Der Kreißsaal in Nauen hatte im Oktober 2018 wegen Personalmangels seinen Betrieb einstellen müssen. Es waren u.a. durch eigene Schwangerschaften und Krankheit schlichtweg zu wenige Hebammen vor Ort, um den Gebärenden eine sichere Geburt zu ermöglichen. Seit diesem Zeitpunkt war es im Landkreis nur noch in Rathenow möglich, sein Kind in einer Klinik zur Welt zu bringen. Viele Frauen aus dem Osthavelland wichen nach Potsdam oder Berlin aus, um die lange Fahrt in die Kreisstadt zu umgehen.
Die Havelland-Kliniken hatten sich den Schritt nicht leicht gemacht. Man hatte keine Alternative gesehen, das Risiko für die werdenden Mütter und ihre Kinder sei zu groß gewesen, so Pressesprecherin Babette Dietrich. Seitdem habe man sich aber intensiv um Personal bemüht und dabei nicht nur auf gestandene Hebammen gesetzt, sondern auch auf Auszubildende. Um die Attraktivität der Arbeitsstätte zu steigern, habe man das Konzept eines hebammengeführten Kreißsaals etabliert und dafür mit Manuela Eggert eine erfahrene Hebamme gefunden.
Im hebammengeführten Kreißsaal werden die Schwangeren im eins-zu-eins-Verhältnis von "ihrer" Hebamme betreut. Genau dafür schlage das Herz der Hebammen, für die ihr Beruf immer auch Berufung sei, so Eggert. Ärzte werden nur hinzugezogen, wenn es nötig ist. "Wir kommen nur ins Spiel, wenn die Hebamme nicht weiter kommt", erklärt Yvonne Schwarz, Chefärztin der Gynäkologie. Dazu würden u.a. Fruchtwasseruntersuchungen oder Kaiserschnitte zählen. Kinderärzte stehen für die Neugeborenenbetreuung im Hintergrund bereit.
Um den hebammengeführten Kreißsaal herum sind die Havelland-Klinik dabei, ein Familienzentrum zu etablieren. Neben Beratungsangeboten rund um die Entbindung zählen dazu auch das Schwangerenfrühstück und Geburtsvorbereitungskurse, sowie auch die Nachsorge, wenn das Baby auf der Welt ist. Dazu arbeitet man mit dem Havelländischen Netzwerk Gesunde Kinder zusammen.
Um noch mehr solcher Angebote zu etablieren und das Team im Kreißsaal zu verstärken, sucht die Klinik weiterhin Hebammen und Entbindungshelfer. Doch erstmal ist dank der Neueinstellungen und eines aufgebauten Netzwerks von Hebammen, die einzelne Dienste übernehmen, möglich, den Betrieb wieder aufzunehmen.
Darauf ist auch Jörg Grigoleit, Geschäftsführer der Havelland-Kliniken-Unternehmensgruppe sehr stolz. Es sei ein Kraftakt gewesen, den Kreißsaal wieder ans Netz zu bringen. Er hofft nun, dass das Konzept sich trägt und es nicht noch einmal zu einer Schließung kommt. Allein seit 2015 haben laut Angaben des Deutschen Hebammenverbandes 90 Kreißsäle in Deutschland geschlossen - Kreißsäle, die wiedereröffnet werden, sind die absolute Ausnahme.
Übrigens ist es auch weiterhin möglich, seine eigene Hebamme als sogenannte Beleghebamme zur Geburt mitzubringen.