Am 11. Juli verlieh Konrad Bauer vom NABU Osthavelland im Rahmen des Gottesdienstes die Urkunde und Plakette „Lebensraum Kirche“ an die Kirche Finkenkrug. Mit der Auszeichnung ehrt der NABU Kirchengemeinden, die ihre Kirchtürme mit Nistkästen ausstatten lassen und sich damit im besonderen Maße um den Naturschutz verdient machen.
Die Finkenkruger Kirche am Pfarrer Voigt Platz in Falkensee dient den bedrohten Vogelarten Dohle und Turmfalke als sicherer Brutplatz. Kirchtürme werden von einigen Vogelarten besonders gern als Brutplatz angenommen. Turmvögel nennt Konrad Bauer die Dohlen, Turmfalken und Schleiereulen, um die er sich primär kümmert.

Doppelte Fürsorge - Kirche hat Umweltbeauftragten

In Finkenkrug erleben die Vögel doppelte Fürsorge. Nicht nur der NABU sorgt für eine sichere Bleibe. In der Gemeinde gibt es mit Jörg Romanski einen Umweltbeauftragten. Bauer, der im Osthavelland rund ein Drittel der 60 Kirchen mit Nistkästen ausgestattet hat und betreut, betont in seiner Rede die Einzigartigkeit. Er sagt, er kenne keine weitere Gemeinde mit einem Umweltbeauftragten. „Schätzen und pflegen sie ihn gut, damit er nicht ausstirbt“, rät er den Gemeindemitgliedern.

Vier Turmfalken-Jungvögel leben derzeit im Kirchturm

Die sogenannten Turmvögel finden sich alle in der Roten Liste der bedrohten Arten. Bauer berichtet, der Turmfalke wurde bei der letzten Überarbeitung von der Vorwarnstufe auf „gefährdet“ heraufgesetzt. In der 1926 geweihten evangelischen Kirche brüten derzeit Turmfalken, von den vier Jungtieren waren am Tag zuvor drei beringt worden. Das vierte Küken war für die Beringung noch zu klein. Für einen Start ins Vogelleben bieten die Kirchtürme gute Bedingungen. „70 Prozent der Jungvögel, die von uns erfasst werden, erblicken in Kirchtürmen das Licht der Welt“, sagt Bauer. Im letzten Jahr konnte sich das Turmvogel-Team des NABU über 284 Jungvögel freuen.

Auch Mauersegler und Fledermäuse sollen hier ein Zuhause finden

Den Turmfalken-Nistkasten in der Finkenkruger Kirche zimmerte eine Schulklasse der Adolph-Diesterweg-Grundschule. Die Anleitung dazu kam vom NABU und die Freude bei Jörg Romanski ist groß, dass der Nistkasten nun tatsächlich von den Turmfalken bewohnt wird. Doch mit den Dohlen und Turmfalken ist für Romanski die Frage um das Wohlergehen aller fliegenden Kirchenbewohner noch nicht gelöst. Auch den Mauerseglern möchte Romanski eine sichere Bleibe schaffen und für die Fledermäuse soll es angemessene Unterkünfte geben.

Mehr Naturschutz im Garten gefordert

Sichere Nistmöglichkeiten sind das eine, eine lebenswerte Umgebung mit einem reichlichen Futterangebot gehören ebenfalls zu dem, was gesunde Vögel brauchen. Und so appelliert Romanski in seiner Dankesrede an die Gemeindemitglieder für mehr Naturschutz im Garten. Auf den Einsatz von Giften verzichten, nicht ständig Rasen mähen und den Anblick von Wildblumen genießen, statt ausreißen, gibt er den Kirchenbesuchern mit auf den Weg.