Goodwin Koti Sama zieht behände den Zaun, als hätte der 59-Jährige noch nie etwas anderes gemacht. Zwischendurch lässt er den Blick kurz über die Schafherde, die nur wenige Meter entfernt im hohen Gras steht, schweifen. „Ist gut hier“, sagt er leise, lächelt und widmet sich wieder dem Zaun.

Eine Idylle, die viel Arbeit bedeutet

Hier, das sind die saftig grünen Wiesen bei Schönwalde. Auf denen stehen die Schafe von Olaf Kolecki, fressen, zwischendurch mal ein Mäh, dann weiter mampfen. Die drei Hunde haben gerade nicht viel zu tun. Während einer von ihnen döst, spielen die zwei anderen munter im Gras. Und Schäfer Kolecki hat mal Zeit, einen Moment inne zu halten, die Idylle zu genießen, bevor es wieder an die Arbeit geht.

Schafe wollen sieben Tage die Woche versorgt sein

Für Kolecki gilt, was für alle Tierhalter Usus ist: Die Arbeit ruht nicht, auch wenn sie da gerade auf der Weide steht und genüsslich schmatzt. Tiere wollen immer umsorgt werden, von Montag bis Sonntag. Gleich neben der Wiese steht der Wassertank. Getränkt werden müssen die Tiere, nach ihnen sehen, die Zäune kontrollieren, neu aufstellen. „Dabei habe ich jetzt Hilfe“, sagt Kolecki. Neben Goodwin Koti Sama aus Kamerun, arbeitet ein 24-jähriger Somalier mit Kolecki. Und der ist mit seinen Hilfskräften sehr zufrieden, sagt er.

Aktion Lämmer gucken genutzt

Im vergangenen Jahr hatte Kolecki seine Ställe geöffnet. „Lämmer gucken“ hieß die Veranstaltung. Denn die Schafe und Ziegen bekommen dann ihre Jungen und das geht wahrlich wie am Schnürchen. Nicht weit entfernt von seinen Ställen liegt die Flüchtlingsunterkunft „Erlenbruch“ und so nutzten auch einige der geflüchteten Menschen die Gunst der abwechslungsreichen Stunde und besuchten Kolecki und die Schafe.

Arbeit gegen Schaf

„Einer der Männer fiel mir auf“, sagt Kolecki. „Er wirkte besonders interessiert, sagte aber kein Wort.“ Der Mann, der Koleckis Aufmerksamkeit erregt hatte, tauchte etwa zwei Wochen später wieder auf. Er wollte ein Schaf kaufen, erinnert sich Kolecki. Der Schäfer sprach mit ihm, sagte ihm das geschlachtete Schaf zu und fragte, wie er denn bezahlen wolle. Mit Geld oder Arbeit? Der Mann entschied sich dafür, sein Schaf abzuarbeiten und die Idee war geboren.

Guter Draht zur Flüchtlingsunterkunft entstanden

Kolecki sagt, er sprach daraufhin mit der Heimleitung und die sprach mit der Gemeinde und am Ende gab es sogar die finanzielle Förderung durch die Gemeinde. „Wir kamen gut klar, der Mann wusste, wie man mit den Tieren umgeht“, erzählt Kolecki. Dann erkrankte sein Hilfs-Schäfer, doch Kolecki hatte inzwischen einen guten Draht in die Flüchtlingsunterkunft. „Denen muss doch da drinnen die Decke auf den Kopf fallen“, sagt er und fand mit den beiden Afrikanern neue Helfer.

Ausgerissene Tiere ohne Probleme zurück gebracht

„Läuft top“, sagt er und lacht und erzählt weiter von dem Tag, als er die Schafe aus den Ställen auf die Wiesen bringen wollte. „Einige sind ausgerissen, so 50 oder 60 Tiere. Goodwin ging los, suchte sie und kam mit allen Tieren zurück. Noch dazu aus einer ganz anderen Richtung. Da wusste ich, der kann mit den Tieren umgehen, macht so was nicht zum ersten Mal“, erzählt Kolecki.

Auch in Kamerun schon Schafe gehalten

Was absolut stimmt, denn Goodwin Koti Sama hatte zu Hause tatsächlich Schafe, wie er erzählt, und auch Hühner. Er stammt aus Tiko, einer Kleinstadt in Ost-Kamerun. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. In Afrika arbeitete er als Verkehrspolizist, fuhr Motorrad. Die Arbeit bei Kolecki mache ihm Spaß, erzählt er. Er könnte sich aber auch gut vorstellen, für eine Sicherheits-Firma zu arbeiten.

Deutsch-Unterricht und Schafe

Seit neun Monaten ist er in Deutschland, er spricht Englisch und Französisch und vormittags büffelt er nun Deutsch. Nachmittags arbeitet er bei Kolecki, während sein Kollege im Deutsch-Unterricht sitzt und dafür am Vormittag auf den Wiesen und Weiden hilft. Kolecki holt sie zumeist ab und fährt mit ihnen zu den Schafen.

Mehr als 400 Schafe zu versorgen

„Sie kommen aber auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß“, sagt der Schäfer, der immerhin mehr als 400 Schafe zu versorgen hat. Zäune abbauen, aufbauen, Schafe von A nach B treiben, Wasser holen, nach den Tieren sehen, Futter holen, bei allen Aufgaben sind die beiden Hilfs-Schäfer dabei.
Kolecki gibt seine Anweisungen dabei in deutscher Sprache, unterlegt sie mit reichlich Gestik, Hände und Füße, kommen zum Einsatz. „Läuft“, sagt er noch einmal. Und die Schafe mähen überall auf der Welt gleich. Unterstützung ohne Berührungsängste zu finden, das sei gar nicht so leicht, sagt der Schäfer und ist froh, damit ein Problem gelöst zu haben.

Kolecki sucht versierten Fleischer

Bei der Lösung eines anderen Problems können vielleicht die Leser/innen helfen. Schäfer Kolecki sucht einen Fleischer „der aus meinen Schafen richtig lecker Wurst machen kann. Etwas Besonderes, nicht 08-15.“ Koleckis Herden sind in der Landschaftspflege aktiv, doch geschlachtet wird auch. Dafür fährt Kolecki die Schafe nach Berge, einem Ortsteil von Nauen. Das ist nicht so weit, die Tiere sollen keinen Stress haben, erklärt der Schäfer.
Regionale Frische, von der Weide auf den Teller, das komme an und schwebt auch dem Falkenseer Schäfer vor. „Neulich war ein Koch bei mir auf der Weide. Der war erfreut und erstaunt als ich ihm sagte, er könne sich auf der Weide ein Tier aussuchen. Das hätte er so im Raum Berlin noch nicht erlebt“, beschreibt Kolecki die Begegnung. Interessierte Fleischer melden sich unter okolecki@t-online.de.