Gar nicht so selten sind es die Leser/innen, die auf Probleme und Ärgernisse hinweisen. So auch in diesem Fall: Alexander T. aus Falkensee ärgert sich schon länger über illegal im Wald entsorgten Müll. Tatsächlich scheinen derzeit häufig kleinere und auch ausgewachsene Müllberge an Ackerrändern, in Wiesen und Wäldern zu finden zu sein.

Rein fahren, abladen, verschwinden

Corona scheint als Nebenwirkung eine gewisse Aufräumwut bei den Menschen ausgelöst zu haben. Nicht von Ungefähr waren Wertstoffhöfe und ähnliche Plätze die neuen Ausflugsziele in den letzten Wochen.
Neben dem Ärger über das rücksichtslose Vermüllen der Wälder, stellte Alexander T. die Frage, welche Möglichkeiten es gäbe, um das illegale Entsorgen von Müll zu unterbinden oder wenigstens doch schwieriger werden zu lassen. Denn tatsächlich erscheint es erschreckend einfach: reinfahren in den Waldweg, abladen und verschwinden.

97 Kubikmeter Müll aus dem Wald geholt

Volker Kademann von der Oberförsterei Brieselang betreut ein 8.800 Hektar großes Revier Wald, es reicht von Dallgow-Döberitz über Falkensee nach Brieselang und weiter nach Wustermark und Nauen. Der Eindruck täusche nicht, bestätigt Förster Kademann. In den ersten sieben Monaten in diesem Jahr haben Kademann und sein Team bereits 97 Kubikmeter herrenlosen Abfall aus den Wäldern geräumt. Im gesamten letzten Jahr waren es 95 Kubikmeter. Auch das war schon viel und deutlich mehr als noch vor einigen Jahren, sagt Kademann. 2013, erklärt er, waren es noch 29 Kubikmeter.
Der Förster und seine Leute hätten eigentlich reichlich andere Aufgaben, so aber gehen rund 1.300 Arbeitsstunden pro Jahr in seinem Revier in die Bereinigung dieser Müllplätze. In Zeiten des Klimawandels, mit Wassermangel und Bäumen, denen es unter diesen Umständen gar nicht gut geht, könnten die Forstleute diese Stunden gut für andere Tätigkeiten brauchen.

Hauptsächlich Hausmüll und Baustoffe

Abgeladen wird laut Kademann hauptsächlich Hausmüll und Baustoffe. „Schwerpunkt sind derzeit Wanderarbeiter aus England, die Baustellen beräumen und den Bauschutt im Wald ablagern, darunter auch Dachpappe und Asbest, die zu den Gefahrenstoffen gehören“, erläutert Kademann weiter.
Arne Küster, Funktionsförster in der Oberförsterei Brieselang, bestätigt dies. Über die Autokennzeichen sei man zu den englischen Wanderarbeitern gekommen, sagt Küster. Weiterführen würden diese Kennzeichen nicht, denn die Wanderarbeiter seien zumeist nicht sesshaft und somit gibt es keine feste Wohnanschrift.
Gerade erst ist er von einem Ortstermin zurück und hat im Wald abgelegten Asbest begutachtet. Später wird der Unrat dann von seinen Kollegen aus dem Wald geräumt, der Landkreis übernimmt die Abfahrt, erläutert Küster das Prozedere. Allein die Personalkosten für diese Räumaktionen belaufen sich in seinem Revier auf rund 150.000 Euro rechnet er vor.

Schranken könnten helfen

Gibt es denn keine Möglichkeit den Umweltsündern das Leben schwerer zu machen? Könnten Schranken an den Waldwegen helfen? Ja, durchaus, sagt Küster. Allerdings müssen diese Schranken zu öffnen sein, denn der Wald muss frei betretbar sein. „Das ist vom Gesetzgeber so vorgesehen“, sagt er und erläutert, warum das so ist. Pferde, Pferdefuhrwerke, Rollstuhlfahrer, sie alle sollen in den Wald können. Dabei sei es egal, ob es sich um den Stadtforst oder den privatwirtschaftlichen Wald handelt, erklärt Küster weiter.
Dennoch hält er die Schranken für sinnvoll, aussteigen, Schranke öffnen, das wäre für Leute mit illegalen Absichten bereits eine Hürde, würde denen zu lange dauern, sagt er. Eine Zeit lang waren sogar diese Schranken verboten, nun dürfen sie wieder an den Waldwegen stehen, nur baut sie nicht jeder Waldbesitzer auf, sagt er und verweist auf die Kosten.
„Die Stadt Nauen hat bereits wieder Schranken angeschafft“, weis Küster. Eine weitere Möglichkeit könnten Kameras sein, allerdings müsste dies erst einmal rechtlich geprüft werden. Und die Geräte müssten auch des Nachts gute Bilder liefern, denn dann sind die Müllableger überwiegend aktiv.

Strafanzeige bei gefährlichen Stoffen

Bei gefährlichen Stoffen wird jedes Mal Strafanzeige gestellt. Dies hat allerdings auch wieder einen Haken. „Solange das Verfahren läuft, darf der Müll nicht beräumt werden“, erklärt Küster. Was sich Funktionsförster Küster wünschen würde, ist mehr Zivilcourage.
„Es kommt vor, dass es Zeugen für die illegale Müllentsorgung gibt. Die Leute erstatten Anzeige und ziehen dann, aus Angst vor Sanktionen, die Anzeige zurück“, sagt Küster und auch, dass er dies verstehen könne. Dennoch, würden die Umweltsünder öfter gefunden und bestraft werden, könnte dies die vielleicht wirkungsvollste Abschreckung sein.