Am Dienstag waren rund 60 Nauener Schüler/innen aufgefordert, ihre eigenen Ideen und Wünsche in die Kommunalpolitik zu tragen. „Pimp your Town“ heißt die Veranstaltung, bei der die Politik vor der Haustür in die Klassenzimmer getragen wird.

Anträge werden der SVV vorgelegt

Die Schüler beginnen morgens mit dem Schreiben von Anträgen. Sie formulieren, begründen und überlegen als Fraktion, was sie wollen und warum. Dabei erhalten sie Unterstützung aus der Kommunalpolitik. Einige Stadtverordnete halfen den jungen Leuten. Die Schüler trafen sich ganz Old-School in der realen Welt ihres Klassenzimmers. Die Politiker, Berichterstatter und später auch Bürgermeister Manuel Meger (LWN) kamen per Videokonferenz dazu.
Das Beste, die von den Schülern formulierten Anträge landen nach diesem Tag nicht einfach in der Ablage P, für Papierkorb. Sie werden tatsächlich den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung (SVV) vorgelegt. Möglicherweise werden sie ganz oder teilweise übernommen.

Viele Themen bewegen die jungen Menschen

Umwelt, Klimaschutz und Freizeitgestaltung waren die Themen, die hier mehrheitlich auf dem Papier landeten. Es gab aber auch einen Antrag zur medizinischen Versorgung und zur Taktverdichtung beim Busverkehr. Dabei stand auch immer die Finanzierbarkeit der einzelnen Projekte zur Diskussion.
Umweltschutz versus Freizeitverhalten sorgte bei den 7. und 9. Klässlern für rege Debatten. Lernen sollen die Kids hier nicht nur ihre Wünsche in eine politische Form zu gießen. Die zugeschalteten Kommunalpolitiker gaben noch den einen oder anderen strategischen Tipp, wie man mit seinen Vorstellungen auch die Stimmen anderer Fraktionen holen kann.

Schulklassen bildeten Fraktionen

Beteiligt waren drei Schulklassen, jede bildete eine Fraktion. In den Fraktionen wurden die Anträge zunächst formuliert. Dann wurde das Stimmverhalten in der Fraktion geklärt. Denn es galt auch, wie sonst in der Gemeindevertretung, eine Meinung über die Anträge der anderen Fraktionen zu finden - möglichst einheitlich. Keine leichte Übung, wie sich zeigte.
Robert Pritzkow (LWN+B) beriet seine Fraktion der 9. Klässler eher inhaltlich und organisatorisch. Robert Borchert (SPD) ging da noch etwas weiter, wies die Jugendlichen auf taktisches Verhalten hin. Nicht einfach nur mit JA abstimmen, weil man dafür ist. Schauen, mit welcher Fraktion kann das JA verhandelt werden. Getreu der Devise: „Ich stimme deinem Antrag zu, wenn du meinem zustimmst“- schaffe man Mehrheiten und Allianzen, weiß Borchert.
Er erklärt, warum es wichtig ist, dass die Fraktion einstimmig abstimmt. Und er übt das Argumentieren gegen einen Antrag. Er gibt die Konsequenzen von Abstimmungsverhalten zu bedenken oder wie ein solches in der Bevölkerung interpretiert werden könnte. Er erklärt die Möglichkeit von Änderungsanträgen und ein solcher wird auch zum Kino und eben nicht zum Einkaufszentrum führen.

Stadtverordnetenversammlung wird nachgespielt

Später spielen die Fraktionen in spe die Stadtverordnetenversammlung (SVV) nach, bringen Anträge ein, diskutieren und müssen sich kritischen Fragen stellen. Auch denen des Bürgermeisters Manuel Meger (LWN). Ralph Bluhm (LWN+B) leitet die Sitzung.

Mehr Mülleimer und Photovoltaikanlagen

Aus dem Antrag in einem alten, aber nicht einsturzgefährdeten Gebäude eine Airsoft-Anlage zu machen, wird nichts. Gegen das Ballerspiel mit gefährlich anmutenden, aber unscharfen Waffen entscheiden sich die anderen Fraktionen. Bürgermeister Meger verweist auf den örtlichen Schützenverein, der Nachwuchs suche. Für die Idee, mehr Mülleimer aufzustellen, kann er sich erwärmen, sagt er und auch für Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern öffentlicher Gebäude.
Der Antrag, die Stadt möge für ein Einkaufszentrum und ein Kino sorgen, mündet in einen Änderungsantrag. Die Mehrheit der Jugendlichen sagt, es gäbe genug Einkaufsmöglichkeiten in Nauen. Aber ein Kino, das wäre prima. Bleibt abzuwarten, was die aktuell amtierenden Stadtverordneten dazu sagen werden.

Planspiel „Pimp your Town“

Das Demokratie Planspiel „Pimp your Town“ lässt sich seit dem Jahr 2009 erleben und hat bereits 10.000 Jugendliche Einblicke in die Kommunalpolitik ermöglicht. Der Verein „Politik zum Anfassen“ will mit dem Projekt die Lust an der Demokratie bei jungen Menschen befördern. Unabhängig, unparteiisch und gemeinnützig wird hier politische Bildung geboten, für die der Verein bereits mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde.