Im Lindholz bei Paulinenaue kreischten wieder die Sägen und rollten schwere Fahrzeuge durch den Wald. Wieder war Anwohner Ingo Ludwig entsetzt, denn die Arbeiten im Wald haben seiner Meinung nach nichts mit den Aufräumarbeiten nach Sturmschäden zu tun. Doch genau darum soll es sich, so die Eigentümerin des Waldes, handeln. Über Ingo Ludwigs Einsatz für das Lindholz hatte BRAWO im Frühjahr bereits berichtet.

Lindholz ist Flora-Fauna-Habitat

Es wären nicht nur umgestürzte Baumriesen, die aus dem Wald entfernt wurden, erzählte Ludwig beim Vor-Ort-Besuch im Frühling. Bei einem gemeinsamen Rundgang durch das Fauna-Flora-Habitat (FFH) zeigte er die schon länger am Boden liegenden Bäume, in denen sich nun die Tiere des Waldes eingerichtet hatten. Die schweren Fahrzeuge, die im Wald unterwegs waren, hatten tiefe Fahrspuren im Waldboden hinterlassen. Sie wühlten die empfindliche Erde auf und verdichteten sie an anderer Stelle wieder.

Stämme gefällt und nicht vom Sturm umgefallen

Unzählige Bäume lagen herum, manche direkt an den Waldwegen. Als Sturmopfer gingen sie nicht durch, die glatte Schnittstelle am Stamm kurz über dem Waldboden zeigte, hier hatte nicht der Sturm, sondern der Mensch seine Spuren hinterlassen. Weil das Lindholz ein Schutzgebiet ist, in dem seltene Käfer und verschiedene Fledermausarten beheimatet sind, wandte Ludwig sich bereits damals an die Untere Naturschutzbehörde. Denn, so sagte Ludwig, diese Form der Waldarbeiten seien keine ordnungsgemäßen Waldarbeiten.

Gesunde Bäume gefällt

Nun wurde es wieder laut im Lindholz und wieder wandte sich Ludwig an die Untere Naturschutzbehörde. Doch diesmal gelang es dem NABU die Arbeiten zu stoppen. Denn wieder wurden mit schwerer Technik Bäume gefällt, weite Schneisen in den Wald geschlagen und jeglicher Bewuchs inklusive Sträucher, Kräuter, Wurzelteller, Altbäume und Totholz entfernt und zum größten Teil noch vor Ort geschreddert. Es wurden auf mehreren Hektar gesunde Stieleichen, Winterlinden und Hainbuchen abgeholzt.

Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht in Potsdam

„Hier geht es nicht um „Beseitigung von Sturmschäden“ oder „ordnungsgemäße Waldwirtschaft“, sondern um massiven Holzeinschlag im Schutzgebiet“, so der Eindruck der Naturschützer vom NABU Osthavelland. Da die vorgebrachten Einwände bei der Unteren Naturschutzbehörde ohne Konsequenz blieben, reichte der NABU Brandenburg ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht Potsdam ein. Mit Erfolg, denn kurz darauf untersagte die Untere Naturschutzbehörde Havelland der Privatwaldeigentümerin auf ihren Waldflächen alle weiteren eigenmächtigen Forstarbeiten in dem Naturschutz- und FFH-Gebiet „Lindholz“ bei Paulinenaue.

„Keine gute forstwirtschaftliche Praxis“

Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des NABU Brandenburg, betont dazu: „Der Ausgang des Eilverfahrens hat Signalwirkung für forstwirtschaftliche Maßnahmen in Schutzgebieten. Baumfällungen ohne Rücksicht auf die Anforderungen des Schutzgebietes, das Entfernen der gesamten Vegetation samt Baumstümpfen, Altbäumen und Totholz sowie das Arbeiten mit schweren Maschinen, die den Waldboden aufwühlen und verdichten, sind keine gute forstwirtschaftliche Praxis, insbesondere nicht in Schutzgebieten. Staatliche Behörden haben die Verpflichtung, solche extremen Eingriffe in Schutzgebieten sofort zu unterbinden. Diese verheerenden Schäden im Naturschutz- und FFH-Gebiet Lindholz dürfen sich unter keinen Umständen wiederholen.“

Lindholz ist Teil europäischer Schutzgebiete

Das Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet Paulinenauer Luch und Lindholz liegt im Landschaftsschutzgebiet Westhavelland sowie im Vogelschutzgebiet Rhin-Havelluch. Das Lindholz ist eines von 595 brandenburgischen FFH-Gebiete und somit Teil von Natura 2000, dem weltweit größten Netz aus Schutzgebieten. Natura 2000 besteht aus Vogelschutzgebieten und FFH-Gebieten. FFH-Gebiete sind europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt sind.