Windräder – für die einen der hoffnungsvolle Umstieg zur erneuerbaren Energie, für andere Störfaktoren in der Landschaft. Technische Hochleistungsmaschinen kommen selten ästhetisch daher. Dass es auch anders geht, zeigten am verganenen Wochenende die Betreiber im Windpark Wernitz. Mit Lichtkompositionen verzauberte die Künstlerin Gisela Meyer-Hahn zwei der großen Windräder in Geschichten erzählende Riesen. Vorher konnten Besucher sich die Türme von Innen ansehen.

Akzeptanz von Windrädern fördern

Eine Image-Kampagne zur besseren Akzeptanz von Windrädern? Rosemarie Rübsamen bestätigt den Gedanken. Auf eine positive Weise, getreu dem Motto: Was man kennt, fürchtet man nicht, hat sie für die kunstvolle Inszenierung gesorgt und für die Öffnung der Luke am Fuße des „Stängels“, wie sie die Windkraftanlage nennt. Aus ihrem Mund klingt das liebevoll, ein alter Freund, der einen burschikosen und weniger sperrigen Namen verdient hat. Und wenn die 73-Jährige erzählt, wie sie zur Windkraftanlage nach Wernitz kam, wird schnell klar, diese Freundschaft währt tatsächlich fast ein ganzes Leben lang.

Erneuerung der Windanlagen in Wernitz geplant

Die im Fichtelgebirge geborene Diplom-Physikerin ging bereits in den 1970er Jahren auf die Straße, schloss sich den Naturwissenschaftlern gegen Atom-Energie an. Die erneuerbaren Energien sind der inzwischen in Schleswig-Holstein lebenden Rübsamen eine Herzensangelegenheit. Dazu kommt, dass ihr freiwilliges Engagement gegen die Kernkraft viel Zeit kostete, Arbeitszeit. In einem Alter, in dem die meisten anderen Menschen den Ruhestand genießen, ist sie als Geschäftsführerin der „Windpark Wernitz Betreiber Pool GbR“ tätig. Und diese möchte nun auf dem Areal ein Repowering, also eine Erneuerung der alten Anlagen, durchführen.

Höhere und leistungsstärkere Anlagen könnten entstehen

Derzeit gehören zum Windpark Wernitz 13 Anlagen. Repowering würde heißen, statt 13 würden sechs, maximal sieben neue Windkraftanlagen gebaut werden. Die Reduzierung um die Hälfte der Windräder wird möglich, weil die neueren Anlagen höher, die Rotoren größer und damit leistungsstärker werden, erklärt Rübsamen. Sie steht im Inneren einer Anlage, die insgesamt 140 Meter hoch ist. Heutige Windräder können bis 250 Meter hoch werden. Zum Vergleich, der Berliner Funkturm bringt es auf 147 Meter Höhe.
Innenansicht eines Windrades in Wernitz. 140 Meter geht es nach oben, mit dem Fahrstuhl oder auf der Treppe. Für beides sollte man schwindelfrei und auch entsprechend gerüstet sein.
Innenansicht eines Windrades in Wernitz. 140 Meter geht es nach oben, mit dem Fahrstuhl oder auf der Treppe. Für beides sollte man schwindelfrei und auch entsprechend gerüstet sein.
© Foto: Silvia Passow

Pro Windrad bis zu sieben Millionen Euro Baukosten

Bei sechs bis sieben Millionen Euro schätzt Rübsamen den Preis für einen dieser neuen „Stängel“. Der, in dem sie steht, kostete zwei Millionen Euro. Die neuen Räder hätten nicht mehr die blinkenden roten Positionslichter im Dauerbetrieb. Diese werden nur aktiviert, wenn sich ein Flugzeug nähert. Schon jetzt verfügen „ihre“ Windräder über eine Fledermaus-Abschaltung, sagt Rübsamen. Wie oft oder wie viele Vögel unter den Wernitzer Windrädern liegen, dazu hat sie keine Zahlen parat.

Nicht alle sind für ein Repowering in der Gemeinde Wustermark

Die Gemeinde Wustermark war eine der ersten im Havelland, die einen Flächennutzungsplan für Windenergie auflegte. Der Windpark Wernitz speist seit 2003 Strom ins öffentliche Netz, bis heute waren es rund 600 Millionen Kilowattstunden. Als der Windpark an den Start ging, wäre noch kein Gegenwind spürbar gewesen, sagt Rübsamen. Das habe sich inzwischen etwas geändert, nicht alle Gemeindevertreter stehen der Windkraft positiv gegenüber, berichtet sie weiter.
Möglicherweise könnte die Änderung im EEG 2021 (Erneuerbare-Energien-Gesetz) überzeugend wirken. Denn in der Neufassung sei auch eine attraktive finanzielle Beteiligung der Kommunen durch die Betreiber der Anlagen geregelt, erklärt Rübsamen. Anlässlich der Neuauflage des Regionalparks Havelland-Fläming wurde ein Planentwurf erstellt, der auch einen Teil der Fläche des Windparks Wernitz enthält. Die Betreiber erwarten demnächst die Beteiligung der Öffentlichkeit. Und so waren die Wustermarker, wie auch alle weiteren Interessierten, eingeladen zur Innenansicht einer dieser Stängel.

Windräder erstrahlten in unterschiedlichen Farben

Danach konnten sie diese, ganz buchstäblich, in einem anderen Licht zu sehen. Dafür hatte die Lichtkünstlerin Gisela Meyer-Hahn eine leuchtende Komposition geschrieben. Mit der Lichtkomposition möchte sie eine Geschichte erzählen, sagt sie. Dabei erstrahlen die beiden Windräder in kräftigem Blau, Rot, Gelb und Grüntönen, mal zusammen, wie in einem Duett, dann wieder wie in einem Gespräch, in dem einer der farbigen Erklärung des anderen lauscht. Der Clou: Zwei Stücke der Komposition sind zu musischen Vorlagen komponiert, können zu „Light my Light“ oder zu Bach genossen werden.

Hochfahren ins Innere der Windräder nicht erlaubt

Vor dem Genuss durfte das Windrad von innen inspiziert werden. Funktionale Schränke in grau, spannend ist der Aufzug nach oben und die Treppe, die ein wenig an die Geschichte mit der in den Himmel wachsenden Bohnenstangen-Leiter erinnert. Hochfahren darf man als Besucher allerdings nicht, erklärt der technische Betriebsführer Florian Büscher. Dem schlechten Wetter trotzend nahmen einige Havelländer am Freitag die Gelegenheit wahr und schauten ins Innere. Die Gelegenheit hat man schließlich nicht alle Tage.