Er gehe davon aus, dass die jetzt fertiggestellten, großen, runden, kuppelbedachten Bioreaktoren auf dem Gelände des ehemaligen Untergrundgasspeichers mit den Gärrestelagern und Gasspeichern sowie die daneben befindlichen gleichfalls betriebsbereiten Blockheizkraftwerke für das künftige Energiewendelabor (EWL) der E.DIS und ihrer Kooperationspartner noch in diesem Quartal in Betrieb genommen werden können.

Zusammenspiel von Biogas, Photovoltaik und Windkraft

Das bestätigte E.DIS-Projektleiter Thomas Borchers. „An diesem Standort in Ketzin/Havel soll untersucht werden, ob und wie Biogas- und Photovoltaikanlagen, Windenergieanlagen und später, als Perspektive, ein möglicherweise am Standort erzeugter „grüner Wasserstoff“ für eine nachhaltige und sichere Versorgung von Energiekunden effektiv zusammenwirken könnten“, umriss er die Aufgaben des Energiewendelabors.
Zentrales Ziel sei die Abkehr von der Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger und damit die CO2-Reduzierung. Und das nicht nur im Stromsektor sondern auch im Wärmemarkt, im Verkehr sowie in industriellen Prozessen. Die Grundlagenuntersuchungen dafür leiste das EWL.

Neue Bioreaktoren und Blockheizkraftwerke

Zum gegenwärtigen Stand informierte Borchers, dass an der seit mehr als zehn Jahren produzierenden Biogasanlage bereits ein zusätzliches Blockheizkraftwerk mit 525 kW, ein weiteres Gärrestelager mit Gasspeicher und der Wärmespeicher sowie eine Photovoltaikanlage uneingeschränkt in Betrieb sind und hier flexibel und bedarfsgerecht grüner Strom produziert wird. Diese Anlagen werden durch die neuen Bioreaktoren und Blockheizkraftwerke ergänzt.

Vision: Grüner Wasserstoff

Noch ist es eine Vision, aber nach den Plänen von E.DIS und der Kooperationspartner aus Wissenschaft und Wirtschaft könnte das Osthavelland zu einer Musterregion für die Erzeugung, Verteilung und Verwendung grünen Wasserstoffs entwickelt werden. Die Einsatzmöglichkeiten für den hier am Standort in einer so genannten „Power-to-Gas-Anlage“ gewonnenen grünen Wasserstoff wären äußerst vielseitig, betonte der Projektleiter. Sie seien beispielsweise in der Güter- und Personenbeförderung auf der Straße, auf der Schiene und auch auf Wasserwegen vorstellbar. Mit dieser Anlage könnten die entstehenden Überschüsse aus grünem Strom von Windenergieanlagen auf der Nauener Platte, von Photovoltaikanlagen und aus Biogasanlagen regional nutzbar gemacht werden.

Züge, die mit grünem Wasserstoff fahren?

Ein von Bürgermeister Bernd Lück geäußerter Gedanke ist, bei einer möglichen Wiederinbetriebnahme des Ketziner Bahnhofs, die Züge in der Zukunft mit grünem Wasserstoff fahren zu lassen. Borchers und Lück erachten eine CO2-freie Wärmeversorgung beispielsweise der neu entstehenden Quartiere, wie etwa an der ehemaligen Zuckerfabrik und anderer zentraler Objekte in der Stadt, mit Überschusswärme für möglich.

Wasserstoff-Projekt hängt an Fördermitteln und der Nachfrage

Auch wenn das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz beim Landesamt seit dem Herbst vergangenen Jahres läuft und voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2021 abgeschlossen wird, ist nach Thomas Borchers Einschätzung die Realisierung des Wasserstoff-Projektes noch keinesfalls sicher. Die Investitionsentscheidung hänge, im Gegensatz zu den bisher errichteten Anlagen, von Fördermitteln, aber auch von der Nachfrage nach dem grünen Wasserstoff ab. Wie er sagte, liefen Gespräche zur finanziellen Förderung sowohl mit dem Wirtschaftsministerium als auch mit der Investitionsbank des Landes Brandenburg.

Serverplätze in grünem Rechenzentrum

Noch ein interessantes Projekt deutete Thomas Borchers an. Das ist die Errichtung und der Betrieb eines grünen Rechenzentrums, in dem regionalen Kunden Serverplätze zur Verfügung gestellt werden könnten. Kernelement sei die Errichtung eines Gebäudes mit geeigneter Daten- und Energieinfrastruktur. Auch wenn diverse andere Standorte gleichfalls geprüft werden, könnte das Rechenzentrum Bestandteil des EWL werden und die hier erzeugte grüne Energie in die Versorgung einbezogen werden.

Stadt und Stadtverordnete begrüßen Gesamtvorhaben

Bürgermeister Lück begrüßte das Gesamtvorhaben und verwies auf das bereits in der Anfangsphase der Überlegungen zum EWL geäußerte zustimmende Votum der Stadtverordneten. Er sei froh, dass das ehemalige Gelände des Untergrundgasspeichers und des inzwischen beendeten Forschungsprojektes für CO2-Speicherung nun zur Forcierung der Energiewende genutzt wird und sagte dem Unternehmen die Unterstützung der Stadt zu.