Wie die Besucher erfuhren, verläuft das Leben auf einer Fazenda nach strengen Regeln. Nicht jeder Rekuperant schaffe diesen radikalen Schritt ein Jahr lang, erzählte Pfarrer Franz Schulte vom Leitungsteam.
Drei Säulen bestimmten den Alltag: die Arbeit, immerhin acht Stunden täglich, die Gemeinschaft und die Spiritualität. So versorgen sich die Bewohner mit ihren Erzeugnissen aus der Tierhaltung und dem großen Garten weitestgehend selbst.
Da es kein Fernsehen, kein Handy, weder Drogen und Alkohol oder Zigaretten gibt, seien die Gemeinschaft, die Gespräche untereinander für die Bewohner sehr wichtig. Ebenso die Spiritualität. Dreimal wöchentlich findet ein Gottesdienst statt. Das Wort aus der Frohen Botschaft werde zur Tageslosung, soll gemeinsam in die Tat umgesetzt, soll gelebt werden, berichtete Pfarrer Schulte über den Tagesablauf. Das Motto "Wir sind Familie - Wir sind Hoffnung" lebe man in allen Fazendas in dieser Welt.
Die 1998 eingeweihte Fazenda da Esperanca auf Gut Neuhof war die erste Fazenda außerhalb Brasiliens. Dort wurde vor 32 Jahren von den Franziskanern Frei Hans Stapel und Nelson Giovanelli der erste Hof der Hoffnung gegründet. "Es ist ein Wunder zu sehen, wie schön es hier geworden ist und Menschen, die verzweifelt sind und kaputt von der Straße, anders werden, die Freiheit als Berufung entdecken", war Frei Hans Stapel beim Franziskusfest stolz, was aus den ehemaligen Ruinen geworden ist. Inzwischen gibt es weltweit 111 Fazendas, in Deutschland sind es inzwischen sieben.
Mit Beifall wurden Olga und Alexander aus Russland begrüßt. Ihnen gelang es vor einigen Jahren, auf einer Fazenda in Brasilien ihre Drogensucht zu überwinden.
Zurückgekehrt nach Russland nahmen sie 20 Süchtige in ihr Haus auf, wollen ihnen Hoffnung geben, wie sie sie einst in Brasilien erfuhren. Es sei die erste und inzwischen auch vom Staat anerkannte Fazenda in Russland, berichteten sie.
Stolz ist auch Pfarrer Franz Schulte an diesem Tag. Er verwies auf die zahlreichen Besucher, darunter viele freiwillige Helfer und junge Menschen, denen sie Hoffnung geben konnten und die heute ein selbstbestimmtes Leben führen.
So sind die Fazendas auch Orte, an denen die Kirche für alle Menschen konkret erfahrbar wird. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass nach fünf Jahren die Fazendas nicht mehr als vorläufiges Werk der Katholischen Kirche gelten, sondern nunmehr ganz offiziell anerkannt wurden.