Der weithin hörbare Klang von gleich vier Alphörnern kündete kürzlich auf dem wieder erstandenen historischen Grottenberg im Schlossgarten Paretz von einem historischen Ereignis, von dem vor gut 20 Jahren niemand zu träumen gewagt hatte. Es war der Start zu einem vielseitigen Programm, mit dem das 20-jährige Jubiläum zur Wiedereröffnung von Schloss Paretz im Garten und Saalgebäude des kleinen Landsitzes gefeiert wurde. 

Schloss Paretz als Sommersitz des Kronprinzen erbaut

Vor 20 Jahren, am 30. September 2001, wurde das von Fontane liebevoll Schloss „Still-im-Land“ bezeichnete Hohenzollerndomizil als Schlossmuseum wiedereröffnet. Erbaut wurde das schlichte Schloss 1797 durch David Gilly als Sommersitz für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm (III.) von Preußen und dessen Gemahlin Luise. Nach dem Tod des späteren Königspaares blieben die Räume ungenutzt, aber im Wesentlichen unverändert.

Schloss nach Zweitem Weltkrieg größtenteils geplündert

Das änderte sich gegen Ende des zweiten Weltkrieges ziemlich rabiat, wie Matthias Marr, bis 2017 Kastellan des Schlosses, in seinem Vortrag zum Jubiläum der Wiedereröffnung erinnerte. Zu dieser Zeit wurde das Schloss zum Lazarett umfunktioniert, dann von der Roten Armee besetzt. Die meisten Einrichtungsgegenstände seien in dieser Zeit Plünderungen zum Opfer gefallen, erzählte er. Und auch, dass im Zuge der Bodenreform 1945/46 ungenutzte Herrenhäuser und ähnliche Gebäude nach dem Bodenreformbauprogramm abgerissen werden und Neubauern die Flächen und Abrisssteine für einen Hausbau erhalten sollten. Dafür habe es eine Liste gegeben, auf der das Schloss zeitweilig zum Abriss eingetragen war.

Denkmalschützer rettet Schloss vor Abriss

Dank eines engagierten Denkmalschützers konnte das verhindert werden. 1948 wurde aus dem Herrenhaus eine Bauernhochschule, später residierte hier die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Tierzucht. Verbunden damit waren die dazu notwendigen Um- und Anbauten. „Bis zur Unkenntlichkeit verändert war das Schloss, es sah eher wie eine Kaserne aus“, blickte Marr auf seinen ersten Besuch in Paretz zurück.
„Trotzdem faszinierte mich das Gut. Das frühklassizistische Ensemble hatte 200 Jahre ziemlich komplett überdauert“, sagte der gelernte Buchhändler. Unter dem unansehnlichen Rauputz waren die originalen Fensterformen und Rosettenvertiefungen unverändert vorhanden.

Verein Historisches Paretz setzt sich für Schloss ein

Mit der Wende sah Marr die große Chance, möglicherweise Luises Lieblingssitz als Schlossmuseum weitestgehend originalgetreu zu restaurieren. Mit der Gründung des Vereins Historisches Paretz am 15. November 1990 fand er Gleichgesinnte. Ein ganz spezieller Anziehungspunkt sind heute die teils originalen Tapeten mit ihrer bewegten Geschichte, beispielsweise im Gesellschaftssaal.

Original-Tapete lagerte in Potsdam

Zum einen Teil handelt es sich um originale Importtapete aus China, zum anderen wurden sie in Berliner Manufakturen gefertigt. „Nach dem Kriege wären die Tapeten beinahe für alle Zeit verschwunden. Ein Amerikaner wollte sie kaufen und mit nach Hause nehmen“, erinnerte sich Marr. Glücklicherweise wäre es nicht dazu gekommen und die wertvollen Tapeten lagerten bis zu ihrer Anbringung am ursprünglichen Platz in Potsdam im Neuen Palais.
Dank der Mittel der Cornelsen-Kulturstiftung Berlin konnten die oft nur noch als Fragment vorhandenen Tapeten mit mehr als einer Million Euro so restauriert werden, wie sie bei den Jubiläumsführungen zu besichtigen waren. Weitere finanzielle Mittel stellte das Land Brandenburg als damaliger Eigentümer für die Wiederherstellung des Schlosses zur Verfügung.

Das restaurierte Schloss ist ein Kleinod geworden

„Ohne das unermüdliche Wirken von Matthias Marr wäre das nach 1945 bis zur Unkenntlichkeit veränderte und vor mehr als 20 Jahren restaurierte Schloss wohl nicht wieder das historische Kleinod geworden, wie wir es am heutigen Jubiläumstag den Besuchern präsentieren können“, lobte Vorstandsmitglied Susanne Weber.
Und doch hat der langjährige Kastellen noch Wünsche für die nächsten Jahre. Das sind die Vervollständigung des Grottenbergs mit dem Japanischen Teehaus und die Wiederherstellung des originalen Wegesystems im Schlossgarten und damit verbunden der Abriss des leer stehenden Bürogebäudes. „Das ist abhängig von den finanziellen Mitteln, aber ich bin optimistisch“, sagte Marr während der Jubiläumsfeier.