Bei den Piraten hängt der Haussegen auch im Havelland schief. Oliver Huth ist jedenfalls akut gefrustet, zunächst zumindest was die Außendarstellung seiner Partei auf Bundes- und Landesebene anbelangt. "Mir reicht es. Es hat sich alles in die falsche Richtung entwickelt. Bei mir hat sich vieles angestaut. Auf Bundesebene passieren Dinge, da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Sind die Umfragewerte super, jubeln alle. Sind sie schlecht, ist der Tenor: ,ist ja nur eine Umfrage.' Es gibt keine Selbstkritik. Es macht keinen Spaß mehr", sagte er am Mittwoch.
Zudem hätten einige Dinge auf Kreisebene nicht mehr gepasst, auch auf persönlicher Basis nicht, wie er betonte. Dass der Landesvorstand gemäß Satzung bereits einen kommissarischen Vorsitzenden mit Raimondt Heydt bestimmt hat, eine Woche nach Huths Rücktritt, sei normal. Der ehemalige Kreisvorsitzende will sich zu Heydt allerdings nicht großartig äußern. Nur soviel: "Wir haben verschiedene Auffassungen gehabt." Das lässt allerdings einen großen Spielraum für Deutungen zu. Wenngleich persönliche Interessen in der Politik immer hinten anstehen sollten, hatte Huth eigenen Aussagen zufolge keine Lust mehr, sich ihm gegenüber rechtfertigen zu müssen. Der Brieselanger, der kommunalpolitisch womöglich weiter für die Piraten aktiv bleiben möchte, meinte weiter: "Wir drehen uns um uns selbst und existieren in Entwürfen von Programmen, Positionspapieren und im Wiki.Wer aber ist wirklich kommunal aktiv?", hinterfragt er.
Raimondt Heydt seinerseits will keine schmutzige Wäsche waschen. Er glaubt aber zu wissen, dass die Rücktrittsentscheidung des ehemaligen Vorsitzenden auch mit seinem Rüffel für die von Huth als Brandenburger Pirat beabsichtigte Bundestagskandidatur eine Rolle gespielt habe. "Er hat die Realitäten verkannt und sich nicht verstanden gefühlt. Ich habe ihm seinerzeit deutlich zu verstehen gegeben, dass ich seine Absicht für groben Unsinn gehalten habe. Ansonsten hatten wir selbst zumindest arbeitstechnisch kein Problem miteinander", versicherte Heydt. Weil aber zudem einige Vorschläge von Huth auf Landesebene abgelehnt worden seien, so der kommissarische Vorsitzende, sei es in der Summe wohl zu dem Entschluss gekommen, wie er meinte.
Allen Mutmaßungen zum Trotz stimmte Heydt allerdings auch versöhnliche Töne an. So habe Huth zwei Jahre lang die Piratenfahne im Havelland hochgehalten und "uns sehr geholfen".
Übrigens: Raimondt Heydt hat bereits seine Kandidatur für den Vorsitz im Kreisverband erklärt. Der neue Vorstand soll am 8. Dezember gewählt werden. René Streich soll dann seinen Angaben zufolge Generalsekretär werden, zumindest kandidiert dieser für den dann neu zu schaffenden Posten.
Und: Inhaltlich soll über die Verwaltungs- und Strukturreform diskutiert werden. Ein Antrag soll dann in Nauen transparent behandelt und beschlossen werden.