Die Mutterkühe auf der Weide sind gut genährt, zutraulich und neugierig. Doch diese landwirtschaftliche Idylle täuscht, wie die Junglandwirte Henning und Mathias Jung in Groß Behnitz Eduard Krassa, Abteilungsleiter für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Forsten im Brandenburger Landwirtschaftsministerium, im Gespräch deutlich machten. Er war nach Groß Behnitz gekommen, um sich über den Generationswechsel und die Situation der Junglandwirte im Havelland zu informieren.

Ertragseinbußen beim Rapsanbau

Henning Jung nannte Beispiele, wie sie die Situation nach der Übernahme des Landwirtschaftsbetriebes von Vater Wolfgang Jung sehen. Der Rapsanbau habe erheblich abgenommen. Der Grund wären die festgelegten Einschränkungen bei der Saatgutbeize, die zu Ertragseinbußen bis hin zur Unwirtschaftlichkeit führten. 50 Prozent weniger Pflanzenschutz, 30 Prozent weniger Düngemittel, das seien die von der EU gesetzten Ziele bis 2030. Es sage aber niemand, wie die Ertragseinbußen aufgefangen werden könnten.
Mathias Jung: „Eine intakte Landwirtschaft ist nur dann möglich, wenn wir ausreichende, wirksame und umweltfreundliche Pflanzenschutzmittel zur Auswahl haben, die auch häufige Wirkstoffwechsel ermöglichen“. Das wäre aber gegenwärtig so nicht gegeben. Die Forderung nach Unterdüngung unter den Bedarf der Pflanzen habe bereits jetzt im Betrieb zur Folge, dass rund ein Drittel der Weizenerträge nur als Futterweizen zu verwenden ist und so zu erheblichen finanziellen Einbußen führt.
Jeden Fungizid-Einsatz vorher genau zu beurteilen, sei nicht nur eine finanzielle Frage. Sie wollten die Flächen später genau so gesund an ihre Söhne weitergeben, wie sie diese vom Vater übernommen hätten, fügte Henning Jung hinzu.

Konventionelle und ökologische Landwirtschaft kombinieren

Konventionelle und ökologische Landwirtschaft, möglicherweise erneuerbare Energiegewinnung auf einigen Flächen könne sinnvoll kombiniert werden, ist sich Mathias Jung sicher. Von den 1.450 Hektar des Betriebes werden 150 Hektar als Grünland mit Mutterkuhhaltung ökologisch bewirtschaftet. Auf 1.300 Hektar werden Raps, Weizen, Mais, Erbsen, Roggen und Hafer konventionell angebaut. Rund sieben Prozent sind als ökologische Vorrangflächen stillgelegt.
Aber niemand wisse, wie die Produktionsstrukturen und die politischen Rahmenbedingungen in den nächsten Jahren sein werden, meinte Mathias Jung. Deshalb müsse nach Alternativen gesucht werden. Photovoltaik auf ungünstig gelegenen Flächen könnte dazu gehören.

Wechselnde Vorgaben sorgen für Unsicherheit

Die wechselnden Vorgaben für die Landwirtschaft in den letzten Jahren waren und sind finanziell schwer zu verkraften. Es werden stabile rechtliche und politische Rahmenbedingungen für langfristige wirtschaftliche Produktionssysteme gebraucht, gaben die Junglandwirte Eduard Krassa mit auf den Weg.
„Ich bin beeindruckt und auch glücklich zu sehen, wie die Groß Behnitzer Junglandwirte das Morgen mit Klugheit und Augenmaß gestalten. Unsere Aufgabe ist es, gute und langfristig wirkende Rahmenbedingungen zu schaffen“, so das Fazit von Eduard Krassa.