Es war ein Schauspiel, das nur alle fünf Jahre zu sehen ist. Am Dienstag, 1. Februar 2022, war es wieder soweit. Gegen 12.30 Uhr schwebte die Havelfähre „Charlotte“ am ehemaligen Kraftfuttermischwerk in Ketzin/Havel durch die Luft. Allerdings nur wenige Minuten und wenige Meter aus dem Hafenbecken an Land. Zwei Autokräne hievten das 25 Tonnen schwere Schiff, als solches gilt die Fähre, auf die vorbereiteten Lagerböcke. Hier wird es in den nächsten Wochen einer gründlichen Inspektion unterzogen.

Fähre kreuzt die Havel in Ketzin in rund vier Minuten

Dabei erhält der Unterboden eine neue Grundierung und einen Farbanstrich. Überholt werden die Ladungsklappen und die Verschleißteile. Wenn keine größeren Schäden festgestellt werden, verbindet „Charlotte“ ab 19. Februar wieder das Ketziner mit dem Schmergower Havelufer und überwindet die rund 180 Meter in knapp vier Minuten.
Ob die besonders bei Touristen beliebte Havelfähre in etwa einem Jahr schneller sein wird als bisher, ist noch nicht bekannt. Nach jetziger Planung wird auf der „Charlotte“ der 32 PS leistende Dieselmotor dann bereits durch einen von Akkumulatoren gespeisten autarken Elektroantrieb ersetzt sein, der das Kettenrad ohne das heute noch zwischengeschaltete Getriebe antreibt. Die Aufladung der Akkus erfolgt außerhalb der Fährzeiten an einem entsprechenden Landanschluss.

Fähre bekommt im kommenden Jahr Elektroantrieb

Nach Informationen der Stadtverwaltung ist das notwendig geworden, weil das Antriebssystem seine Standzeit bereits überschritten hat und in den letzten Jahren wiederholt ausgefallen ist. 243.000 Euro sind dafür in den Haushalt 2022 eingestellt worden. 182.000 Euro Fördermittel erwartet die Stadt aus dem LEADER-Programm. Als nächstes erfolgt die europaweite Ausschreibung dieser Umrüstung. Nach der Vergabe können die Arbeiten voraussichtlich anfangs der kommenden Wintermonate beginnen.
Seit 647 Jahren heißt es an dieser Stelle „Fährmann hol über“. Belegt ist, dass die Stadt seit 1375 das Fährrecht besitzt. Jahrhunderte zogen die Fährmänner mit Muskelkraft das Gefährt zum anderen Ufer. Erst 1906 erfolgte die Motorisierung.