Sie hätten alle Waldnamen, erzählt Philipp, dessen Namensvetter ein knallgelber Vogel, der Pirol, ist. Wenn sie in den Wald gehen, dann nimmt Pauline den Namen Pelikan an und Sarah nennt sich Salamander. Die Kinder gehören zur Kita „Grashüpfer“ aus Brieselang, die Luchs-Gruppe ist die Waldgruppe der Kita und ihr Ausflug in den Wald ist mit echter Arbeit verbunden.

Erst Amphibienzaun kontrollieren, dann Müll sammeln

Denn erst werden die Eimer am Amphibienzaun kontrolliert und darin befindliche Tiere aufgelesen und am Tümpel gegenüber wieder ausgesetzt. Danach gehen sie auf Müllsuche, immer in Zweierteams, einer hat die große Mülltüte, der Partner oder die Partnerin die Greifzange.

Erzieherin ist beim NABU Osthavelland aktiv

Den Amphibienzaun läuft Erzieherin Michaela Nesch einmal wöchentlich mit den Kindern ab. Nesch ist beim NABU Osthavelland aktiv. Der grüne, kniehohe Zaun wurde vor einigen Wochen vom NABU im Forstweg aufgestellt. Er soll verhindern, dass Kröte & Co beim Überqueren des Waldweges unter die Räder kommen. Alle paar Meter stoppt der bunte Tross und unter Neschs Anleitung wird ein Eimer auf einen Insassen abgesucht.
Etwa auf halber Strecke findet die Gruppe einen Teichfrosch, etwas später eine Erdkröte. Die Kinder erzählen durcheinander, alles, was sie über Erdkröten wissen. Und das ist wirklich einiges. Das Ablaufen des Zaunes sei für die Kinder jedes Mal ein Erlebnis, sagt Nesch. Ebenso wie Müll sammeln gehen.

Wenn Müll sammeln zum Erlebnis wird

Auch das gehört zum regelmäßigen Programm der Drei- bis Sechsjährigen, die mit aufmerksamem Blick das Gelände durchstreifen. Zunächst folgt die Gruppe einer regelrechten Fährte aus Bonbon-Papier, eine rote Hundeleine wird gefunden und ein seltsames Behältnis. Etwas später wird klar, nicht alles was rumliegt, ist Müll. Die kleine Verpackung gehört wohl zum sogenannten Geocaching, einer modernen Form der Schnitzeljagd. Das Versteck war wohl nicht gut gewählt.

Stofffetzen und Kleidung haben im Wald nichts zu suchen

Weiter hinten im Wald wird es fast schon unheimlich. Eine ganze Ansammlung alter Stofffetzen und Kleidungsstücke liegt in der Erde verborgen. Die Kinder graben, ziehen an dem Stoff, der Boden bebt und gibt dann blumige Muster und zerfetzte Kleiderreste frei. Plastik, eine Styroporbox. 6.000 Jahre braucht Styropor zum Verwittern, die Nylonfasern der Kleider wären in 60 Jahren Vergangenheit, so informiert die Internetseite „Utopia“. Auch Glasflaschen finden die Kinder. Glas besteht aus Quarzsand und braucht am längsten für den natürlichen Zerfall.

Sorge um Tiere treibt die Kinder an

Die Sorge um die Tiere der Gegenwart ist es, die Pauline mit Begeisterung den Müll anderer Menschen einsammeln lässt. Sie fürchtet, die Tiere des Waldes könnten sich verletzen. „Durch weggeworfenes Glas und Glasscherben können Brände entstehen“, sagt sie. Damit ist das Kita-Kind Pauline Pelikan offenbar schlauer als manch Erwachsener.
„Tatsächlich sorgen sich die meisten Kinder um Tiere, die durch den Müll zu Schaden kommen“, sagt Nesch. Und, obwohl oder vielleicht gerade, weil sie so jung sind, sehen sie in dem Müllproblem im Wald eine große Ungerechtigkeit. Und: „Viele Menschen gehen nicht gut um mit der Natur“, stellt Till, Waldname Teichfrosch, fest.