Pit Knorr hat in seinen 82 Lebensjahren viele satirische Texte und Dialoge geschrieben – seit 1974 besonders für Otto Waalkes. So stammen die meisten der durch Otto berühmt gewordenen Sketche und Bühnenprogramme, sowie die Drehbücher sämtlicher Otto-Filme aus Knorrs Feder. Der Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule trat kürzlich gemeinsam mit dem „Großmeister des komischen Gedichts“ (Tagesspiegel), Thomas Gsella, in einem Falkenseer Garten auf, der bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Die beiden kennen sich durch das Satiremagazin Titanic, dessen Gründer und langjähriger Herausgeber Knorr war und bei dem Gsella jahrelang als Redakteur und zeitweise sogar Chefredakteur tätig war. Für Gsella war es bereits der vierte Auftritt in der Gartenstadt.

Duo brillierte mit seinen Dialogen

Das Duo brillierte bei der Gartenlesung mit herrlichen Dialogen: So beklagte sich Knorr in der Rolle des Vorsitzenden der „Victor-Schlawenz-Gesellschaft“ darüber, dass er eine Woche nach deren Gründung noch niemanden mit diesem Namen habe ausfindig machen können. „Solange wir dieses Problem nicht gelöst haben, ist unsere Arbeit – na, sagen wir mal – zumindest behindert.“ Als Lösung plane man, sich in „Watzlaff-Capsugel-Gesellschaft“ umzubenennen und dann jemanden mit diesem Namen zu suchen.

Museen - ein Wort zum Merken

Verblüffend war auch die These des von Gsella verkörperten, vermeintlichen Kunstkenners, „dass die Leistung des Malers Mondrian hauptsächlich darin zu suchen sei, dass er in seinen Bildern radikal die Bisamratten weggelassen hat, die bis dahin das bevorzugte Thema der abendländischen Malerei gewesen seien.“ Nach lautem Widerspruch seines Gesprächspartners mit dem Hinweis auf die vielen bisamrattenfreien Gemälde in den Museen dieser Welt zeigte dieser sich erstaunt und murmelte: „Museen… Museen… Muss ich mir merken, das Wort!“
Des Weiteren bemängelte der Altmeister der Komik, dass dem Pädagogen Spick in der Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werde, obwohl ein von ihm erfundenes Hilfsmittel vielen Schülern den Leistungsdruck nehme: „der Spickzettel“.

Satirische Gedichte zu aktuellen Themen

Thomas Gsella wartete mit Gedichten zu aktuellen Themen, wie den Olympischen Spielen, auf: „Sie streichen wegen Pandemie? / Wem sollte so was dienen? / Im Gegenteil entzücken sie / Mit neuen Disziplinen: / Hochfiebern, Mannschaftsatemnot, / Weitschneuzen, Frauenhusten, / Einschlafen Achterruderboot, / Schutzmaskenweitwurf, Pusten, / Teamwettbewerb Geruchssinnschwund, / Armbeugen, Kopfwehkriegen, / Lang-Covid, Staffelräuspern und / Zehn-Kilometer-Liegen.“

Auch über Fruchtfliegen und Zecken wurde gereimt

Aber auch aufdringliche Insekten bekamen ihr Fett weg. So reimt er über die Zecke: „Wie süß sie ist und winzig klein / Vor ihren ersten Schlücken! / Satt baumelt sie als dickes Schwein / An Ohren, Bauch und Rücken.“ Auch die extrem schnelle Vermehrung von Fruchtfliegen blieb nicht unkommentiert: „Ein Paar fliegt in den Biomüll. / Du gibst ihm zwei Minuten. / Nach zwei Sekunden wird es still. / Sie tun, was wir vermuten. / Nach zwei Minuten zählen wir / Und konstatieren grausend: / Es sind nicht drei, es sind nicht vier, / Es sind fünfhunderttausend.“
Wer mehr von den Beiden lesen will, wird auf www.pitknorr.de und www.thomasgsella.de fündig. Infos zu weiteren Falkenseer Gartenlesungen gibt es hier. Die nächste Lesung ist für den 13. August angesetzt.