"Ich habe schon seit zwei Jahren daran gedacht, mich als Fischerkönigin zu bewerben und freue mich, dass ich nun meine Heimatstadt bei verschiedenen Anlässen vertreten darf", sagte die angehende Erzieherin. Und gleich am nächsten Tag, am Sonnabend, erwartete sie der erste offizielle Auftritt.
Mit Schwung setzte Fischermeister Lutz Schröder die frisch gekürte Majestät auf seinen Fischerkahn und nahm sie von der Havelpromenade mit an die andere Uferseite um das fast 500 Meter lange Schleppnetz zum traditionellen Fischzug auszulegen. "Sie soll Glück bringen", kommentierte Schröder. Das tat sie wohl auch, denn nach gut einer halben Stunde konnte der Fischermeister, sozusagen als Einstimmung auf die folgende Versteigerung des Fanges, mal kurz einen Wels mit knapp 20 Kilogramm in die Höhe heben. Und Auktionator Udo Feist hatte es dann auch nicht schwer, so an die 150 Kilogramm Fisch im beisein von mehreren hundert Zuschauern zu versteigern. Kiloweise Aale, Karpfen, Schleie und Welse waren unter anderem im Angebot. "Mal sehen, wie lange du das aushältst", scherzte einer, als Udo Feist das Netz mit einem Wels, so zwischen vier bis fünf Kilogramm schwer, auf die Gebote wartend in die Höhe hielt. Für 31 Euro nahm ihn schließlich Andreas Rinka mit nach  Gutenpaaren. "Der wird ganz traditionell gedünstet", sagte er.
Ketziner Fischerfest 2019

Bildergalerie Ketziner Fischerfest 2019

Die  Fischzüge sind jeweils am Sonnabend und Sonntag Höhepunkte der Fischerfeste. Das war auch schon im 18. Jahrhundert nicht anders, als die Fischer nach der Ernte auf den Trebelsee zum Fischzug aufbrachen. Wie überliefert ist, wurden damals die größten Fische nicht versteigert, sondern den Stadtoberen übergeben. Anschließend wurde ausgiebig gefeiert, wie am vergangenen Wochenende auch, und das drei Tage lang auf drei Bühnen. Mit dabei auch die Jüngsten des Hortes "Havel-Kids" und die Tanzeleven der Tanzschule "Hüftschwung" mit ihren Programmen. Immer wieder spektakulär sind die Wasserski-Vorführungen der Sportler des Angler- und Wassersportclubs Ketzin mit dem Höhepunkt, der Fünferpyramide.
Bereits in den Vormittagsstunden des Sonntags säumten die Fischerfestgäste die Straßen der Altstadt in Erwartung des absoluten Höhepunktes, dem Festumzug, der in diesem Jahr Cheforganisatorin Birgit Behr unter das Motto "Auf einen Plausch mit Theodor Fontane" stellte. Nach dem einleitenden Potsdamer Fanfarenzug war es dem Bürgermeister in seiner historischen Robe mit Fischerkönigin im Kahn von Fischermeister Lutz Schröder vorbehalten, den bunten Zug der mehr als 300 Mitwirkenden in allerlei historischen Kostümen anzuführen. Und schließlich fuhr der Dichter (Jörg Schulz) selbst vor – und entschuldigte sich erst mal, die Havelstadt bisher nie besucht zu haben, dafür aber ausgiebig die Ortsteile Falkenrehde, Etzin und Paretz, letzteren von Uetz kommend. Die Ketziner hatten sich viel einfallen lassen, seine Besuche und auch die Reisen in bunten Bildern szenisch zu gestalten. Und wenn der Zug dann mal stoppte,  sang der Chor Ketziner Havelklänge zur Freude der Zuschauer und die in fantasievollem Schwarz gewandete  Truppe auf dem später als attraktivsten vom Publikum gewählten Festwagen ("Fontane in Schottland") heißte mit Musik und Stimmung so richtig ein. Natürlich durften auch die in diesem Fontane-Jahr allgegenwärtigen Birnen nicht fehlen.
Das Jubiläum, das 30. Fischerfest im nächsten Jahr, wirft bereits jetzt seine Schatten voraus. Wie der Bürgermeister ankündigte, werden dafür spezielle Höhepunkte vorbereitet. Schon heute ist vorauszusehen, dass die Havelstädter dann wohl wieder wie in den letzten Jahren um die 30.000 Besucher zu einem friedlichen, stimmungsvollen bunten Fest mit viel Fisch, Stimmung und einem bunten Festumzug begrüßen können.