Ein schönes Gefühl sei das, sagt Arda. Anderen Menschen Freude bereiten, das fühle sich richtig gut an, so der 16-jährige Schüler am Oberstufenzentrum (OSZ) Havelland am Standort Nauen. Er und seine Mitschüler haben sich als Weihnachtswichtel betätigt und mit viel Enthusiasmus, Einfühlungsvermögen und ordentlich Puste mehr als 130 Wünsche erfüllt.
Im letzten Jahr hatte sich die Sozialarbeiterin und Berufsschullehrerin Alexandra Collin das Wunsch-Kugel-Projekt für ihre Schule erdacht und umgesetzt. Mehr als 100 Wünsche hatte sie gemeinsam mit den Schülern erfüllt. In diesem Jahr wurde das Projekt mit viel Aufwand fortgeführt. Collins Klasse wurde mit der Organisation betraut und bekam dafür einen Recherche-Tag zur Verfügung gestellt.

Wünsche bei Institutionen und Vereinen im Havelland abgefragt

Zunächst wurde überlegt, in welchen Organisationen man nach Menschen mit unerfüllten Wünschen fragen könnte. Eine Liste wurde geführt und abtelefoniert. Auf der Liste standen Institutionen und Vereine, die sich um das Wohl von Mensch und Tier kümmern. Kinderheime und Senioreneinrichtungen, Vereine, die sich der humanitären Arbeit widmen, sowie Einrichtungen, die im Tierschutz arbeiten. Die ersten Kontakte waren geknüpft, manchmal musste die gute Absicht genauer erläutert werden. Fragt schließlich nicht jeden Tag jemand, ob man Wünsche erfüllen dürfe. Vertrauen wurde aufgebaut, die Wünsche konnten schließlich erfragt und notiert werden.

Von Aufzieh-Autos, Puzzlen und Gesellschaftsspielen

Die Wünsche wurden liebevoll zu Papier gebracht und dazu die Geschichte zum Wunsch, in anonymer Form, aufgeschrieben. Das reichte, um ein unsichtbares Band zwischen Wünschenden und Wunsch-Wichtel zu weben. Wie der Wunsch des kleinen Jungen, der sich sehnlichst ein Aufziehauto wünscht und die Mutter, die den Wunsch derzeit nicht erfüllen kann. Puzzle, als Hilfe zur Bewältigung von Erinnerungen, wurden gewünscht. Ein Fotoalbum, um die eigenen Bilder gut zu verwahren. Viel Bastelmaterial zum kreativen Miteinander war dabei und Gesellschaftsspiele standen ganz oben auf der Wunschliste.

Schüler, Eltern und Lehrer erfüllten Wünsche

Die Wünsche wurden dann in durchsichtige Wunschkugeln verpackt, die Farbe der Zettelchen verriet, ob es sich bei dem Beschenkten um einen tierischen oder menschlichen Empfänger handelt. Im Sekretariat konnten die Kugeln abgeholt werden und der Andrang war groß. In Spitzenzeiten sind 400 Schüler an der Schule unterwegs. Und auch Eltern, Lehrer und andere für die Schule Tätige wollten einen Wunsch erfüllen.

Mehr als 200 Geschenke

„Der komplette Standort Nauen hat sich an der Aktion beteiligt“, sagt Collin. Am schnellsten gingen die tierischen Wünsche weg, berichtet die Lehrerin. Zu den Weihnachtswünschen kamen noch Spenden, die nun ebenfalls verteilt werden. Mehr als 200 Geschenke kamen so zusammen. Die Wünsche kommen aus dem gesamten Landkreis, von Falkensee über Nauen, Schönwalde, Dallgow bis nach Rathenow. Sie werden von den Lehrern der Schule ausgefahren.
Auf Sponsoren und Unternehmen habe man für die Aktion bewusst verzichtet, sagt Collin. Die Kugeln mit den Wünschen haben alle Abnehmer gefunden. Viel Arbeit, auch nach Feierabend, hat die Lehrerin in die Aktion investiert. „Das öffnet einem schon die Augen“, sagt sie, wenn sie an all die kleinen Wünsche denkt.

Zeitgeschenke können wegen Corona nicht erfüllt werden

Einen oft gehegten Wunsch können die Schüler derzeit nicht erfüllen. „Zeitgeschenke“, sagt Collin, das war ein Wunsch, der gerade aus den Senioreneinrichtungen immer wieder kam. Gemeinsam verbrachte Zeit, zusammen spazieren gehen, vorlesen - das sind in der Pandemie die unerfüllbaren Wünsche. Danach allerdings will man sich auch dieses Wunsches annehmen.
Jessica sagt, sie könnte sich das durchaus vorstellen, dem Bewohner eines Seniorenheims Zeit zu spendieren. Die 18-Jährige kam etwas später zum Projekt, war dann aber mit Feuer und Flamme dabei. Besonders die tierischen Wünsche haben sie beschäftigt. „Ich bin sehr tierlieb“, sagt sie und erzählt von den Hunden und Katzen zu Hause. Und so freut sie sich, mit der Aktion der Eichhörnchenhilfe, einer Igelstation und sogar etwas für Esel tun zu können.

Menschen dankbar für Kleinigkeiten

Jessica sagt, sie habe viel aus dem Projekt gelernt. Sie habe nicht immer die besten Erfahrungen im Leben und mit den Menschen gemacht, sagt sie und fügt hinzu: „Jetzt weiß ich, es gibt Menschen mit richtig viel Herz“. Auch die 17-jährige Jo hat positive Erfahrungen aus dem Projekt gewonnen. „Ich war erstaunt, wie dankbar manche Menschen sein können. Oft nur für eine Kleinigkeit wie ein Puzzle“, sagt sie.
Bernd Schmidt-Weinreich ist Abteilungsleiter am OSZ Nauen und findet viele lobende Worte für den Einsatz der Schüler. Enorm viel Arbeit stecke in dem Projekt, sagt er. Das können alle Anwesenden bestätigen. Dennoch, für Collin ist eines sicher: Nächstes Jahr wird es am OSZ Havelland in Nauen wieder ein Wunsch-Kugel-Projekt geben.