Dass die Flüchtlingszahlen mutmaßlich weiter in die Höhe schnellen und auch in Falkensee neben dem feststehenden Standort an der Kremmener-/Ecke Bergstraße entsprechend weitere dezentrale Kapazitäten geschaffen werden müssen, liegt auf der Hand, schließlich besteht die Verpflichtung dazu, soviel Asylbewerber wie möglich aufzunehmen. Hotelbetreiber René Klatte hatte dem Landkreis zuletzt jedenfalls ein Pacht-Angebot unterbreitet. Auch mit der Stadt Falkensee und mit Kirchenvertretern hatte es erste Gespräche gegeben, wie er auf Anfrage bestätigte. Unterkünfte für 30 Flüchtlinge könne er eigenen Angaben zufolge zur Verfügung stellen.
Warum aber wurde das Angebot vom Landkreis abgelehnt? "Nach einer Begehung und weiterer Prüfung dieses Objektes wurde entschieden, dass das zur Pacht angebotene ehemalige Hotel nicht geeignet ist, da insbesondere die Herrichtung im Verhältnis zur Platzkapazität eines zu großen Aufwandes bedürfe", hieß es auf Nachfrage hin. Dennoch sei Klatte "weiterhin gesprächsbereit", wie er gegenüber dieser Zeitung betonte. "Ich würde das Objekt auch verkaufen. Man kann sich über alles unterhalten."
In Kirchenkreisen scheint das Angebot indes auf fruchtbaren Boden zu fallen. Gisela Dittmer, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Falkensee-Seegefeld, spricht von mehr als nur "Gedankenspielereien". So müsse allerdings zunächst innerhalb des Diakonievereins geklärt werden, ob dieser als Träger auftreten möchte. Sollte das so kommen, könnte möglicherweise eine finanzielle Unterstützung beim Kirchenkreis angemeldet und wohl auch bewilligt werden, sagte sie. "Wir brauchen sicherlich eine Übergangslösung. Vor allem für diejenigen Flüchtlinge, die eher kommen und fast abgeschoben sind, dafür aber Kirchenasyl in Anspruch nehmen wollen. Der Verein ,Asyl in der Kirche' unterstützt uns dabei. Zudem haben wir uns bereits bei der letzten Synode deutlich für eine Willkommenkultur ausgesprochen", so Dittmer.
Sie kann sich deshalb durchaus vorstellen, dass das Hotel "Landhaus Falkensee" übergangsweise von der Kirche angemietet werde, so dass dementsprechend Kirchenasyl unproblematisch gewährt werden könne. Aber: "Allein können wir das nicht schaffen. Eine gute Vernetzung ist wichtig. Weitere Strukturen, neben der Willkommensinitiative zu der sich auch die katholische Kirche bekannt hat, sind vonnöten. Es muss ein Zusammenspiel von Akteuren geben", so Dittmer weiter.
Sollte finanziell eine Lösung gefunden werden, sei es aber von hoher Bedeutung, dass der Landkreis Havelland die Versorgung beziehungsweise Verpflegung der Menschen übernimmt. "Komplett herausnehmen kann sich der Landkreis nicht", betonte sie.
Auf Seiten der Politik wird die Initiative der Kirchenvertreter mit ausgesprochenem Wohlwollen registriert. So sagte etwa die Bündnisgrüne Ursula Nonnemacher: "Ich begrüße es, wenn es weitere dezentrale, kleinteilige Unterbringungsmöglichkeiten gibt - und zwar zusätzlich zum dem geplanten Wohnstandort für Flüchtlinge." Sie will keine weitere Standortdebatte führen, wie alle weiteren Kommunalpolitiker in der Stadtverordnetenversammlung. Die Stadt Falkensee und natürlich der Landkreis Havelland hatten das zuvor genauso ausgeschlossen.
Die Bürgerinitiative (BI) "Für Asyl in Falkensee", das "Pro" im Namen wurde ersetzt, sieht das nach wie vor anders. Zuletzt hatten sich rund 80 Menschen am geplanten Standort versammelt und erneut protestiert. "Über die Eignung anderer Standorte sollte weiter diskutiert werden dürfen", sagte deren Sprecher, Bernhard Meyer, "vor allem mit stichhaltigen Argumenten", wie er adressiert an Landrat Dr. Burkhard Schröder weiter meinte.
Davon unbeeindruckt wächst die Sympathiewelle für die Aufnahme von Flüchtlinge weiter an. So hat sich nun auch die Vorbereitungsgruppe "Stolpersteine", die sich zur Aufgabe gestellt hat, an jene Menschen zu erinnern, die auch in Falkensee und Umgebung in den Jahren 1933 bis 1945 unterdrückt, vertrieben, verschleppt und ermordet wurden, dazu aufgerufen, Asylbewerber in Falkensee willkommen zu heißen. Aus historischer Sicht sei es "zwingend erforderlich, dass heute bedrohten Menschen aus anderen Ländern auch in Falkensee Asyl geboten wird", hieß es.
Zudem müssten die Wohnräume für bedrohte Menschen angemessen sein. Für Asylbewerber, die langfristig bleiben, empfiehlt die Stolpersteingruppe, diese "möglichst in normalen Wohnungen" unterzubringen. Dringend erforderlich sei zudem, wie auch Dittmer meinte, dass ein belastbares Netzwerk zur Integration weiter aufgebaut werde.
Deshalb sollten möglichst frühzeitig insbesondere geeignete Patenschaften übernommen und Betreuungskooperationen mit engagierten Einzelpersonen und gesellschaftlichen Gruppen entwickelt werden. Das hat sich bereits unlängst die Initiative "Willkommen in Falkensee - Für eine solidarische, gastfreundliche Stadt" auf die Fahnen geschrieben. Auf deren Internet-Facebookseite heißt es nun im Sinne der Willkommenskultur Farbe bekennen und Gesicht zeigen. Das Motto lautet "Wir heißen willkommen".
Infos dazu: https://www.facebook.com/falkenseekannanders?hc_location=timeline
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