"Die einen sagen: ,Schmeißt ihn raus!' Die anderen tragen oder ertragen ihn", bringt Pfarrerin Gisela Dittmer im Sonntagsgottesdienst, vom vorbereiteten Text abweichend, den seit Langem schwelenden Konflikt in seiner Anwesenheit auf den Punkt. In seiner Partei gehört Arthur Wagner dem Landesvorstand an. "Älteste können nur Gemeindeglieder sein, die sich zu Wort und Sakrament halten und ihr Leben am Evangelium Jesu Christi ausrichten; damit nicht vereinbar, ist die Mitgliedschaft in oder die tätige Unterstützung von Gruppierungen, Organisationen oder Parteien, die menschenfeindliche Ziele verfolgen." So heißt es dazu in der Grundordnung und im Ältestenwahlgesetz der Landeskirche. Das hat zu lebhaften Debatten in ordentlichen Sitzungen und einer außerordentlichen Sitzung des Gemeindekirchenrats Seegefeld geführt. "In der Sache, zum Beispiel in der Flüchtlings- und Willkommenspolitik, sind wir uns zumeist einig", fasst Pfarrerin Gisela Dittmer zusammen. Auf der persönlichen Ebene sieht vieles hingegen ganz anders aus.
So hört etwa Manfred Eiselt, seit sieben Jahren Mitglied im Gemeindekirchenrat, im Kreiskirchenrat und in der Synode, aus Arthur Wagner grenzverletzende Äußerungen heraus. Für den Synodalen gilt daher: "Nachfragen, klarstellen, Grenzen setzen" wie der Titel eines bekannten Buchs der Amadiu Anoniostiftung heißt. In seiner Kirchengemeinde geht Arthur Wagner freundlich auf die Gottesdienstbesucher zu und sammelt die Kollekte ein. Beim heutigen Havelländischen Kirchentag bringt er weniger mobile Teilnehmer zur Stadthalle. Auch sonst richtet er sein Leben am Evangelium aus.
Doch Kirchenältester dürfte er Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Landesbischof Martin Dröge zu Folge gleichwohl eigentlich nicht sein, die zumindest im Februar dieses Jahres davon ausgingen, dass die AfD menschenfeindliche Ziele verfolgt. Pfarrer Christoph Heil, Pressereferent der Landeskirche, sieht das am Mittwoch Nachmittag freilich gelassener: Für ihn ist der Casus Knaxus erst dann und nur dann gegeben, wenn sich jemand wiederholt menschenfeindlich äußert und daran trotz Belehrung durch Pfarrerin oder Pfarrer ausdrücklich festhält.
So ist denn auch für rbb-Kulturradiomitarbeiter Matthias Bertsch, der umfassend recherchierte und sich auch in Seegefeld umhörte, Arthur Wagner ein Sonderfall, den es so brandenburgweit nicht nochmal gibt. Wagner selbst sagte, er kandidiere wieder für die Wahl des neuen Gemeindekirchenrats am 1. Advent.