Die Beiden werden vielleicht für immer unbekannt bleiben, ganz anders als die Ereignisse, die ihre Landung auf einem Baumstumpf auslöste. Gleich mehrere Einwohner in Klein Behnitz freuten sich über den Besuch zweier Weißstörche. Waren sie auf der Durchreise oder auf Wohnungssuche? Sie saßen auf dem Baum und verrieten ihre Absichten nicht, während die Menschen befanden, Störche würden gut zu dem kleinen Ort im grünen Havelland passen.

Ein neues Storchennest für das Dorf

Wenn jemand im östlichen Havelland etwas Gutes für Adebar vorhat, dann kommt er oder sie nicht an Claudia Jörg, der Storchenbeauftragten des NABU im Osthavelland, vorbei. Jörg staunt noch immer ein wenig. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir es vor der Ankunft der Störche noch schaffen“, sagt sie. Nun steht sie auf der Wiese bei Klein Behnitz und sieht zu, wie die neue Storchenwohnung entsteht.

Viele Unterstützer für den Bau des Horstes

Mitte Februar gab der Ortsvorstand grünes Licht für das Projekt und rund zwei Wochen später bauten die Storchenbeauftragten Claudia Jörg und Carsten Horst gemeinsam mit Einwohnern aus Klein Behnitz das Storchennest. Derweil stand Pia Flemming in der Werkstatt der G&P Metallbau und arbeitete an der Horstkrone. Die Horstkrone ist das, was wie ein Körbchen aus Metall aussieht und in Klein Behnitz gerade mit der Sonne um die Wette glänzt. Sie ist der Aufsatz für das eigentliche Nest.

Junge Metallbau-Azubine baut Horstkrone

Flemming ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Metallbauerin für Konstruktionstechnik, den Auftrag erhielt sie von ihrem Chef. Der hatte Flemmings außergewöhnliches handwerkliches Geschick bei einem Praktikum entdeckt. In ihrer Berufsschule ist sie die einzige Frau, erzählt Flemming und auch von der Freude, die ihr die kreative Arbeit bereitet. Nun steht Flemming auf der Wiese am Ortsrand, gleich hinter der Station der Freiwilligen Feuerwehr, und schaut, wie der Mast, auf dem das Nest befestigt ist, aufgestellt wird.

Nestpaten für Storchenbeobachtung unerlässlich

Die Wiese hinter dem Wäldchen und gegenüber einer Pferdekoppel gehört einer Einwohnerin, bewirtschaftet wird sie von Landwirt Henning Jung, erklärt Ortsvorstand Marius Strauch (Freie Wähler Klein Behnitz). Auch Strauch ist dabei, als der 13 Meter lange Mast mit dem Nest aufgestellt wird. Und Sara Cleinow, seine Stellvertreterin und auch für die Freien Wähler Klein Behnitz im Ortsvorstand.
Cleinow übernimmt die Patenschaft für das Nest. Denn ohne Leute in den einzelnen Orten geht es nicht, sagt Jörg. Die Storchenbeauftragte Jörg betreut 90 Storchennester im Osthavelland, rund 30 davon werden regelmäßig von Storchenpärchen zur Brutaufzucht genutzt. Die „Nestpaten“ vor Ort sind für die Storchenbeobachtung unerlässlich.

EDIS stellt Masten für Nester

Ein ebenfalls wichtiger Akteur, wenn es um das Aufstellen der Nester geht, ist die E.DIS Netz GmbH. Störche lieben die Plätzchen mit Aussicht und die E.DIS spendiert hierfür die Masten aus Beton, auf denen die Nester thronen. Seit 2014 sind es 188 Nisthilfen, die E.DIS in ihrem Netzgebiet aufgestellt hat, 82 davon im Land Brandenburg. Die Firma Wernicke Transporte brachte die Masten auf die Wiese. Etwa 10 bis 15 Leute aus dem Dorf und Unternehmer aus der Region hätten sich für das Storchennest stark gemacht, berichtet Ortsvorsteher Strauch.

NABU bringt Nistkästen für weitere Vogelarten an

Störche lieben die Gesellschaft, in Storchennester kann man oft andere Vögel als Untermieter beobachten. In Klein Behnitz bekommen auch die zukünftigen Nachbarn der Familie Adebar ein schönes Zuhause. An einem weiteren Mast bringt die AG Turmvögel diverse Nistkästen an.
Das Dreiergespann des NABU, dass sich in besonderer Weise um den Schutz der Turmvögel verdient gemacht hat, hat hier einen Nistkasten für einen Turmfalken, vier Kästen für Stare, einen für Dohlen und einen Nistkasten für den Rotschwanz eingerichtet. Sollten die Dohlen den Platz annehmen, würde Konrad Bauer, von der Turmvogel AG noch weitere Kästen aufhängen. Die kleine Arbeitsgemeinschaft hat übrigens auch einiges geleistet. 2015 fing sie mit 35 Nistkästen an, inzwischen betreuen sie 214 im Osthavelland.

Koppeln und Wiesen liefern gute Nahrungsgrundlage

Die Störche werden hier gute Voraussetzungen finden, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Die Wiese, sagt Jörg, werde extensiv genutzt, es dürfte reichlich Regenwürmer für die Storchenküken geben. Auch Mäuse könnten sich hier tummeln, Maulwürfe und Schlangen. Alles gern gesehen auf dem Storchen-Speiseplan. Auch die Pferdekoppel gegenüber ist von Vorteil, die Störche nutzen den Pferdedung gern als Inneneinrichtung für ihr Nest und die Insekten ergänzen das Storchen-Menü.

Bereits erste Störche im Havelland angekommen

Wenn die Störche kommen, künden sie vom Frühling. In Dallgow/Rohrbeck, Lietzow, Ketzin/Havel, Niebede und Ribbeck sind die ersten Störche der Saison angekommen. Auch gibt es an zwei Standorten inzwischen Störche, die nicht mehr das Weite suchen, sondern in der Region überwintern. Das geht allerdings nur durch menschliche Unterstützung und diese könne bei den Tieren zu unerwünschtem Verhalten, wie mangelnde Scheu vor den Menschen, führen, gibt Jörg zu bedenken. In den nächsten Tagen dürften weitere Störche zu erwarten sein. Und es gibt auch bummelnde Störche, manche treffen erst im Mai ein.
In Klein Behnitz heißt es jetzt, Klapperstörche willkommen!