Auch wenn so beliebte Veranstaltungen in Ketzin/Havel, wie das Fischerfest, der Fischerman und die Weihnachtsmärkte, 2021 coronabedingt ausfallen mussten, fällt die touristische Bilanz der Havelstadt doch recht positiv aus.
Die Tendenz in den zwei Corona-Jahren, dass die Urlauber die Schönheiten im Inland entdecken wollten, war auch in Ketzin/Havel spürbar. Das beweist der Besucherrekord am Stadtsteg. In beiden Jahren legten jeweils mehr als 3.000 Bootsbesatzungen an der Havelpromenade an und belebten die Stadtkasse 2021 mit fast 48.000 Euro. Nach der Inbetriebnahme 2004 war 2021 der Holzbelag der Steganlage reparaturbedürftig, er wurde komplett erneuert.

Strandbad auch als Badestelle beliebt

Wegen der explodierenden Kosten entschlossen sich die Komunalpolitiker, das in den letzten Jahren von rund zehn- bis zwölftausend Besuchern genutzte Strandbad in eine Badestelle umzuwandeln und dementsprechend unter Berücksichtigung der Rechtsprechungen die Dienstleistungen anzupassen.
Die Stege mussten gesperrt und die Wasserrutsche abgebaut werden. Trotz allem ergaben Zählungen und Schätzungen an den 140 Öffnungstagen, dass sich etwa 7.800 Besucher am Havelstrand erholt haben. Zur recht positiven Bilanz gehören die zahlreichen Belegungen des Biwak-Platzes und der so genannte „handbetriebene Wassertourismus“. 414 Ausleihen von Ruderboot, Kajak, Kanus und SuP stehen in der Statistik. Die fast 9.000 Euro Einnahmen tragen zur Reduzierung des Defizits bei der Unterhaltung der Badestelle bei.

Förderverein engagiert sich für Badestelle in Ketzin

Ein Lob verdienen die Mitglieder des neu gegründeten Fördervereins für den Havelstrand. Sie organisierten den Herbstputz der weitläufigen Anlage, aktivierten den Kinosommer und boten mehrere ausgebuchte Paddeltouren zur Ziegeleigeschichte in Ketzin/Havel an. Ein Blick in das Programm zeigt, dass diese Paddeltouren im Jahr 2022 ebenso wieder stattfinden sollen wie das Strandkino.

Ketzin/Havel

An den Aprilwochenenden und an zwei Wochenenden im Oktober wird jeweils ein Ketziner Verein zu einem Picknick am Havelstrand einladen und für kulinarische Angebote sorgen. Start ist am Sonntag, 3. April, ab 13.00 Uhr. Das Sommerfest am 14. Mai, eine Pasta-Party am 25. Juni , am Vorabend des 4. Ketziner Fischerman am 26. Juni, und ein Volleyball-Turnier sind weitere Vorhaben des Fördervereins. Selbst der Nikolaus wird am 6. Dezember mit kleinen Überraschungen zum Havelstrand kommen.

Fähre soll einen Elektromotor bekommen

Die bei Ketzinern und Touristen gleichermaßen beliebte Fähre „Charlotte“ hängt zwar weiterhin an der Kette, aber im kommenden Winterhalbjahr soll sie die gut 170 Meter zwischen dem Havelufer auf der Ketziner und der Schmergower Seite mit einem klimafreundlichen Elektroantrieb überwinden. Nur drei bis vier Minuten bleiben den alljährlich rund 25.000 Radlern, die umgebende Havellandschaft zu genießen. Genau wurden im vergangenen Jahr 27.989 Personen mit Fahrrad, Moped oder Mofa gezählt, ebenso 29.252 Pkw. Insgesamt wurden trotz erhöhter Fährentgelte rund 207.000 Euro eingenommen, mehr als in den beiden Vorjahren.

Panzer zu schwer für Fähre

Gerne erzählen die Fährleute von den zahlreichen Episoden. Sie haben es heute immerhin leichter als in den vergangenen Jahrhunderten seit 1375, dem Jahr, an dem die Stadt das Fährrecht erhielt. Erst seit 1906 quert die Fähre, nun verkehrsrechtlich als Schiff, motorisiert die Havel, vorher war das harte Handarbeit der Fährmänner.
Und von einem einzigen Untergang ist auch zu berichten. Kurz vor Kriegsende war ein sowjetischer Panzer für ihre Tragfähigkeit zu schwer. Sie sank samt Panzer. Vor einigen Jahren landeten einige Fahrer samt Pkw wegen Unachtsamkeit in der eiskalten Havel statt auf der Fähre. Wie auf einem Foto belegt ist, leuchteten unter Wasser bei einem Auto noch geraume Zeit die Scheinwerfer. Sicher wird 2025 auf der Charlotte gebührend gefeiert. Dann blickt sie auf 650 Jahre Fährrecht zurück.