Derzeit werden, so Schulrat Schmidt, im Landkreis Havelland 164 Mädchen und Jungs an weiterführenden Schulen unterrichtet. Dies entspricht einem Prozentsatz von 2,1. Darunter befinden sich alle Schülerinnen und Schüler, deren Familiensprache nicht Deutsch ist. Also gleichermaßen Kinder aus dem europäischen Ausland wie auch Geflüchtete.
Die knappe Zahl an Schulplätzen in weiterführenden Schulen stelle jedenfalls eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund wird eine Gruppe von geflüchteten Schülerinnen und Schülern in den Räumen der Förderschule am Akazienhof unterrichtet, obwohl sie formal der Kooperationsschule in Friesack zugeordnet sind. Einigkeit bestand bei allen Beteiligten darüber, dass neben dem Erlernen der deutschen Sprache eine möglichst schnelle parallele Integration in eine Regelklasse für den Integrationsprozess unabdingbar sei.
Wie schwierig dies umzusetzen ist, wurde deutlich, als Kerstin Bachmann, Schulleiterin der Oberschule Falkensee, die Situation ihrer Schule schilderte: Ganz unabhängig von der Aufnahme einzugliedernder Schüler und Schülerinnen ist die Schule nahezu an ihre Kapazitätsgrenze gekommen. Die auf Dreizügigkeit ausgelegte Schule läuft bereits jetzt in den Klassenstufen sieben und acht mit vier, in der Jahrgangsstufe neun sogar mit fünf Zügen. Allein die zehnte Jahrgangsstufe ist noch immer dreizügig. Die Schulleiterin machte deutlich, dass im kommenden Jahr, wenn nur drei Klassen die Schule verlassen werden, aber mindestens Platz für vier neue Klassen benötigt wird, ein nicht mehr zu lösendes Raumproblem entstehen wird. Sie verweist darauf, dass diese Situation bereits seit langem bekannt und vorhersehbar war.
Ein weiterer problematischer Aspekt wurde von Christoph Böhmer, Koordinator der Initiative Willkommen in Falkensee, angesprochen: Es erweise sich in der Praxis als sehr schwierig, Jugendliche, deren Alter und deren schulischer Lernstand weit auseinanderfallen, angemessen zu beschulen. Außerdem sei die Einstufung in eine konkrete Klassenstufe häufig schwierig, da die Betroffenen nur selten entsprechende Leistungsnachweise aus ihren Heimatländern haben. Ein einheitliches Verfahren zur Lernstandsfestellung gibt es allerdings, wie vom Schulrat bedauert, derzeit noch nicht. Ebenso fehle eine auf Jugendliche, die in ihrer Muttersprache noch nicht alphabetisiert, aber dem Grundschulalter bereits entwachsen sind, zugeschnittene Unterstützung, so Harald Schmidt.
Auf allgemein großes Bedauern stieß die Mitteilung von Oliver Kratzsch, dem Koordinator für Flüchtlings- und Asylfragen im Landkreis Havelland, dass der Landkreis künftig keine Integrationskurse mehr anbieten wird. Diese Aufgabe werde an freie Träger abgegeben. Bislang wurde diese Aufgabe von der Volkshochschule Havelland wahrgenommen. Die Kurse erfreuten sich auch wegen ihrer hohen Qualität großer Beliebtheit. "Eigentlich", so Ulf Hoffmeyer-Zlotnik, Geschäftsführer des ASB, "müsste der Landkreis stolz sein, ein solches Angebot zu haben." Auch Christoph Böhmer wundert sich: "Wieso werden gut funktionierende Kurse einfach abgeschafft?"
Als Grund für diese Entscheidung nennt Oliver Kratzsch die arbeitsmäßige Überlastung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der VHS. Ab Oktober, so der Koordinator für Flüchtlings- und Asylfragen, sollen Integrationskurse durch das "Institut für Kommunikation und Wirtschaftsbildung GmbH" IKW in Falkensee angeboten werden. Bislang sei der Träger auf der Suche nach geeigneten Räumen. Die noch laufenden Kurse der VHS werden zu Ende geführt.