Die größte Bedeutung dabei hatte der Bau der Eisenbahnstrecke vom Lehrter Bahnhof in Berlin nach Hamburg. Sie wurde am 15. Oktober 1846 dem Verkehr übergeben. Die Eisenbahngeschichte Nauens ist so umfangreich, dass der Vortrag an diesem Abend nur die Nebenstrecken, die von Nauen in die näheren Orte des Ost- und Westhavellandes führten, behandelte.
1893 begann im Kreis Osthavelland der Bahnstreckenbau für Kleinbahnen. Die Städte Ketzin/Havel, Kremmen, Velten und der Kaiserbahnhof Potsdam-Wildpark hatten keine Bahnverbindung nach Nauen. Die sich entwickelnde Industrie in den kleinen Städten des Havellandes einerseits und der Wunsch des Kaisers Wilhelm II. andererseits, schnell von Potsdam über Nauen in die nördlichen Landesteile des Reiches zu reisen, führten zum Bau der nachfolgenden Strecken. Am 10. Mai 1892 beschloss ein Gremium von Privatleuten und Kommunalvertretern aus dem Osthavelland den Bau einer Eisenbahn untergeordneter Bedeutung von Nauen nach Ketzin/Havel. Sie sollte in erster Linie der Verbindung zwischen den Zuckerfabriken Nauen und Ketzin/Havel dienen. Durch sie wurden im Güterverkehr neben dem Transport landwirtschaftlicher Produkte auch Ziegel der zahlreichen Ziegeleien aus Ketzin/Havel transportiert. Der Anschluss reichte in Ketzin/Havel bis zu einem Bahnhafen, der sich direkt neben der Zuckerfabrik befand. Hier wurden die für die Produktion bestimmten Rüben entladen und der fertige Zucker von sogenannten Trägerkolonnen aus den Speichern der Fabrik zu den Lastkähnen gebracht. Drei Monate nach Beginn des Güterverkehrs wurde auch der Personenverkehr aufgenommen. 1966 fuhr der letzten Personenzug von Nauen nach Ketzin, erst 1992 der letzte Güterzug.
1904 wird von Nauen aus die Strecke nach Velten in Betrieb genommen. Im Volksmund hatte die Strecke den Namen „Kachelbahn“. Er rührt aus der Tatsache her, dass in Velten in großem Maße Öfen und Kacheln hergestellt wurden. Die erste Station nach Nauen war „Stadtforst“. Die Station war auch ein Ausflugsziel für die Bewohner der umliegenden Orte. Sie fuhren hierher, um im Wald spazieren zu gehen und in der sich dort befindenden Gaststätte Kaffee zu trinken. Die Station besaß einen Bahnsteig und eine gepflasterte Ladestraße zum Versand für Holz aus dem städtischen Forst.
Vielen Zuhörern ist noch die Schmalspurbahn Nauen-Senzke-Rathenow in Erinnerung. Die Strecke wurde 1901 eröffnet. Diese viel belächelte Kleinbahn zuckelte mit ca. 30 km/h über die Dörfer und weckt noch heute in den früheren Benutzern romantische Erinnerungen. Die aus der Vergangenheit stammenden Bilder waren in der Realität nicht so angenehm. Die Geduld der Reisenden wurde auf eine harte Probe gestellt, wenn die Milchkannen verladen wurden oder wenn während der Kartoffel- und Rübenernte die Feldfrüchte verladen werden mussten. Der Personenverkehr hatte keinen Vorrang. 1961 wurde der Personenverkehr und Güterverkehr auf dieser Strecke eingestellt.
Weitere Strecken, wie Nauen-Jüterbog, Rathenow-Senzke-Paulinenaue mit Weiterführung nach Fehrbellin, Nauen-Velten-Johannisstift in Spandau sowie Nauen-Kremmen-Oranienburg erhöhten einst die Bedeutung Nauens als Eisenbahnknotenpunkt.