das Projekt wird gerade an Hochbeeten gearbeitet. Ergebnisse können vielleicht schon im Frühjahr bewundert werden. Yoga im Gutspark klang einfach, konnte bisher aber noch nicht umgesetzt werden. Das von ihnen gegründete Netzwerk Fahrradfreundliches Falkensee läuft, nach eigenem Bekunden, gut. Hier sei ihr langfristiges Ziel, die Bahnhofstraße in eine Fußgängerzone zu verwandeln. Außerdem stehen mehr Workshops auf der Agenda und die Zusammenarbeit mit den Schulsprechern der Region soll ausgebaut werden.
Für ihre Projekte verwalten die Jugendlichen ein Jahresbudget von 9.000 Euro. Der Sprecherrinnenrat entscheidet nach Abstimmung, wofür das Geld ausgegeben werden kann. Und: Ähnlich wie der Beirat zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung und der Seniorenbeirat sollen sie einen festen Platz in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) und den einzelnen Ausschüssen bekommen. Deshalb ist Strothmann an diesem Abend dabei.
Den Interessen der Kinder und Jugendlichen in den Gremien der Stadt mehr Raum einräumen, das wollten auch die meisten der Stadtverordneten, allen voran der Bürgermeister, sagt Strothmann. Er ist bei der Ju-Kon um zu sehen, welche Bedingungen es hierfür überhaupt geben müsste. Diese sollten einfach zu gestalten und den Bedürfnissen und der Lebenswirklichkeit der jungen Menschen anzupassen sein. Eine Verpflichtung auf vier Jahre könnte für die Jugendlichen zu lang sein, gibt er zu bedenken. Ihm ist wichtig, dass die Jugendlichen wissen, worauf sie sich einlassen, viel lesen, ellenlange Vorlagen zum Beispiel. Entmutigen will er  niemanden, nur vorbereiten. „Für die Stadt wäre das eine Bereicherung, eine Extraperspektive mit rein zu bringen“, sagt er. Und Strothmann hofft, hier bereits die Stadtverordneten der nächsten Generation zu sehen. Etwas Jugend würde der SVV aus seiner Sicht gut stehen. Zunächst aber muss geklärt werden, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen könnte.
Fünfzehn neue Sprecher/innen, im Alter zwischen 15 und 21 wurden im Egal gewählt. Wenn es so läuft, wie Strothmann es sich wünscht, werden die ersten von ihnen noch in diesem Jahr die Sitzungen und Ausschüsse der Stadt begleiten und die Interessen der Kinder und Jugendlichen vertreten.