Wie der NABU Brandenburg am Dienstag mitteilte, hat er bei der Staatsanwaltschaft Potsdam Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Wegen des Verdachtes auf vorsätzliche und jedenfalls leichtfertige Zerstörung der Lebensstätten streng geschützter Käferarten, heißt es vom NABU dazu. Gemeint sind die Baumfällungen vom Februar an der Bundesstraße 273 zwischen Nauen und Börnicke. Im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen waren hier rund 100 Bäume, darunter auch alte Eichen, gefällt worden.

NABU hofft auf Aufklärung der Verantwortlichkeit

Von der Strafanzeige erhoffen sich die Naturschützer die vollständige Aufklärung der Verantwortlichkeit für die rechtswidrige Fällung von zwei Habitat-Bäumen der streng geschützten Fauna-Flora-Habitat (FFH) -Käferarten „Großer Rosenkäfer“ und „Eremit“, auch Juchtenkäfer genannt, im Schutzgebiet „Leitsakgraben“ im Zuge des Ausbaus der B273, heißt es weiter.
Die Planungen des Straßenausbaus der B273 schneiden das Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet „Leitsakgraben“ in drei Abschnitten. Bereits im Februar war der NABU mit einem Eilantrag gegen die Beseitigung der geschützten Alleebäume vorgegangen. Auf Intervention des Gerichtes hat der Landessstraßenbetrieb die weiteren Fällarbeiten eingestellt.

Habitat-Bäume sehr seltener Käferarten gefällt

Im Zusammenhang mit dieser Maßnahme wurden im Wald auch weitere Alt-Eichen im Schutzgebiet gefällt. Darunter zwei Eichen, die bekannte Habitat-Bäume der Käferarten waren. Hierbei wiegt besonders schwer, dass es sich um die wenigen alten Bäume handelte, die sich überhaupt als Lebensstätte für diese Käfer eignen und auch erfolgreich besiedelt worden waren.
„Für die nach europäischem Recht besonders streng geschützten und in Brandenburg wie Deutschland stark gefährdete FFH-Käferart Eremit (Osmoderma eremita) trägt Brandenburg eine besondere Verantwortung“, erklärt Manuela Brecht, Naturschutzreferentin des NABU Brandenburg. „Jedes einzelne Vorkommen ist von großer Bedeutung für den Erhalt der Art, da sie extrem selten ist und die Tiere sehr wenig mobil sind. Die Fällung dieser Lebensstätten wirkt sich daher auch in besonderem Maße auf die weitere Entwicklung der Käferpopulationen aus.“

Schutzgebiet sei erheblich geschädigt worden

Die Baumfällungen für den Straßenausbau der B273 bewirken aus Sicht des NABU eine erneute Schädigung des Schutzgebiets „Leitsakgraben“. Durch Sturmereignisse und darauffolgende Forstarbeiten im Schutzgebiet in den letzten Jahren wurde der FFH-Lebensraumtyp „Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder“ sowie die FFH-Käferarten Eremit, Großer Rosenkäfer und Scharlachroter Plattkäfer durch Verlust ihrer Lebensräume erheblich beeinträchtigt. Obwohl die Planungsunterlagen Hinweise auf die Habitatbäume und die Besiedlung der Bäume mit streng geschützten Arten enthalten, wurden die beiden Alt-Eichen gefällt. Auch der Unteren Naturschutzbehörde war das Vorkommen bekannt, erklärt der NABU.

Schritt wurde sorgsam abgewogen

Man sei diesen nicht alltäglichen Schritt erst nach sorgfältiger Abwägung gegangen, heißt es weiter. „Aus diesem Verhalten müssen nun rechtliche Konsequenzen folgen“, sagt Brecht und weiter: „Solche schwerwiegenden Verstöße gegen das Naturschutzrecht dürfen sich nicht wiederholen.“