Seitdem die engsten Freunde vom Schicksalsschlag erfahren haben, gibt es postalisch und telefonisch unzählige Beileidsbekundungen aus allen Ecke der Erde, die Renée Dressler von Martens erreichen. Der Schmerz sitzt tief, obgleich es wegen seiner Erkrankung eine gewisse Vorbereitungszeit gegeben habe, wie sie selbst betont.
Guido von Martens wurde 1943 in Königshütte (Schlesien/Chorzów in Polen) geboren. Mit seinen Eltern zog es ihn im Zuge der Kriegswirren nach Mecklenburg-Vorpommern. Er hatte fünf Geschwister. Zu DDR-Zeiten legte er am Bischhöflichen Convict Berlin (1959 – 1961) sein Abitur ab. "Er war tatsächlich auf dem Weg, Pfaffe zu werden", so Renée Dressler von Martens. Seine ganze Familie floh in den Westen. Er aber blieb, weil er sein Abitur erfolgreich abschließen wollte. Dann schlossen sich die Grenzen, die Mauer versperrte ihm den Weg zu seinen Eltern und Geschwistern. Später durfte er nicht einmal zur Beerdigung seines Vaters ausreisen. Darüber sei er "sehr sauer und zutiefst enttäuscht" gewesen.
Zurück in Mecklenburg lernte er schließlich den Beruf des Spitzendrehers, dazu wurde er "verdonnert". Schiffsschrauben stellte er etwa mit her. Zu dieser Zeit, in den 1960er Jahren, knüpfte er erste Kontakte zu Künstlern. Zahlreiche Berührungspunkte gab es, die ihn wenig später vollständig und tiefer in die Szene der Kunst- und Kulturschaffenden hinein katapultierten sollten. Gelernt hat er wie Bronze gegossen wird, wie Skulpturen angefertigt werden. "Er ist durch viele Metall- und Bildhauerwerkstätten getingelt."
1968 begann er die Ausbildung bei Hedwig Bollhagen, die er 1976 als ihr einziger Meisterschüler, den sie persönlich in Praxis und Theorie unterrichtete, erfolgreich abschloss. "Seither war er der Keramik und dem Porzellan verbunden – aus tiefstem Herzen", so Renée Dressler von Martens, die selbst gelernte Töpferin und studierte Malerin und Grafikerin ist. Ihr späterer Ehemann lebte schon zu dieser Zeit in Brieselang. Dort lernten sich beide 1994 kennen und lieben.
Mit Blick auf sein 1978 beginnendes Wirken als freischaffender Künstler, die Keramik-Virtuosin Bollhagen hatte ihn dazu animiert sich selbstständig zu machen, bezeichnete er sich selbst als Keramiker (stets zuerst genannt) und Bildhauer. Er war Mitglied im Verband Bildender Künstler. Seine Schwarzkeramik gilt als besonders legendär. Von Martens setzte aber auch als Autor des Lehrbuches "Blaumalerei auf Porzellan und Keramik" gemeinsam mit Hans van Lemmen Akzente.
Die letzte Ausstellung mit seinen Werken fand im Januar 2019 in zur Galerie umgebauten Bahnhof in Teterow statt. Der Titel: "Göttlich dekadent". "Das war es auch", sagt seine Liebste. "Eat & Art" oder diverse Ausstellungen mit zahlreichen befreundeten Kunstschaffenden im Märkischen Künstlerhof oder Feierlichkeiten mit dem Kunstverein lockte "die halbe Welt" nach Brieselang. Zuletzt, Anfang Oktober, war er auf der Zitadelle Spandau noch Teilnehmer eines Bildhauer-Symposiums.
Guido von Martens hat viel geschaffen in seinem Leben. Seine unzähligen Arbeiten lassen sich nicht beziffern. Nationale und internationale Ausstellungen hat er bestückt. Gartenkeramik und die Kunst am Bau waren ihm ein Anliegen. So hat er unter anderem die Nymphe am Kreisverkehr mit tatkräftiger Unterstützung des Kunstvereins realisiert. "Es ist sein Vermächtnis", sagen enge Vertraute und Freunde. Ob seinem Wunsch Rechnung getragen wird, die Nymphe per Beleuchtung auch in der Dunkelheit zu inszenieren, wird die Zukunft zeigen.
"Guido hat viele Spuren hinterlassen. Er ist gutmütig, lieb, lebensfroh, sanft und unheimlich geduldig gewesen – auch mit dem Ort Brieselang. Für mich war er der beste Freund meines Lebens", betont Renée Dressler von Martens. Den Märkischen Künstlerhof führt sie nun allein weiter. Zahlreiche Ausstellungen und Kunstaktionen waren und sind geplant. "Es geht weiter – gnadenlos", sagt sie. "Wenn du drei Veranstaltungen ausfallen lässt, biste pleite", hat er immer gesagt.
Anmerkung: Die Urnenbeisetzung findet am Montag, 16. Dezember, um 13 Uhr auf dem Stahnsdorfer Friedhof statt. Guido von Martens selbst hatte sich dort noch zu Lebzeiten ein Mausoleum gekauft.