Einleitend berichtete Wolfgang Gall, Havellands Sozialdezernent, über die Entwicklung der Flüchtlingsbewegung in der Welt und die Erfordernisse dazu im Landkreis. Hatte dieser im Jahr 2012 noch die Aufgabe 178 Flüchtlinge unterzubringen so sind für das Jahr 2015 bereits 1150 Menschen zur Unterbringung prognostiziert.
Gemeinsam mit Martin Felstow, Leiter des kreislichen Amtes für Gebäude- und Immobilienmanagement, stellte Gall die konkreten Baupläne der Asylbewerberunterkunft vor. Das Grundstück an der Panzerstraße, eher als Sandweg hinter den Fliedner-Werkstätten bekannt, wird jetzt "An der Lake 1" benannt. Diese zirka 11.000Quadratmeter sind nur zu etwa einem Drittel bebaubar, das Grundstück ist Kreiseigentum, ein Bebauungsplan existiert bereits.
Zum weiteren Vorgehen sagte der Sozialdezernent: "Wir haben vor, Mitte Juni den Bauantrag zu stellen und hoffen, die Baugenehmigung Mitte September auf dem Tisch zu haben. Ab dann erfolgen die Gründungsarbeiten und Ende November, Anfang Dezember erfolgt innerhalb von zwei Wochen der Aufbau der Module zur Gemeinschaftsunterkunft. Ende März, Anfang April 2016 soll der Bau übergeben werden."
Die Bauleistung wurde an die Firma ALHO Systembau GmbH mit Hauptsitz in Friesenhagen, Rheinland-Pfalz, als Generalauftragnehmer übergeben. Diese wird das Gebäude schlüsselfertig an den Landkreis zur Miete übergeben, für zirka 36.000 Euro im Monat, so der Bauherr. Der Vertrag ist zunächst für zehn Jahre mit der Option auf zweimalige Verlängerung über jeweils fünf Jahre unterzeichnet.
Der Grundriss des Hauses folgt der Form eines Buchstaben H. Im Erdgeschoss sind 14 Zweibett- und acht Dreibettzimmer vorgesehen, davon werden zwei Zimmer barrierefrei sein. Hier werden sich neben den Spiel- und Krankenzimmern auch die Räume der Heimleitung, des Hausmeisters und weitere Funktionsräume befinden. Im Obergeschoss sind und 17 Zweibett-, mit 12,3 Quadratmetern und 26 Dreibettzimmer mit 19,3 Quadratmetern Grundfläche geplant. Gemeinschaftsküchen sind in beiden Etagen vorgesehen. Im Außenbereich sind Wäsche-, Grill-, Spiel- und Sportplatz sowie der Bau von Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder und Kinderwagen geplant. Der Wohnkomplex wird mit einem 1,80 Meter hohen Stahlgitterzaun mit einem zentralen Zugang umschlossen.
Die Anfragen an das Podium über die vorgesehenen Baumaßnahmen in diesem Gebiet zeigten die Sorge der Falkenseer auf. Hinterfragt wurde zum Beispiel die generelle Machbarkeit des Straßenausbaus Spandauer Straße bei gleichzeitigem Ausbau der Panzerstraße und dem Bau der Gemeinschaftsunterkunft. Wie bei diesen umfangreichen Bauarbeiten die Bürger ihre Wohn- oder Arbeitsstätten erreichen können, ist diesen vollkommen unklar.
Der Frage nach entsprechenden Konzepten stellte sich der Bürgermeister Heiko Müller. "Die Kombination Ausbau Panzerstraße und Gemeinschaftsunterkunft bei gleichzeitigem Ausbau der Spandauer Straße 2016 durch das Land hat sich keiner gewünscht," betonte der Verwaltungschef. Verständnisvolles Kopfnicken der Zuhörer bestätigte die Glaubhaftigkeit dieser Aussage.
Unabdingbar ist der Ausbau der Panzerstraße damit das Land 2016 seine Vorhaben zur Erweiterung des Kreisverkehrs und dem schrittweisen Ausbau der Spandauer Straße bis zur Landesgrenze verwirklichen kann. Dann sollte es über die ausgebaute Panzerstraße möglich sein, als temporäre Möglichkeit den Kreisverkehr zumindest in eine Richtung zu umfahren.
Die dabei auftretenden Belastungen für die Bürger und Gewerbebetriebe sind der Verwaltung bewusst. Dazu Heiko Müller, "ein wesentliches Ziel wird es sein, dass die Einkaufseinrichtungen auch überleben können. Natürlich sind das alles riesige logistische Herausforderungen. Gegenwärtig sitzen unsere Fachleute daran dafür Lösungen zu erarbeiten".
Ein weiteres Sorgenfeld der Menschen betraf deren Sicherheitsinteressen und das der Asylsuchenden. Wolfgang Gall verwies auf die ständige Anwesenheit eines Wachschutzes im Objekt und die Kooperation mit der Polizei. Dazu stellte Freddy Lange von der Polizeiinspektion Havelland deren Sicherheitskonzept vor. Entgegen der Vermutungen der Fragesteller stellte Lange dar, dass die Statistiken im Havelland keine Erhöhung von Kriminalität im Umfeld von Asylbewerberunterkünften belegen würden.
Zum Stimmungsbild gegenüber den Asylsuchenden in der Bundesrepublik betonte Müller: "Als Bürgermeister von Falkensee befinde ich mich in einer recht luxuriösen Situation. Hier ist die Stimmung ganz erkennbar eine andere. Mit der Willkommensinitiative und den vielen anderen Partnern, etwa dem Bündnis gegen Rechts, haben wir Voraussetzungen um Flüchtlinge aufzunehmen, die sich viele andere Bürgermeister wünschten".
Kathleen Kunath von der Willkommensinitiative für Flüchtlinge gab mit ihrem Redebeitrag das emotionale Schlusswort: "Wir freuen uns auf die Menschen. Wir sind vorbereitet und möchten den Flüchtlingen das Ankommen und eingewöhnen in der unbekannten Umgebung erleichtern." Wer Interesse daran hat über einen bestimmten Zeitraum als Pate die Flüchtlinge zu unterstützen, kann die Willkommensinitiative am 9. Juni in der Ruppiner Straße 15 bei ihrem nächsten Treffen kennenlernen. Schneller geht die Kontaktaufnahme via www.willkommen-in-falkensee.de.