Am Donnerstag durften sie erst mal den Ort kennen lernen, besuchten das Schloss und entspannten ein wenig an der Havel. So hatte es Marie Kogge am späten Nachmittag nicht ganz leicht, die temperamentvollen jungen Musiker aus verschiedenen Ländern zur Probe zu formieren. "Wir alle sind im Verein "MitMachMusik – Ein Weg zur Integration von Flüchtlingskindern" vereint", erklärte die freischaffende Geigerin und Gründerin der MitMachMusik am Rande der Probe. Die Idee sei 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle entstanden, erzählte sie.
So habe sie eher spontan begonnen, Profimusiker, Musiktherapeuten und als Musiker ausgebildete Asylsuchende, aber auch Asylbewerber, die gern Musiker werden möchten, aber in ihren Herkunftsländern wie Afghanistan keine Musik machen durften, zusammenzuführen. "Unser im Jahre 2016 gegründeter Verein ist offen für Kinder und Jugendliche, die ganz ohne eigene Kosten Musikunterricht nehmen möchten und wir stellen ihnen dafür die Instrumente zur Verfügung", erzählte sie und merkte an, dass auch Kinder und Jugendliche ohne Fluchterfahrung, beispielsweise aus Polen und aus Deutschland, im Musikprojekt mitwirken, dessen Schirmherrschaft Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble übernommen hat. Er sei auch zum Konzert am 6. September eingeladen, merkte Marie Kogge an.
Es war schon beeindruckend zu erleben, wie die musikbegeisterten Kinder intensiv miteinander probten, und das noch auf sehr verschiedenen Leistungsstufen. Sprachprobleme gab es überhaupt keine. Alle sprechen inzwischen fließend deutsch. Rund zwei Drittel der Mitwirkenden haben Fluchterfahrung. Die deutschen Kinder ließen sich gerne von deren Feuer und Elan anstecken, erzählte Marie Kogge. Das Repertoire sei klassische Musik mit Elementen der Musik aus den Herkunftsländern der jungen Musiker. Die Musik werde genau für die Kinder, die sie spielen, arrangiert.
"Das gemeinsame Musizieren macht Spaß", so die kurze Bemerkung von der 14-jährigen Rubina aus Afghanistan, ehe sie mit einem Lächeln auf die Bühne hüpfte. "Uns allen", so die kurze Ergänzung der gleichaltrigen Miar aus Palästina. Patrycja aus Polen spielt seit ihrem siebenten Lebensjahr Geige. "Es ist nicht einfach. Ich übe zuerst allein und dann im Orchester. Aber mich reizt dieses Zusammenspiel", sagte sie vor der gemeinsamen Probe.
Pamela Rosenberg wohnte als Mitbegründerin und heutige Vorsitzende des Vereins der Orchesterprobe bei. "Anfangs war es unser Gedanke, den Kindern mit diesen schlimmen Fluchterfahrungen ein Zuhause und eine Stimme zu geben. Heute bin ich sehr glücklich, wenn ich sehe, welches Selbstwertgefühl diese Kinder und Jugendlichen entwickelt haben und dieses auch in die Musik einbringen", sagte die ehemalige Intendantin der Berliner Philharmonie.
Nur maximal 80 Personen können am 6. September wegen der geltenden Abstandsregeln an diesem ungewöhnlichen Musikerlebnis teilnehmen. Alle müssen sich vorher anmelden, informierte Gabriele Radtke-Wolf von der Stiftung Paretz. Das möglich via Telefon unter 033233/799590 oder per E-Mail an info@stiftung-paretz.de.