Der Aufnahmedruck für den Landkreis Havelland hat sich Prognosen zufolge deutlich erhöht, folglich ist mit Blick auf die Krisenregionen dieser Welt weiter akutes Handeln gefragt. Doch wie viele Flüchtlinge den Weg ins Havelland finden werden, ist aktuell noch nicht bekannt - Weitblick und Vorsorge sind dagegen geboten. "Die endgültige Anzahl aufzunehmender Asylbewerber für das Jahr 2015 wird dem Landkreis erst noch durch die Zentrale Ausländerbehörde Eisenhüttenstadt (ZABH) mitgeteilt: wir gehen jedoch davon aus, dass die Zahl das Vorjahresniveau übersteigt und wir mit rund 500 Zuweisungen rechnen müssen", sagte Havellands Sozialdezernent Wolfgang Gall.
Weil zuletzt ein initiiertes Interessenbekundungsverfahren zur Akquise von geeigneten Grundstücken und Objekten "zu keinem nennenswerten Ergebnis geführt" hatte, musste sich der Landkreis anderweitig umsehen. Nach intensiven Gesprächen mit der Nauener Verwaltung soll nun ein von der Stadtverwaltung angebotenes Grundstück gekauft werden. Der Landkreis zahlt rund 210.000 Euro für das Gelände am Waldermardamm, in dessen Nähe sich ein Garagenkomplex befindet. Noch fehlt zwar die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung, doch gilt ein positives Votum als wahrscheinlich, "schließlich stehen auch wir in der Verantwortung", wie Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) betonte. Laut Angaben der Kreisverwaltung sei das 5.240 Quadratmeter große Areal mit Blick auf die "Lage" sowie die "gute Infrastrukturanbindung" für den Bau der Asylbewerberunterkunft bestens geeignet. Zwei T-förmige Gebäude in modularer Bauweise mit Flachdach sollen dort entstehen. Für das Bauvorhaben ist laut Angaben der Nauener Stadtverwaltung "nach bisherigem Planungsstand eine geringfügige Änderung des Bebauungsplanes ,Zuckerfabrik' erforderlich".
Eine weitere Unterkunft wird indes in der Stadt Falkensee gebaut, dort allerdings auf einem von vornherein kreiseigenem Grundstück an der Panzerstraße/Ecke An der Lake. Dazu haben den Angaben zufolge bereits erste Gespräche zwischen dem Baubeigeordneten des Landkreises, Jürgen Goulbier, und dem zuständigen Beigeordneten der Stadt Falkensee, Thomas Zylla, stattgefunden. Goulbier sagte: "Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass wir auf dem freien Wohnungsmarkt eine Lösung in dieser Größenordnung finden. Man kommt aufgrund der großen Zahl an Zuweisungen nicht um weitere eigene Gemeinschaftsunterkünfte herum." Mit dem Bau soll an beiden Standorten Anfang des dritten Quartals dieses Jahres begonnen werden. Nach entsprechender Vorplanung will die Kreisverwaltung noch im ersten Quartal des Jahres die Bürger über Einzelheiten informieren.
Mit Sorge blickte indes Landrat Dr. Burkhard Schröder (SPD) infolge der zunehmenden Asylbewerberzahlen indes auf die steigenden Kosten der Betreuung für den Landkreis. Sie werden bisher durch das Land Brandenburg schließlich nicht in voller Höhe erstattet. Da der Kreis nach dem Landesaufnahmegesetz nicht die tatsächlichen Kosten der Betreuung, sondern nur eine Pauschale erhält, entstehe eine Deckungslücke, die bei steigenden Zuweisungszahlen gleichfalls größer werde. Die jährliche Erstattungspauschale beträgt den Angaben zufolge 9.128 Euro pro Asylbewerber. "Die tatsächlichen Kosten sind allerdings inklusive der Kostenübernahme der gesundheitlichen Versorgung weitaus höher", betonte der Landrat. Vom anstehenden Asylgipfel, zu dem Ministerpräsident Dietmar Woidke in der kommenden Woche die Verwaltungsspitzen der Landkreise und Städte eingeladen hat, erhofft er sich einen nachhaltigen Handlungsrahmen und bessere Finanzierungshilfen.
Übrigens: Derzeit leben insgesamt 485 Asylsuchende und Flüchtlinge im Havelland. Davon sind 141 Menschen in Wohnungen untergebracht, 344 leben in den Gemeinschaftsunterkünften in Friesack, Premnitz und Rathenow. Ende Januar wird die Gemeinschaftsunterkunft in Rathenow am Grünauer Weg mit 85 Plätzen eröffnet, im zweiten Quartal dieses Jahres soll zudem der Bau der Unterkunft in Falkensee mit 65 vorgesehenen Plätzen abgeschlossen sein. Insgesamt wird der Landkreis mit den geplanten Neubauten in Nauen und Falkensee sieben Gemeinschaftsunterkünfte haben. Ob damit endgültig das Ende der Fahnenstange erreicht ist, ist nicht bekannt.