Am 3. Dezember war Internationaler Tag für Menschen mit Behinderung. Das nutzte die Agentur für Arbeit Neuruppin, um auf ihre Arbeit mit Jugendlichen mit Einschränkungen aufmerksam zu machen. Die Agentur ist Träger der beruflichen Rehabilitation, wie es offiziell heißt.

Keine Chance in „normaler“ Ausbildung

Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Förderung junger Menschen, auch Erwachsenen, die auf Grund ihrer Einschränkungen oder Behinderungen auf dem „normalen“ Weg keine Chance auf eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Arbeitsplatz haben. Im gesamten Agenturbereich, zu dem neben dem Havelland auch die Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel gehören, sind dies derzeit etwa 1.400 Menschen.

Theoriereduzierte Ausbildung im Jugendaufbauwerk Nauen

Die Agentur für Arbeit kooperiert mit einem großem Netzwerk. Das Jugendaufbauwerk (JAW) Nauen gehört seit vielen Jahren dazu. Hier lernen junge Leute Berufe wie Schweißwerker, Metallbearbeiter, Gartenbauhelfer oder Fachpraktikant im Lagerbereich. Das Besondere: Die Ausbildung ist theoriereduziert, die Anforderungen werden langsam gesteigert. Es gibt gezielte Förderung für jeden Einzelnen, und es wird langsam in der Praxis an den Beruf heran geführt. Jeder werde da abgeholt, wo er gerade steht, erklärt Ronald Becker, Bereichsleiter für gewerbliche Berufe im JAW.
Die jungen Menschen, die in Nauen gefördert werden, haben ganz unterschiedliche Probleme. Manche sind hyperaktiv, manche haben eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Durch die Erfolgserlebnisse in der geförderten Ausbildung finden viele den Zugang zur Arbeit und zum Arbeitsmarkt. Dabei hilft auch die Pritzkow Fensterbau GmbH in Nauen, mit der das JAW zusammen arbeitet. Immer wieder dürfen hier junge Menschen Praktika absolvieren.
Eike Pritzkow erklärt, dass man die Praktikanten an verschiedenen Arbeitsplätzen einsetzt, um den richtigen für den jeweiligen Jugendlichen mit seinen Stärken zu finden. Einen Platz, wo der junge Mensch sich wohl fühlt und gut hinpasse. Dann stimme auch die Motivation. Das JAW leiste dabei gute Vorarbeit.

Zu schnell zu viele Lerninhalte

Wie gut die Zusammenarbeit klappt, zeigt sich auch in den übernommenen Mitarbeitern. Pritzkow weiß aus dem Stand von mindestens fünf Personen, die derzeit bei ihm angestellt sind, die einst eine Ausbildung im JAW gemacht haben - darunter sogar Teamleiter. Eike Pritzkow betont aber auch, dass diese es wohl nicht geschafft hätten, wenn sie eine normale Ausbildung im Betrieb begonnen hätten. „Das wäre zu schnell zu viel gewesen“, so Pritzkow.

Lernen ohne Druck im eigenen Tempo

Florian Haas, der derzeit eine Ausbildung zum Schweißwerker absolviert, schwärmt vom JAW. Er sei ein sehr durchschnittlicher Schüler auf der Oberschule gewesen und mit einer diagnostizierten Lese-Rechtschreib-Schwäche habe er für sich eigentlich keine Perspektive gesehen, erzählt der junge Mann. Doch mit Hilfe gezielter Förderung schaffte er es, seinen Hauptschulabschluss nachzuholen und ist nun im JAW gelandet, wo es ihm sehr gut gefällt. Er lerne unheimlich viel und das ohne Druck.
Wenn Florian Haas seine Ausbildung abgeschlossen hat, stehen seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht schlecht. So sind in diesem Jahr 16 Azubis des JAW zu einer Abschlussprüfung angetreten. 15 bestanden diese, und zwölf starteten gleich im Anschluss in ihr Arbeitsleben.

Ziel ist eine dauerhafte Beschäftigung

Das ist auch das Ziel der Förderung durch die Agentur für Arbeit - eine dauerhafte Beschäftigung. Schüler mit Beeinträchtigungen kommen in der Regel schon circa ein Jahr vor ihrem Abschluss an Förderschulen mit den Berufsberatern in Kontakt. Diese sind aber nicht nur für die Jugendlichen da. Auch Arbeitgeber werden gezielt beraten, Fördermöglichkeiten erklärt und Vorbehalte abgebaut. „Wo Unterstützungsbedarf da ist, wird auch von der Arbeitsagentur gefördert,“ erklärt Corinna Kuhno, Teamleiterin Berufliche Rehabilitation und Teilhabe bei der Arbeitsagentur Neuruppin. Ziel müsse es sein, die Jugendlichen, die oftmals stark in der Region verwurzelt sind, zu gut ausgebildeten Fachkräften zu machen. Dafür müsse man sich Zeit nehmen und sie begleiten.