Das undurchsichtige an der Geschichte: So wie es aus derzeitigen Medienberichten hervor geht, sind die Krankheits- und Todesfälle nicht erst kürzlich passiert, sondern es war bereits im August klar, dass mit Listerien verunreinigte Wurstwaren die Ursache waren und über die Firma Wilke in den Handel gelangt sind. Warum es noch Wochen bis zur Rückrufaktion dauerte, fragen sich auch Verbraucherschützer und die Organisation Foodwatch.
Mittlerweile - der Rückruf startete erst am 2. Oktober - sind Listen mit allen Produkten online beispielsweise auf lebensmittelwarnung.de abrufbar. Es sind rund 1.100 Produkte! Markenlisten, also Markennamen von in der Firma Wilke hergestellten Produkten, sind dort ebenso zu finden. Wichtig für Verbraucher: Alle direkt von Wilke Waldecker hergestellten Wurst- und Fleischwaren tragen den Betriebsstempel Wenn dieser auf den Etiketten steht, sollten die Produkte auf keinen Fall gegessen, sondern zurück gegeben werden. Allerdings hat die Firma auch Produkte an verarbeitende Betriebe geliefert - diese tragen dann den Stempel dieses Betriebs. Hier hilft nur ein Blick in die Produktlisten.
Dazu kommen die Fleisch- und Wurstwaren, die an die Frischetheken von Supermärkten oder an Großküchen geliefert worden sind. Hier kann man nur hoffen, dass diese inzwischen aus dem Sortiment genommen wurden.
Listeriose
Listeriose ist eine von Bakterien der Art Listeria monocytogenes ausgelöste Krankheit, die allerdings nur wenige Menschen befällt. Nimmt man mit Listerien verunreinigte Lebensmittel zu sich, kann es in wenigen Fällen zu Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Durchfall und Fieber kommen. Wirklich gefährlich werden Listerien Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, vor allem Senioren, Neugeborene, Menschen mit chronischen Krankheiten oder Organtransplantierten. Hier kann es neben den grippeähnlichen Symptomen, Erbrechen und Durchfall auch zu einer Sepsis, also einer Blut- oder Organvergiftung, oder gar einer Gehirnentzündung kommen. Erkrankt man an Listeriose, liegt die Letalität, also das Risiko zu sterben, laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei sieben Prozent.
Listerien kommen quasi überall vor - im Erdreich, auf Pflanzen, in Abwässern und auch im landwirtschaftlichen Bereich. Die Krankheit Listeriose ist allerdings an den Verzehr von mit den Bakterien belasteten Lebensmitteln gekoppelt. Will man den Erregern aus dem Weg gehen, hilft nur gutes Garen. Denn Listerien vermehren sich bei Temperaturen zwischen 0 und 45 Grad Celsius, so dass auch der Kühlschrank keinen Schutz vor ihnen bietet.
Achtung: auch bei gegarten Wurstarten kann im vorliegenden Fall ein Listerienbefall nicht ausgeschlossen werden, da nach Medienberichten die Bakterien u.a. auf den Schneidemaschinen der Firma Wilke nachgewiesen werden konnten.
Das es sich bei Listerien um Bakterien handelt, kommen Antibiotika bei der Behandlung der Krankheit zum Einsatz. Das RKI empfiehlt eine mindestens dreiwöchige Einnahme, um Rückfälle zu vermeiden. Listeriose ist eine meldepflichtige Krankheit.

HOTLINE


Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat eine Hotline eingerichtet. Diese Hotline zur Rückrufaktion der Firma Wilke ist seit Mittwochmorgen unter der Rufnummer 06151/126082 geschaltet und bis auf Weiteres von montags bis donnerstags zwischen 8 und 16.30 Uhr sowie freitags zwischen 8 und 15 Uhr erreichbar.