Das war am Montag ein so nicht erwarteter Start in die Beratungen des Ketziner Bauausschusses! Bürgermeister Bernd Lück informierte über seinen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand zum 31. Dezember 2022. Den hatte er am gleichen Tag an den Vorsitzenden der Ketziner Stadtverordnetenversammlung, Jürgen Tschirch (SPD), gestellt und soll im Januar des nächsten Jahres von den Stadtverordneten entschieden werden.

Bürgermeister wird 65 Jahre alt

Bernd Lück wird im Januar 2022 bereits 65 Jahre alt und hat im Dezember des gleichen Jahres 19 Jahre und einen Monat amtiert. Länger diente den Ketzinern nur Bürgermeister Otto Zesch, der 1889 nach seiner Wahl als erster nach dem Umbau der ehemaligen Kaiserlichen Post in das nunmehr repräsentative Rathaus eingezogen war und sowohl 1901 und 1913 für jeweils weitere 12 Jahre im Amt bestätigt wurde.

Lück war unzufrieden mit der Arbeit der Amtsdirektoren

Bernd Lück ist bereits 1995 als Stadtverordneter gewählt worden und war bis zu seiner Wahl als Bürgermeister 2003 Mitglied des Bauausschusses und von 1997 an im Amtsausschuss aktiv. „Ich habe die zwangsweise Eingemeindung der jetzigen Ortsteile in die Stadt erlebt, gegen die alle außer Etzin geklagt hatten, und auch die beiden Amtsdirektoren im neugebildeten Amt Ketzin. Mit deren Arbeit war ich absolut unzufrieden. So reifte mein Entschluss, selbst zu kandidieren. Außerdem wollte ich erreichen, dass mehr städtische Aufträge an die hiesigen Betriebe vergeben werden“, blickte Lück einen Tag nach seiner Ruhestandsinformation zurück.

Tourismus für Ketzin gefördert

Auch habe ihn geärgert, dass immer nur vom Tourismus geredet, aber nichts dafür getan wurde. Sein Motto sei es damals gewesen, Ketzin von der Havel aus zu entwickeln. Die Fertigstellung der Steganlage an der Havelpromenade 2005 sei ein erster sichtbarer Erfolg gewesen. Die ständig steigende Anzahl der Nutzer und der Touristen in der Stadt habe seine Hoffnung bestätigt.

Entwicklung der letzten Jahrzehnte positiv

Natürlich ist Lück stolz auf die Entwicklung seiner Geburtsstadt in den letzten Jahrzehnten. So freue er sich, wenn ehemalige Ketziner nach Jahren wieder die Havelstadt besuchen und sich über die sehenswerte Entwicklung freuen. Stichworte sind hier die erfolgreiche Altstadtsanierung, Ketzins neue Mitte, die Radwege und viele sanierte Gemeindestraßen, die Schulen und die städtischen Versorgungseinrichtungen. Auch wenn hier noch immer Nachholbedarf bestehe.

Radwege zu allen Ortsteilen nicht mehr in seiner Amtszeit

Sein Ziel, alle Ortsteile mit Radwegen zu verbinden, werde er wohl in seiner Amtszeit nicht mehr schaffen, ist er sichtlich enttäuscht. Der viel diskutierte Radweg von Ketzin/Havel nach Etzin könnte eventuell zwar nicht entlang der Kreisstraße aber möglicherweise über Knoblauch Realität werden. Ganz wenig Hoffnung hat das Stadtoberhaupt für die verbleibende Verbindung von Etzin nach Tremmen. Der eigentlich attraktiven Möglichkeit durch die Erdlöcher stünden Belange des Natur- und Landschaftsschutzes entgegen und entlang der Kreisstraße stehe ein Radweg sehr weit hinten auf der Prioritätenliste des Landkreises.

Lück hat noch viel vor im Jahr 2022

In seinem 19. und letzten Dienstjahr gibt es für Lück noch einige Baustellen, auf denen er sehr aktiv sein will. Das seien die Vorbereitungen zur Wiederinbetriebnahme des Bahnhofs und das große ehemalige Gelände der Zuckerfabrik. Für letzteres liege ein von beiden Seiten ausgehandelter städtebaulicher Vertrag unterschriftsreif vor, sagte er. Optimistisch ist er, dass auf dem Ruinengelände gegenüber vom Rathaus bis zur Steege im nächsten Jahr der Sanierungsfortschritt „sichtbar sein wird“ und die Gebäude des ersten Bauabschnittes auf der „Baumschulwiese“ übergeben werden.