Irgendwie habe sie ja schon immer gern geschrieben, erzählt Sylke Schön. Bereits in der Schule, da bekam sie die erste Auszeichnung für ihr literarisches Talent. Doch danach fehlte die Zeit. Vor 18 Jahren kam sie nach Falkensee und blieb. Verheiratet, Mutter zweier Kinder und Selbständig berufstätig. „Ich hatte einen Feinkostladen“, sagt die 50-Jährige und lächelt.

Eine Krankheit hat für Sylke Schön alles verändert

„Der Laden, die Kunden, ich machte das gern, die Kunden merkten das und sagten das auch“, erinnert sie sich zurück. Alles läuft und dann dieser denkwürdige Urlaub vor vier Jahren. Mit einem Mal war sie krank, kein Unfall, aber genauso plötzlich und heftig stürmte die Krankheit in ihr Leben. Ohne Vorankündigung wurde alles anders, von jetzt auf gleich.
Statt arbeiten zu gehen und für alle da zu sein, waren da nun Krankenhausaufenthalte, Reha, Physiotherapie und wieder die Klinik und Ärzte. „Vorher hatte mein Tag keine 24 Stunden, sondern das Doppelte“, beschreibt sie ihr Leben vor der Krankheit. Von jetzt auf gleich von hundert auf null runter schalten, das musste erst einmal verkraftet werden.

Erstes Gedicht entstand im Krankenhaus

Ein Sonnentag, es ist warm, die Terrasse der Klinik liegt ruhig und idyllisch im Grünen. Sylke Schön ist wieder im Krankenhaus, sie geht raus, setzt sich auf die Terrasse, genießt, was sie sieht, hört, riecht und beginnt zu schreiben. Ihr erstes Gedicht findet seinen Weg, Gedanken werden geformt, in Worte gegossen und auf Papier gebracht.
Sie liest ihre in Gedichte gekleideten Gedanken vor, den anderen Patienten, dem Ehemann, den Kindern und alle sind erstaunt, begeistert, fühlen sich berührt. „Ich spürte, wie meine Zeilen anderen Menschen Mut machen“, sagt sie und schrieb weiter: Liebesgedichte, Gedichte über die Natur, erotische Gedichte und Kindergedichte.

Auch Corona ist Thema in einem Gedicht

Die Inspiration sitzt dabei an jeder Ecke, mal versteckt und mal ganz offensichtlich. Sie selbst habe mit der Erkrankung eine neue Achtsamkeit gefunden. „Ich habe nie verlernt, dass Schöne zu sehen“, sagt sie. Ihre Aufmerksamkeit sei mit dem Kranksein gewachsen. Die kleinen Wunder am Wegesrand sind der Stoff, aus dem ihre Gedichte werden. Aber auch die großen Themen der Zeit: Der Klimawandel und Corona. Über den Virus schreibt sie ein Gedicht, ohne den Übeltäter beim Namen zu nennen. Mehr als 200 Gedichte hat sie inzwischen verfasst, zu schade, um nur einen kleinen Kreis an Zuhörern zu erreichen.
Die kleine Hexe Machtdirmut
Versteht ihr Zauberhandwerk gut.
Bereits im Zauberkindergarten
Konnte sie es kaum erwarten
Strebsam in den Büchern lesen
Wie man fliegt auf einen Besen. *
Ob Sylke Schön sich nun selbst mit Mut verzauberte, bleibt ihr Geheimnis. Sie bewarb sich mit ihren Gedichten bei einem Wettbewerb und wurde in einem Sammelband für Gedichte veröffentlicht. Im Frühjahr 2019 hat sie einen Fernlehrgang für Literarisches Schreiben belegt, was ihr neben dem Wissen um die Poesie auch viel Freude bringt.

Schöns Gedichte sind bereits in Anthologien

Gerade hat sie eine Fabel schreiben müssen. Herausgekommen ist ein zauberhaftes Werk um eine Biene und eine Fliege und über ein Übermaß an alkoholhaltigen Genüssen, mit gravierenden Folgen für zumindest eines der Fluginsekten. In einigen Anthologien hat Schön bereits Gedichte veröffentlicht, im Oktober erscheinen zwei ihrer Gedichte in der „Bibliothek Deutscher Gedichte“.
„Schrumpel Pumpel Hexenhut
Ich, die Hexe Machtdirmut
Befehle Besen dir
Flieg mich fort von hier!“ *
Das Schreiben, sagt Schön, gebe ihr Kraft. Diese Kraft ist auch spürbar in ihren Gedichten und sie möchte sie teilen. Sehnsucht und Freude finden sich in den Zeilen und diese Lust am Schreiben, an einem Rhythmus der Zeilen, dem Tanz der Buchstaben, wie sie eben nur Poeten erleben.
Fleißig ist das Hexenkind
Lernt enorm und sehr geschwind
An die tausend Zaubersprüche
Erprobt sie in der Hexenküche
Fliegt unsichtbar ins Kinderzimmer
Nimmt die Angst dem Kind für immer. *
Wer wissen möchte, wie es mit der Hexe Machtdirmut weitergeht oder Fragen zu den Gedichten hat, kann sich bei Sylke Schön melden unter: Sylkeschoen@arcor.de.
*Die Auszüge im Text stammen aus dem Gedicht „Die kleine Hexe Machtdirmut“ von Sylke Schön.