Die Live-Diskussionsveranstaltungen des Radiosenders Antenne Brandenburg sind inzwischen zu einer regelmäßigen Institution geworden. Hier werden mit Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft, Kultur sowie Publikumsbeteiligung aktuelle Themen aufgegriffen, die in den verschiedenen Regionen die Menschen beschäftigen.
Erst einen Tag zuvor hatte Verkehrsministerin Kathrin Schneider Kommunen und Landkreise über die Ergebnisse der Nachfrageprognosen im Rahmen der Korridoruntersuchungen von Strecken im Öffentlichen Schienenpersonennahverkehr des Berliner Umlands informiert. Die möglichen Varianten waren im Rahmen eines Workshops behandelt worden.
"Die Region wächst, die Züge werden immer voller, die Pendlerzahlen steigen - deshalb haben wir uns die Verkehrskorridore angesehen. Dabei schauen wir auf das ganze Land. Die Anforderungen an den Schienenpersonennahverkehr steigen, und es gibt immer mehr Fahrgäste auch dort, wo eine geringere Bevölkerungsdichte herrscht", sagte Schneider am Dienstag in Falkensee.
Bereits im März dieses Jahres waren entsprechende Datengrundlagen erörtert und zu untersuchende Varianten - im Eisenbahnerdeutsch "Mitfälle" - für eine Behebung des Problems vorgestellt worden."Die Ergebnisse der Variantenuntersuchung sind Entscheidungsgrundlage für die Zukunft", so Schneider.
Was aber ist nun machbar und wünschenswert, und wie könnte eine Finanzierung erfolgen?
Eine Verstärkung des Regionalverkehrs wäre denkbar, würde jedoch ein hohes Konfliktpotential durch einen Mischbetrieb mit dem Fernverkehr beinhalten.
Eine S-Bahn-Anbindung nach Nauen wäre die Variante mit der höchsten prognostizierten Nachfragewirkung, jedoch auch die mit den höchsten Investitionskosten.Dazu erklärte Björn Vetter von der S-Bahn Berlin: "Bund und Länder müssten sich auf eine Strecke einigen und gemeinsam finanzieren, dann sind wir als Betreiber am Start."
Bürgermeister Heiko Müller favorisiert indes "die beste Variante". Den Fahrgästen sei es doch egal, ob der Strom von oben oder von unten kommt. "Die Attraktivität des gesamten Pakets ist entscheidend. Fahrzeit, Taktzeit, Komfort und Kapazität, alles zusammen genommen ergibt die beste Entscheidung." Es nütze dem Senioren schließlich nichts, schnell an sein Ziel zu kommen, wenn der Einstieg in den Zug für ihn gar nicht erst zu bewältigen sei. "Ich wünsche mir intensivere Diskussionen zwischen Berlin und Brandenburg."
Marc-Oliver Wille von der Initiative "Schönes Falkensee" hält eine Befragung der Nutzer für sinnvoll. "Ich glaube, dass auch der Regio alle 20 Minuten fahren könnte - mir fehlt aber, dass man mal die Fahrgäste fragt. Es scheint so, als ob viele sich die schnellere Regio wünschen."
Der Regio fährt 23 Minuten von Falkensee bis zum Bahnhof Zoo -- die S-Bahn würde 29 Minuten brauchen.
S-Bahn oder Regio - diese Entscheidung wird laut Dieter Doege vom Fahrgastverband PRO BAHN im Bahnhof Spandau getroffen: "Schwachpunkt ist der Knoten Spandau - wir haben Schwierigkeiten, dort noch weitere Züge durchzukriegen. Die Zugauslastung müsste gleichmäßiger gestaltet werden."Auch er vermisst eine Untersuchung, die herausarbeitet, unter welchen Bedingungen ein Autofahrer auf die Bahn umsteigen würde. Die Idee, längere Züge einzusetzen, wird von Doege begrüßt.
Infrastrukturministerin Kathrin Schneider bestätigt indes die Problematik im Bahnhof Spandau. "Wir kriegen in Spandau keinen Zug mehr auf's Gleis", so ihre deutliche Antwort auf den Vorschlag aus dem Publikum, einfach den Regionalzugverkehr zu den Stoßzeiten zu verstärken.
"Die Leute sollen schnell, sicher und komfortabel von A nach B kommen. ICE-Züge verdrängen Regionalbahnen - dagegen wehren wir uns. Der Regio fährt derzeit viermal pro Stunde, allerdings nicht alle 20 Minuten. Das passt deshalb nicht so ganz, weil wir den Knoten Spandau haben. Wir brauchen dort eine Ausweitung und ein drittes Gleis. Wir kämpfen bei der DB Netz für vordringlichen Bedarf. Die Bahn muss eine Planung machen, dann muss diese realisiert werden. Es ist ein langfristiges Projekt, dennoch muss man mal losgehen."
Das sieht der Falkenseer Verwaltungschef genauso: "Wir können uns nicht noch mal 25 Jahre Diskussionen leisten, ohne auch nur das Planfeststellungsverfahren auf den Weg gebracht zu haben. Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr so weit sind."