Für ihr Engagement um die heimische Zwergfledermaus sind Waltraud und Jürgen Rosenbusch aus Priort kürzlich mit der Plakette „Fledermäuse willkommen“ geehrt worden. Das Paar lebt in guter Nachbarschaft mit den Fledermäusen, die es sich bereits im letzten Sommer unter einer Verkleidung an ihrem Wohnhaus gemütlich machten. Die Plakette mit dazugehöriger Urkunde wurde vom NABU Brandenburg zum ersten Mal verliehen.

Fledermäuse machten anfangs Angst

Über diese Auszeichnung freuen sich Waltraud und Jürgen Rosenbusch ganz besonders. Dabei waren ihnen die nur vier bis acht Gramm wiegenden Hausgäste, die auch bequem in eine Streichholzschachtel passen, zunächst gar nicht geheuer. Als sie bemerkten, dass sich die Fledermäuse tagsüber unter der Verkleidung ihres Hauses versteckten, war das Paar zunächst verunsichert.
Es war das Corona-Jahr 2020, Fledermäuse galten als Überträger des Virus. Dazu kam die Sorge, die Tiere könnten Schäden am Haus verursachen. Über die Ortsbeirätin Sylvia Gehrke lernte das Paar Klaus Thiele kennen. Thiele ist Fledermaus-Experte des NABU. Er besuchte die Rosenbuschs und konnte ihnen die Angst vor den neuen Mitbewohnern nehmen.

Fledermäuse beschädigen keine Dämmung und fressen außerhalb

Die in Deutschland heimischen Fledermäuse übertragen das Covid-19 auslösende Virus nicht, versicherte Thiele. Fledermäuse bauen auch keine klassischen Nester, sie tragen also keine Materialien ins Haus und lassen damit auch das Inventar, wie die Dämmung, in Ruhe. Sie fressen auch draußen. Als Thiele eine der Fledermäuse einfing und die direkte Kontaktaufnahme möglich wurde, war es um die Rosenbuschs geschehen. Ihre Zuneigung zu den Tieren war geweckt. Und dass so eine kleine Fledermaus im Sommer schon mal 60.000 Stechmücken verspeist, wie Thiele berichtet, ist eine weiteres Plus auf der Liste Pro-Fledermaus.

Zwergfledermäuse mit Wochenstube in Priort

In diesem Sommer kehrten die Tiere zurück. Wenigstens 50 Fledermäuse, möglicherweise auch mehr, lebten von April bis September im Haus des Ehepaars Rosenbusch. Vermutlich eine Wochenstube, so Thiele. Die weiblichen Fledermäuse ziehen hier gemeinsam ihre Jungen groß. Fledermäuse paaren sich im Spätsommer und Herbst. Und dann passiert erst mal nichts. Die Weibchen sind in der Lage, den Samen zu speichern, denn den Winter verbringen die Tiere im Winterschlaf. Erst danach beginnt die eigentliche Tragzeit.

Fledermäuse sind auf Schutz angewiesen

Ein bis zwei Junge bringt ein Fledermausweibchen zur Welt. Dabei koordinieren sie den Geburtstermin in den Wochenstuben. Nur in diesem Jahr war das anders, schildert der Fledermaus-Experte. In diesem Jahr zogen sich die Geburten über einen Zeitraum von sechs Wochen. Warum das so war, kann er nicht sagen.
Friedhelm Schmitz-Jersch überreicht die Fledermaus-Plakette an Waltraud und Jürgen Rosenbusch aus Priort.
Friedhelm Schmitz-Jersch überreicht die Fledermaus-Plakette an Waltraud und Jürgen Rosenbusch aus Priort.
© Foto: Silvia Passow
Fledermäuse sind auf den Schutz der Menschen angewiesen, sagt Friedhelm Schmitz-Jersch, Landesvorsitzender des NABU Brandenburg, bei der Übergabe der Plakette mit Urkunde an das Paar Rosenbusch. Er betont, wie wichtig ein intaktes Öko-System ohne den Einsatz von Pestiziden für die kleinen Säugetiere ist. „Fledermäuse sind eher unauffällig. Doch sie sind ein wichtiger Teil im ökologischen Gefüge“, fügt er hinzu.

Krankheiten werden nur sehr selten übertragen

Es ist die erste Plakette für Fledermausfreunde, die der NABU Brandenburg verleiht. Mit dem Projekt „Fledermausfreunde“ will der NABU den fliegenden Säugern zu einer positiveren Wahrnehmung verhelfen. Denn noch immer fürchten viele Menschen die Fledermaus als Krankheitsüberträgerin. Hier kann Projektleiterin Julia Teubner Entwarnung geben. Krankheiten übertragen die Tiere nur sehr, sehr selten. Sie rät dennoch, sollte es nötig sein, Fledermäuse, wie andere Wildtiere auch, nur mit Handschuhen zu berühren.

Alle Brandenburger Fledermausarten gefährdet

Dass sich das Ehepaar Rosenbusch trotz anfänglicher Bedenken für die Fledermäuse entschieden hat, findet bei ihr viele lobende Worte. „Das ist ganz und gar nicht selbstverständlich“, sagt sie. „Viele Menschen wissen nicht, dass all unsere Fledermäuse geschützt sind. So kommt es vor, dass solch wichtige Quartiere beseitigt oder verschlossen werden. Alle 19 brandenburgischen Fledermausarten sind akut gefährdet und deshalb auf unsere Hilfe angewiesen, sei es durch die Anlage eines insektenfreundlichen Gartens, durch das Aufhängen von Fledermauskästen oder schlicht durch das Belassen von Fledermäusen in ihren selbst gewählten Quartieren“, betont sie.
Für die Auszeichnung „Fledermäuse willkommen“ kann man sich beim NABU bewerben oder Vorschläge einreichen. Das müssen nicht zwingend Privatpersonen sein, sagt Teubner. Auch Schulen, Kitas oder Firmen, die sich für das Wohl der Tiere einsetzen, können die Auszeichnung erhalten. Mehr dazu hier.