In der vergangenen Gemeindevertretersitzung (GV) stellte die Fraktion Die Linke einen Antrag, der sich gegen eine weitere bauliche Verdichtung am Radelandberg in Elstal aussprach. In dem Antrag hieß es weiter, man solle dem Vorhabenträger andere Flächen entlang der Lindenstraße anbieten. Auch die Mieterinitiative Elstal hatte sich im Vorfeld gegen weitere Baumaßnahmen am Radelandberg ausgesprochen. Zum Erhalt der Grünflächen und gegen eine bauliche Verdichtung hatte die Initiative Unterschriften gesammelt und der Verwaltung übergeben.

239 Unterschriften gesammelt

„Bei der Unterschriftenaktion haben 222 Bewohner und Bewohnerinnen des Radelandberges unterschrieben“, sagt Matthias Redsch von der Mieterinitiative. Dazu kommen noch 17 Einwohner aus anderen Elstaler Gebieten. Redsch hat bei der TAG Wohnen nachgefragt. 230 Wohneinheiten würden dort verwaltet, sagt er. „Somit hat rein statistisch gesehen fast jeder Haushalt am Radelandberg unterschrieben, was erkennen lässt, wie viele Menschen sich gegen dieses Bauvorhaben aussprechen“, erklärt Redsch weiter. Er und weitere Mitglieder der Mieterinitiative waren bei der GV zugegen, als Uwe Schollän, Fachbereichsleiter für Standortförderung und Infrastruktur, die Baupläne des Inverstors C&P vorstellte.

Baugenehmigung wurde bereits erteilt

Insgesamt drei statt ursprünglich fünf Häuser sind nun geplant, zweigeschossig und nicht mehr über drei Etagen hoch. Alle drei Bauanträgen wären bereits vor Wochen eingereicht worden und für das letzte Gebäude Anfang August die Baugenehmigungen erteilt, sagt Schollän weiter. Die 43 so entstehenden Wohnungen sollen jeweils etwa 60 Quadratmeter groß werden, damit weniger neue Mieter als zunächst gedacht, auf den Radelandberg kommen.
Schollän spricht von einer deutlich „offeneren und aufgelockerten Bauplanung“. Eine vorhandene Baugenehmigung nun in Frage stellen, hält Schollän für schwierig und ist damit nicht allein. Das sehen andere Gemeindevertreter ähnlich. Sandra Schröpfer, Fraktionsführerin für Die Linke in der GV hält dagegen. Sie sieht in dem Antrag ein Instrument zur „Bekundung des politischen Willens keine weitere Verdichtung zuzulassen.“ Und sie fügt hinzu: „Der Antrag wäre ein Statement.“
Schollän sieht für den Antrag keine Chancen. Er sagt, er habe Verständnis für die Anwohner am Radelandberg, genauso für jene an der Lindenstraße. Die würden auch keine weiteren Baumaßnahmen begrüßen, das wurde bereits in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung deutlich.

Gemeinde soll Investor Ersatzfläche anbieten

Bürgermeister Holger Schreiber (parteilos) lobt das Engagement der Mieterinitiative, sieht die Situation auch als sehr schwierig an. Von Seiten der Verwaltung werden hohe Kosten befürchtet, würde man dem Investor nun andere Flächen anbieten und dieser sich mit seinen Bauplänen vom Radelandberg zurückziehen. Neben vielen anderen Fragen bewegt ihn auch das Verlagern der Problematik. Denn auch in und um die Lindenstraße herum leben Menschen.
Bevor es zur Abstimmung kommt, erteilt der GV-Vorsitzende Tobias Bank (Die Linke) das Wort am Matthias Redsch von der Mieterinitiative. Dieser verweist noch mal auf die vielen gesammelten Unterschriften. Er wirbt für eine Anfrage bei C&P, „einen Versuch“. Die Antragsteller nehmen die vorgeschlagene Änderung in ihrem Antrag auf, nach dem die Verwaltung prüft, ob C&P sich gesprächsbereit zeigt. Persönlich und nicht am Telefon, heißt es hier weiter. In der folgenden Abstimmung findet die geänderte Version die mehrheitliche Zustimmung der Gemeindevertreter.

Mieterinitiative sieht wohlwollendes Signal

In dem Abstimmungsverhalten sieht die Mieterinitiative Elstal ein wohlwollendes Signal und einen Teilerfolg ihres Anliegens, eine zunehmende Verdichtung am Radelandberg abzuwenden, so Redsch auf Nachfrage. „Mit den von C&P im Internet und bei einer Elstaler Ortsbeiratssitzung Ende 2019 präsentierten uns zugänglichen Übersichts- und Gebäudeplänen, einer Unterschriftensammelaktion am Radelandberg und einem Brief an die Gemeindevertreter und den Bürgermeister konnten wir erreichen, dass unser Anliegen ernst genommen wurde, mit C&P über eventuelle Ersatzgrundstücke zu beraten. Mit der Abstimmung wurde heute die Gemeinde beauftragt, den Kontakt zu C&P aufzunehmen und die Möglichkeiten zu diskutieren, was wir sehr begrüßen“, erklärt Redsch.