Am 21. Februar 2022 kreischten die Sägen hinter dem Ortsschild von Falkensee, an der Landstraße 201. Hier soll ein Radweg gebaut werden. Im Bau- und Werksausschuss am 10. Januar 2022 hatte der Landesbetrieb Straßenwesen (LS) Brandenburg die Pläne für den Radweg vorgestellt. „Bei der Planung konnte der Baumbestand berücksichtigt werden“, hieß es da.
Die L201 ist eine Brandenburger Allee, gesäumt mit alten Bäumen. Um diese zu schonen, sollte der Radweg mit geplanten 2,5 Meter vergleichsweise schmal werden. Nun sind die drei Stiel-Eichen mit den Nummern 145, 147 und 149 gefällt worden.

Bürgerinitiative sieht in Fällung Straftat

In der Fällung der drei Eichen sieht die BISF (Bürgerinitiative Schönes Falkensee) einen Straftatbestand und will nun eine Strafanzeige gegen den Landesbetrieb Straßenbau stellen. Dies bestätigt Vereinsvorstand Günter Chodzinski auf Nachfrage. Der Vorwurf: Der Landesbetrieb habe es versäumt, Alternativlösungen zu prüfen.
Die Stiel-Eichen waren mit einem Stammumfang von 2,15 Meter, 2,25 Meter und 3,36 potenzielle Habitat-Bäume für verschiedene Tierarten. Sie hatten einen Kronendurchmesser von 12 bis 13 Metern und befanden sich im besten Zustand, beschreibt Chodzinski die Bäume. Diese Alternativlösungen mit Stellungnahmen anerkannter Naturschutzverbände und vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) lagen dem Landesbetrieb vor, versichert er weiter.

Verstoßen die Fällungen gegen den Alleenschutz?

Chodzinski hat bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) nachgefragt. Dort habe man keine Fällgenehmigung erteilt und auch keine Ausnahmegenehmigung. Chodzinski zitiert aus einem Schreiben der UNB: „Eine Fällgenehmigung bzw. Ausnahme nach §17 Abs.2 S.1 BbgNatSchAG erteilte die Untere Naturschutzbehörde nicht, da hier die Zuständigkeit beim Straßenbaulastträger liegt.“
Die Prüfung der Alternativlösungen hätte laut Chodzinski keinen unzumutbaren Aufwand bedeutet. Die Fällung der drei Bäume verstoße gegen den Alleenschutz, gemäß dem Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetz (BgnNatSchAG), sagt er weiter.

Landesbetrieb Straßenwesen widerspricht der BISF

In einer Anfrage an den Landesbetrieb Straßenwesen widerspricht der Pressesprecher dieser Darstellung. Die Fällungen wären mit der UNB fachlich abgestimmt, heißt es hier. Und es hätte zuvor ein Anhörungsverfahren, an dem auch Naturschutzverbände beteiligt waren, gegeben.
Gefällt wurden die Bäume wegen der geplanten Querungshilfe und einer Ortseingangsinsel. Man habe im Vorfeld geprüft, ob Insel und Querungshilfe auch an anderer Stelle gebaut werden könnten. Insgesamt sollen fünf Bäume bei den Arbeiten gefällt werden. Dafür würden 19 Bäume im Falkenseer Stadtgebiet nachgepflanzt werden.

Mangel an Kommunikation beklagt

Das wirft Fragen auf. Zunächst, warum wurde über die Fällung dieser fünf Bäume im Bauausschuss nicht berichtet? Die Stadt Falkensee verlagert Ausgleichspflanzungen nicht selten außerhalb des Stadtgebietes, mit der Begründung, innerhalb der Stadt kaum noch Flächen für Ausgleichspflanzungen zu haben. Wieso hat der Landesbetrieb dieses Problem nicht?
Was Chodzinski ebenfalls beklagt, ist der Mangel an Kommunikation. So habe auch der ADFC Falkensee Planungen mit Lösungen zum Erhalt der drei Eichen an das Landesamt eingereicht, aber keine „begründend und argumentierende und abwägende Rückäußerung durch den Landesbetrieb“ erhalten. Das ist nicht nur in der Sache schade. Die Ehrenamtlichen von BISF und ADFC würden sich hier durchaus mehr Kommunikation auf Augenhöhe wünschen.

Brieselang