Der Havellandhof ist einer von zehn landwirtschaftlichen Betrieben bundesweit, die an dem Projekt teilnehmen. Seit 2017 läuft es, gewann 2019 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Forschung und ist auf zehn Jahre angelegt und. Die braucht es, sagt Sibylle Duncker von der Umweltstiftung Michael Otto, um langfristige Ergebnisse erzielen zu können.
Die beteiligten Landwirtschaftsbetriebe sind für ihre Regionen Beispielhaft. Über sie, soll klar werden, welche Maßnahme zum Erhalt der Artenvielfalt in welcher Region nicht nur umsetzbar, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sind. Denn die Böden in den verschiedenen Regionen geben unterschiedliche Grundvoraussetzungen, ebenso das Wetter.
Sechzehn Einzelmaßnahmen hält das Projekt vor. Das sind so bekannte, wie auch allgemein beliebte, wie die Blühstreifen. Es geht aber auch spezieller, mit Lerchenfenstern oder der Kombination verschiedener Feldpflanzen. Drei Maßnahmen muss jeder teilnehmende Hof umsetzen.
Der Havellandhof ist deshalb nicht klassischer Öko-Hof zu sehen. Viel mehr wird mit F.R.A.N.Z. hier erforscht, wie es gelingen kann, Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern und  dabei keine wirtschaftlichen Einbußen einzufahren. In diesem Sinne ist der Havellandhof ein Demonstrationsbetrieb für das F.R.A.N.Z.-Projekt, das  – und Feldforschung im wahrsten Sinn des Wortes.
Auf dem 700 Hektar großen Havellandhof werden neben Winterraps, Weizen, Gerste und Roggen auch Silo- und Körnermais angebaut. Zum Betrieb gehören rund 150 Milchkühe. Die hauseigene Biogasanlage kann den Energiebedarf von bis zu 800 Einfamilienhäusern decken. Peter Kaim sagt: "Ich bin jetzt mit den F.R.A.N.Z. Maßnahmen im vierten Jahr. Ich stehe hundertprozentig hinter dem Projekt."
Fünf der 16 Maßnahmen setzt Kaim auf dem Havellandhof um. Neben dem Blühstreifen und den Lerchenfenstern baut er sogenanntes Extensiv-Getreide an, dabei bleiben Platz für Wildblumen und Feldvögel. Altgrasstreifen dienen als Nahrungsquelle und Rückzugsort für Insekten und Feldvögel, Feldvogelinseln sorgen für Nahrung und geben bodenbrütenden Vogelarten Raum. Kaim baut auf Mais in Kombination mit Stangenbohnen an, deren Blüten locken Insekten auch aufs Feld, erklärt er. Und was auch manch Hobbygärtner weiß, Bohnen werten den Boden auf.
Mit F.R.A.N.Z. soll zudem der Naturschutz nicht isoliert betrachtet werden. Die Landwirte arbeiten an den Maßnahmen mit, können schauen, was in ihre Betriebsabläufe passt. Für Minister Vogel ist dies: "Der richtige Ansatz." Wie wichtig den Menschen der Naturschutz sei, haben man auch bei der Volksinitiative "Artenvielfalt retten" gesehen. "Allerdings werden Blühstreifen allein nicht ausreichen", sagt er weiter. Denn nicht nur die Insektenbestände befinden sich im drastischen Rückgang, auch bei den Vogelpopulationen gehen die Bestände zurück. "Es gibt nicht nur den Naturschutz. Naturschutz muss kooperativ mit den Flächennutzern umgesetzt werden", sagt er. "Landwirte müssen auch mit Naturschutz Geld verdienen können", fügt er hinzu.
Dass es hier Hemmschwellen gibt, wissen auch die Initiatoren des Projektes. Man fürchte besonders einen Mangel an Flexibilität, um zu wenig Anpassungsmöglichkeiten und Ausnahmeregelungen, wie sie sich zum Beispiel durch die regionalen Bedingungen ergeben. Sorge um die Wirtschaftlichkeit des Betriebes werden genannt und die mangelnde Planungssicherheit. Auf der Habenseite stehen der lebhafte Austausch der Projektteilnehmer, den Landwirten wird hier von Seiten der Umweltstiftung ein großer Wissendrang bescheinigt. Und auch das Image eines Landwirtschaftlichen Betriebes kann deutlich steigen.
"Es ist sehr wertvoll, dass es sich bei F.R.A.N.Z. um ein mehrjähriges Projekt handelt", bestätigt auch Kaim. "Es ist allerdings auch eine Herausforderung für den Betrieb", sagt er weiter. 28 Einzelflächen werden auf seinem Hof nach F.R.A.N.Z beackert. Auf einer Karte angezeigt ergibt das einen bunten Flickenteppich, über dem es die Übersicht zu wahren gilt. Dass er die Wiesenblumen und Kräuter zu schätzen weiß, kann man im Außenbereich der Farm sehen, hier wurden sie auch zu Dekorationszwecken angepflanzt. Und machen sich auch ein wenig selbstständig, sagt Kaim. Dafür durftet es leicht nach Fenchel, wenn der Wind durch das mannshohe Kraut streicht.