225 Wohneinheiten im neuen Wohngebiet „Baumschulwiese“ und möglicherweise 500 Wohneinheiten auf dem Areal „Zuckerfabrik“ könnten für Ketzin/Havel bis 2035 rund 1500 Einwohner mehr bedeuten. Die gesamte Infrastruktur hinsichtlich Schulen, Kitas, ärztlicher Versorgung bis hin zum Straßenbau müsste dem angepasst werden. Aber wie, in welchem Umfang und in welchem Zeitraum?
Das sollte auf Beschluss der Stadtverordneten vom August des vergangenen Jahres ein zu erarbeitendes Stadtentwicklungskonzept als Grundlage für den neu aufzustellenden Bebauungsplan „Zuckerfabrik“ beinhalten.

Entwurf wurde wegen Corona in kleiner Runde vorgestellt

In der vergangenen Woche wurde der Entwurf öffentlich den Stadtverordneten und, coronabedingt, nur zehn angemeldeten Einwohnern vorgestellt. Die Frage, die sich zahlreiche Einwohner auch stellen, äußerte Jamila Wichniarz in der Diskussion: Will die Stadt angesichts der entstehenden Infrastrukturprobleme und der damit entstehenden Kosten so stark wachsen?

Wachstum auf 8000 Einwohner möglich

Rund 8000 Einwohner weist das Szenario unter „Wachstum“ im Stadtentwicklungskonzept 2035 aus, rund 5700 werden als „natürliche Entwicklung“ ohne Zuzug angegeben. Das heißt, dass die Einwohnerzahl 2035 derzeitig unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren mit 7012 prognostiziert wird. Gegenwärtig sind es 6500.

Sechs zentrale Vorhaben für Ketzin

So weist es jedenfalls die Berechnung der Potsdamer Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (BBSM) als Autor des Stadtentwicklungskonzeptes aus. Dementsprechend hat die BBSM 65 Einzelmaßnahmen in den sechs zentralen Vorhaben aufgelistet. Das sind die lebendige Kernstadt mit Ketzin/Havel und Paretz, lebenswerte Dorfkerne, die Entwicklung des Areals Zuckerfabrik, die Natur- und Erholungslandschaft Havelraum, der innovative Wirtschafts- und Energiestandort Ketzin-Nord und schließlich die regionale Vernetzung der Stadt im östlichen Havelland.

Paretz will nicht zum Ortskern gehören

Gleich zu Beginn der Diskussion regte sich Widerspruch dazu, den Ortsteil Paretz und die Kernstadt im Zusammenhang zu betrachten. Dafür sprächen laut Konzept die touristische Ausstrahlung, kulturelle Bedeutung, die Verortung wichtiger Einrichtungen und auch der funktionale und siedlungsstrukturelle Zusammenhang beider Ortszentren.
Die zusammengefasste Meinung von Stadtverordneter Ursula Münstermann (Grüne), Ortsvorsteherin Christiane Schnell und Ortsbeiratsmitglied Evelin Sens war es, dass Paretz nicht zur Kernstadt zählen möchte und andere Aufgaben zu lösen habe. Deshalb wäre die gemeinsame Betrachtung mehr Gefahr als Nutzen für Paretz, gaben sie den Erarbeitern des Stadtentwicklungskonzeptes mit auf den Weg.

Schwerpunkt Energiestandort

Bürgermeister Bernd Lück bewegte besonders der Schwerpunkt Energiestandort. „Wir haben viele Potentiale der Stadt und Geld liegen lassen müssen, weil beispielsweise die Gesetze verbieten, dass die Stadt von den erneuerbaren Energien auf Stadtgebiet verbilligten Strom beziehen kann. 55.000 Haushalte könnten versorgt werden, Ketzin/Havel habe aber nur etwa 3800, nannte er die gegenwärtige Dimension.

Anregungen sollen in Bearbeitung einfließen

Die Anregungen aus dieser ersten Diskussion mit den Kommunalpolitikern werden bei der Bearbeitung der 65 Themen des Stadtentwicklungskonzeptes überdacht, versprach Lutz Wüllner von der BBSM.
Eines dieser auch seit Jahren in der Stadt diskutierten Themen war beispielsweise die Revitalisierung des Ketziner Marktplatzes. Ziel sei es, den historischen Marktplatz als sozialen Treffpunkt und touristisches Zentrum zu stärken.
Denkbar seien Veranstaltungen mit Event-Charakter aber auch mit ganz eigener Attraktivität wie Weihnachts- und Themenmärkte sowie soziokulturelle Feste. Die Reaktivierung als Wochenmarkt scheint dagegen aufgrund der Verlagerung des Handels in Richtung neuer Mitte nicht zweckmäßig. Dagegen sollte eine städtebauliche Weiterentwicklung unter Einbeziehung des Parks „Alter Friedhof“ und ungenutzter Platzbereiche mit Neuorganisation des Verkehrs geprüft werden, heißt es zu diesem der 65 Themen.

Alle Schritte in öffentlicher Beratung

Herausgestellt wurde, dass das Stadtentwicklungskonzept nicht Details wie einzelne Straßenanbindungen oder Schulneubau enthalten könne. Es wären aufgrund herausgearbeiteter Stärken und Schwächen Handlungsempfehlungen für Entscheidungen der Kommunalpolitiker. Aber es bleibt dabei: Alle Schritte bis zur Beschlussreife werden öffentlich beraten.