Es ist ein Zeichen auf das auch Havellands Landrat Dr. Burkhard Schröder (SPD) lange warten musste. So begrüßte er ausdrücklich die fraktionsübergreifende Initiative der Parteien in der Stadtverordnetenversammlung, Asylbewerber und Flüchtlinge in Falkensee aufnehmen zu wollen, sofern tatsächlich Wohnraum bereitgestellt werden könne. Wenngleich das Votum überraschend nicht einstimmig sondern mit zwei Enthaltungen verabschiedet wurde, wertete Schröder den Entschluss in der Summe "als Ausdruck einer Willkommenskultur". "Ich hoffe, das stößt auch in den Siedlungsgemeinden des östlichen Havellandes auf fruchtbaren Boden", sagte er.
Wenngleich die Suche nach geeignetem Wohnraum in den Berlin nahen Gebieten ungleich schwieriger sei, werde sie weiter forciert. Im Fokus stehen auch kreiseigene Liegenschaften in exponierter Zentrumslage von Falkensee. Ob sich das realisieren lasse, müsse derzeit noch geprüft werden. Und: Asylbewerber in Randgebiete zu verbannen, sei für den Landrat heutzutage keinesfalls zeitgemäß mehr, das sei menschenunwürdig. "Ghettoisierung darf nicht stattfinden. Provisorien wie die Unterbringung in Turnhallen kann ebenfalls nicht das Ziel sein", betonte er.
Dass neben Rathenow, Premnitz und Friesack weitere Unterkünfte benötigt werden, sei ohnehin unstrittig, zumal in Premnitz etwa frühestens im April Asylbewerber ein vorübergehendes Zuhause in der ehemaligen Förderschule wegen der Umbauarbeiten finden könnten. Da sich auch in Rathenow der machbar gewesene Anbau an das bestehende Asylbewerberheim nicht mehr realisieren lasse, für eine Bebauungsplanänderung gibt es in der dortigen SVV keine Mehrheiten, müssten auch dort noch andere Standorte geprüft werden. "Im Hinblick auf das Handling wäre der Anbau die ideale Lösung gewesen, weil zum einen die Betreuung und zum anderen auch die Kostenseite besser geregelt hätte werden können", so Schröder. "Nun müssen wir über abgestufte Varianten nachdenken." Für asylsuchende Familien, die schon länger als drei Monate im Asylbewererheim leben, "eine erhebliche Zahl", wie Schröder meinte, werden vor allem Wohnungen in ländlichen Gebieten gesucht. Weil aber "selbst bei hohem Leerstand dem Landkreis der Zugang zu Wohnungen nicht gerade leicht gemacht wird", so ist etwa die Resonanz nach einem Schreiben der Verwaltung an Wohnungsgesellschaften auch im östlichen Havelland gleich Null gewesen, ist gewissermaßen nach dem Prinzip Hoffnung zu agieren. "Wir sind aber nach wie vor sehr stark an Wohnungsangebote interessiert."
Dass neuankommende Asylbewerber dagegen zunächst in Heimen untergebracht werden, erachtet Schröder als vernünftige Lösung an, weil die Betreuungsintensität anfangs wesentlich höher sei. "Wir betreiben bewusst Mischpolitik. Die Landessicht ist zuweilen realitätsfremd und könnte deshalb unter die Rubrik Schön-Wetter-Politik fallen. Nein, unabhängig davon sind wir natürlich bemüht, die Lasten im Landkreis gerecht zu verteilen. Wir müssen sehen, wo etwas umsetzbar ist. Die Zeit drängt, wir müssen zu Potte kommen und können keinesfalls ein halbes Jahr auf erfolglose Suche setzen. Es hilft auch nichts, wenn vieles zerredet wird", so Schröder. In Falkensee jedenfalls müssen sich alle nach den Worten auch an Taten messen lassen. "Sie müssen Farbe bekennen, andere übrigens auch." Bürgermeister Heiko Müller hatte nun angekündigt, im Januar eine Auflistung von Wohnraumalternativen in den Hauptausschuss einzubringen.