Auf den ersten Blick ist es ein ländliches Idyll. Auf dem großen Hof in der Tremmener Hauptstraße haben Kinder mit ihren kleinen Fahrrädern unbeschwert sichtlich Spaß. Allerdings sind sie erst vor wenigen Stunden mit ihren Müttern in Tremmen angekommen. Nach der mehrtägigen Flucht aus der ukrainischen Kriegshölle über Rumänien nach Deutschland können die Mütter hier erst mal zur Ruhe kommen. Ermöglicht haben das Sandra Josuns und ihr Lebenspartner.
Im Nebengebäude gibt es 34 gut eingerichtete Schlafplätze und Sanitäranlagen, die sonst in den Ferien von Ferienkindern genutzt wurden. „Wir haben im Fernsehen das weinende Mädchen im Keller gesehen und Gänsehaut bekommen“, erzählte sie kürzlich vor Ort. Platz für Flüchtlinge sei vorhanden, da könnten wir bei Bedarf schnell helfen. Sie bot der Stadt und dem Landkreis die Herberge an und kurze Zeit später seien die Mütter mit ihren Kindern eingetroffen. Da eine Mutter und ihr Sohn bei einem Unfall in Rumänien verletzt wurden, übernahm die Paretzer Ärztin Ursula Münstermann nach der Ankunft sofort die Weiterbehandlung.

Spenden über Aufruf in sozialen Medien gesammelt

Eine Info in den sozialen Medien habe in ganz kurzer Zeit ein überwältigendes Ergebnis gebracht, erzählte Sandra Josuns. Alles, was gebraucht werde, sei nun vorhanden. Nun bedarf es vor allem der Koordinierung der zahllosen offenen Fragen von der Anmeldung über Betreuungs- bis hin zu finanziellen Angelegenheiten. Da gehe es gegenwärtig drunter und drüber, meinte Sandra Josuns gegenüber Winfried Köhler von der Ketziner Willkommensinitiative.
Beide werden künftig alles das mit weiteren Helfern der Willkommensinitiative gemeinsam klären, sicherten sie zu. Und weil gegenwärtig die Finanzierungsfragen für die Flüchtlingsfamilien noch ungeregelt sind, half die Willkommensinitiative mit einer Geldspende. 1.200 Euro konnte Winfried Köhler gemeinsam mit Hans-Peter Siefert und seiner Gattin Karola aus Seeburg für die ersten dringenden Ausgaben übergeben.

Geld ohne bürokratischen Aufwand

Familie Siefert spendete einen großen Teil der Summe. „In dieser schrecklichen Kriegssituation und nach der langen Flucht wollten wir den Müttern schnell helfen, hier ohne all den bürokratischen Aufwand erst mal menschenwürdig zur Ruhe zu kommen“, meinte das Ehepaar. Noch während des kurzen Gesprächs kam Ramona Unger aus Tremmen mit zwei großen Taschen auf den Hof. Spielzeug, Malsachen und Sanitärartikel für die Kinder habe sie eingepackt, erzählte sie kurz. Die Kinder bedürfen doch in ihrer neuen ungewohnten Umgebung besonderer Fürsorge, sagte sie.
Auch Bürgermeister Bernd Lück ist beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Ketziner. Nur habe ihn der Landkreis von der Ankunft in Tremmen nicht mal informiert. Eigentlich müssen alle Flüchtlinge erst noch nach Schönefeld zur Anmeldung bei der Ausländerbehörde. Das ist gegenwärtig dort nicht zu schaffen, deshalb hat die Stadt Ketzin/Havel mittwochs eine Sondersprechstunde eingerichtet.