„Aus überregionaler Sicht ist das ein großer persönlicher Erfolg für Hannelore Kraft. Es ist in erster Linie ihr Sieg, weil sie eine aufrichtige und ehrliche Politik macht“, sagte Martin Gorholt, SPD-Vorsitzender im Havelland. Er sieht mit Blick auf die Bundestagswahlen die Signallampe auf rot-grün geschaltet. Zumindest stünden die Chancen für einen Wechsel nicht schlecht, weil Wahlen im bevölkerungsstärksten Bundesland NRW immer Gewicht hätten.
„Wir werden ab dem Sommer intensiv in die Wahlkampfvorbereitung intern einsteigen. Das werden wir sehr ernst nehmen“, betont Gorholt dann auch. Er hat den ab September kommenden Jahres anstehenden Wahlmarathon beginnend mit den Bundestagswahlen bis hin zu den Landtags- und Kommunalwahlen im Jahr 2015 schließlich fest im Blick. Der solle aus SPD-Sicht möglichst allseits erfolgreich gestaltet werden.
Bei den Bündnisgrünen herrschte am Montag ebenfalls Zufriedenheit, nicht zuletzt, weil das Wahlergebnis vom letzten Mal auch aus der Regierungssituation heraus nahezu gehalten werden konnte. „Es freut mich außerordentlich, dass die rot-grüne Koalition in NRW jetzt mit einer soliden Mehrheit fortgesetzt werden kann. Aus unserer Sicht hat sich gezeigt, dass wir gut gearbeitet haben und die Schwerpunkte Bildung, Energiewende und Stärkung der Kommunen richtig gesetzt waren. Eine nicht unwichtige Rolle für diesen Erfolg hat sicher auch der integrative Politikstil von Silvia Löhrmann gespielt. Ihre Glaubwürdigkeit, ihr Engagement und die gute Zusammenarbeit mit Hannelore Kraft haben die Menschen in Nordrhein-Westfalen überzeugt“, meinte Petra Budke.
Havellands FDP-Chef Torsten Bathmann, der bereits nach den Wahlen in Schleswig-Holstein einen Erfolg seines Parteifreundes Christian Lindner prognostiziert hatte, sieht den eingeschlagenen Kurs der Liberalen bestätigt - „trotz aller Anfeindungen“, wie er betonte. „Ich finde, wir bleiben unserer Linie klar treu. Die Schwäche der Union hat gezeigt, dass wir so weiter verfahren sollten. Politisches Harakiri zu begehen, bringt nichts.“
Für Oliver Huth, Kreisvorsitzender der Piraten, kommt der erstmalige Einzug seiner Partei in das NRW-Landesparlament nicht überraschend. „Momentan macht es richtig Spaß. Wir werden von allen Parteien ernst genommen und nicht mehr belächelt. Das macht Lust auf mehr“, sagte er. Ob der Trend bei den kommenden Wahlen so weitergeht, weiß er allerdings auch nicht. „Vom Bauchgefühl würde ich aber sagen: ,Ja‘.“ Sieben bis acht Prozent seien auch künftig eine realistische Größe, wie er meinte.
Und was sagen die „Wahlverlierer“? Der stellvertretende Vorsitzende der havelländischen CDU, Michael Koch, ist nahezu fassungslos. „Das es so schlimm kommt, damit habe ich nicht gerechnet. Das Ergebnis ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Man muss anerkennen, dass Frau Kraft es geschafft hat, sich als warmherzige Landesmutter zu präsentieren“, sagte er.
Weil die CDU, im Speziellen Norbert Röttgen, es nicht geschafft hat, inhaltlich zu punkten, ist nun der Scherbenhaufen da. „Haushaltspolitik ist nunmal nicht als emotionales Wahlkampfthema geeignet. Das hat sich erneut bewahrheitet. Für die CDU war es ein bitterer Tag. Da lässt sich nichts schönreden.“ Laut Angebn von Koch müssten im Vorfeld der Bundestagswahlen nun die Zügel angezogen werden.
Bei den Linken sitzt der Stachel der Enttäuschung erneut tief. Auch in NRW hat es die Partei nicht geschafft, den Bundestrend zu stoppen. Das Wahldebakel ärgert deshalb auch hierzulande den Kreisvorsitzenden Hendrik Öchsle. Nüchtern stellte er jedoch fest: „Die lange Debatte um den Parteivorsitz hat die inhaltlichen Angebote der Linken offensichtlich überlagert. Wir müssen jetzt die richtigen Schlussfolgerungen ziehen“, sagte er.
So müsse auf dem Bundesparteitag Anfang Juni eine Parteispitze gewählt werden, welche die Programmatik glaubhaft und offensiv vertritt. Dann würde die Linke auch wieder bei Landtagswahlen in den alten Bundesländern sowie auf der Bundesebene erfolgreich sein, so Öchsle. „In Ostdeutschland stellt sich die Situation etwas anders dar. Aufgrund der starken Präsenz der Linken in den Kommunalvertretungen und in den Landesparlamenten schlägt der Negativtrend der letzten Monaten aus der Bundespartei nicht so stark durch. Das zeigt nicht zuletzt das erfolgreiche Abschneiden der Linken bei den Stichwahlen um Landrats- und Bürgermeisterposten in Thüringen. Seit vorigem Wochenende stellt die Linke dort erstmals drei Landräte und eine Oberbürgermeisterin.“