In Falkensee-Finkenkrug gab es bei der Gartenlesung der hiesigen Satirefreunde wieder ordentlich zu lachen. Diesmal war der ehemalige Chefredakteur des Satire-Magazins Titanc, Leo Fischer, zugegen, den man neben der Titanic vor allem aus seinen Kolumnen in TAZ, Konkret, Jungle Word, Neues Deutschland und dem Nachrichtenportal Watson kennt.
Er las aus seinem Buch „Der Kaffee am Arsch der Welt“ vor, in welchem er solche erfolgreichen Esoteriker und selbsternannten Philosophen wie John Strelecky und Richard David Precht auf die Schippe nimmt.

Lasche Lebensweisheiten, dafür viele Lacher

Sein vor Ironie nur so triefendes Buch ähnelt über lange Strecken dem ernstgemeinten Vorbild „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky – nur mit dem Unterschied, dass der Leser bei Fischer weniger lasche Lebensweisheiten und dafür deutlich mehr Lacher genießen kann.
Herrlich skurril beginnt die Geschichte mit einem ICE-Ausflug von Frankfurt am Main nach Köln. „Zwei Gegenpole. Hier die völlig durchschnittliche, leicht zurückgebliebene Mittelklassestadt ohne Charme – da die irgendwie abgewetzte, in den Neunzigern stehengebliebene Saftsackmetropole mit Minderwertigkeitskomplex. Und keiner wusste, welche welche war. Zwillinge im Geiste und in den Feinstaubwerten.“

Nächtlicher Nothalt in Montabauer

Bei einem nächtlichen Nothalt auf dem Bahnhof von Montabaur, wo sich die gestrandeten Fahrgäste gewaltsam um ein belegtes Brötchen und ein paar Apfelschnitze prügeln, flieht der Erzähler – in 'zig Metaphern redend – in ein entferntes, verwunschenes Café, wo jeder Mitarbeiter und wohl auch jeder Gast nur so mit Metaphern, Bildnissen und lächerlich klingenden Lebensweisheiten um sich wirft. Und dort trifft er auch den „Philosophenkönig“, Richard David Precht, welcher solche Sätze sagt wie: „Ich vermag es, mein Nichtwissen anders anzuwenden.“

Tiere, die man gesehen haben muss

Wo Strelecky im Nachwort von den fünf Tieren erzählt, die man auf einer Safari unbedingt sehen sollte, spricht Leo Fischer von „sechs Tieren, die man bei jedem Zoobesuch unbedingt gesehen haben muss: Elefant, Löwe, Zebra, Rosskastanie, Mungo und Zwergkaiman. Wer diese sechs Tiere in seine Psyche integriert hat, wer mit ihnen lebt und sie regelmäßig entfloht, wird auf lange Sicht erfolgreicher sein und muss auch seltener in Zoos.“

In die Esoterik-Ecke sortiert

Ironischerweise sortieren einige Buchhändler sein Werk einfach zu den echten Esoterik-Werken ins selbe Verkaufsregal, was dazu führt, dass Fischers Buch von vielen Esoterikern versehentlich gekauft und es somit zu Fischers bisher erfolgreichstem Buch wurde. Die Rezensionen auf Amazon fielen dementsprechend gemischt aus.
Aber Leo Fischer war einfallsreich und schrieb dort einfach selbst eine Rezension über sein eigenes Buch: „Es hat mich und mein Leben reicher gemacht. Bevor ich dieses Buch gelesen hatte, war mein Leben sinnlos, fremdbestimmt, ein einziges Jammertal. Das ist es zwar immer noch, aber immerhin gehe ich es jetzt mit einer positiven Einstellung an!“, ist bei Amazon immer noch als neueste Rezension zu lesen.
In dem Buch kreierte Fischer auch den Begriff des „homo officci, ein Homeoffice-Mensch“ - noch lange vor der Corona-Krise. Aber auch abseits dieses Buches hat Leo Fischer schon öfter ins Schwarze getroffen. So schrieb er 2014, als sich die Deutschen über das geplante Freihandelsabkommen TTIP aufregten und viel über Chlor-Hühner diskutierten, in der satirischen TAZ-Kolumne „Die Wahrheit“ einen Artikel namens „Wasser geht baden“.

Genverändertes Wasser

Dabei erzählt Fischer in ironisch-wissenschaftlichem Ton, dass aus den USA nun auch gentechnisch verändertes Wasser nach Europa kommen würde. „In Amerika gibt es bereits Wassersorten, die bei viel höheren Temperaturgraden gefrieren, nämlich in Fahrenheit. Daneben gibt es sogenanntes Instantwasser: Wird es lange Zeit nicht benutzt und offen stehen gelassen, löst es sich auf – in nichts.“
Dass der Satiriker sich das ausgedacht hat, hätte eigentlich allen einleuchten sollen, die in Biologie aufgepasst haben und wissen, dass Wasser überhaupt keine Gene besitzt und diese damit auch gar nicht verändert werden können. Trotzdem gab es einige Esoteriker, die dies für bare Münze nahmen und den Inhalt im Netz verbreiteten. Leo Fischers Texte sind und bleiben somit ein Highlight für alle Fans der Satire.