Zur traditionellen Maidemonstration, die am Morgen vom Mahnmal der Opfer des Faschismus zur Oderpromenade führte, kamen etwa 120 Teilnehmer. Mit roten Nelken am Revers und wehenden Fahnen liefen sie unter den Klängen der Fanfarengarde zur Hauptbühne. Vielmehr einem Demonstrationszug glich allerdings am Nachmittag der Strom von Zuschauern, die sich das Schlagerduo Andreas Holm und Thomas Lück nicht entgehen lassen wollten. Enthusiastisch klatschen und sangen zum Beispiel Karin Kollosche und ihre Freundinnen mit, die extra aus Eisenhüttenstadt eingereist waren. „Die alten Hits sind doch noch die besten“, sagte sie bevor das nächste Lied angestimmt wurde.
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Zu dieser Zeit hatten „Bierke und Lenz“ ihren sechsstündigen Auftrittsmarathon schon hinter sich gebracht und am anderen Ende der Festmeile sangen die Musiker von „Regenlaune“ und Literaten wie Frank Hammer teilten sich mit „Blues Uwe“ die Bühne an der Havanna Bar. doch der Tag, der so fröhlich endete, hatte mit politischen Anliegen begonnen. Nachdem Rainer Knerler, der Regionalleiter der IB Bau in Berlin-Brandenburg, am Vormittag aufgebracht über die Ungerechtigkeiten einer Rente mit 67 redete, folgte eine Diskussionsrunde über die gestern in Kraft getretene Freizügigkeit für Arbeitnehmer unter anderem aus Polen. der Frankfurter Wirtschaftsreferent Sebastian Jarantowski betonte die Freude über diesen Tag: „Wir haben jetzt die Chance, demografischen Entwicklungen entgegen zu wirken.“
Skeptischer zeigte sich Thomas Sand, der mit Sohn Roy und einem großen selbstgebastelten Plakat über die Oderpromenade lief. „Ich gehe schon seit DDR-Zeiten jedes Jahr zur Maidemo“, erzählte er. Doch in diesem Jahr sorge er sich zum ersten Mal dermaßen, dass er ein Plakat gebastelt hat. „EU und Arbeitnehmerfreizügigkeit bringen nur noch mehr Armut in Europa“, stand darauf. „Wir ziehen Fachkräfte hierher und die Länder dort wissen dann nicht mehr weiter“, so Sands Sorge. Außerdem fürchte er immer niedrigere Löhne zum Beispiel für seine Söhne. Er wunderte sich, dass nicht mehr Besucher den Tag für politische Botschaften nutzen.
Im Kleinen allerdings wurde es auch an den Ständen zwischen den Bühnen politisch. Hier zeigte der Bürgerladen der Arbeitsloseninitiative sein Angebot, bei den Jungen Liberalen schossen kleine Kinder auf eine Torwand und die Grünen fragten Passanten nach ihren Erwartungen an die Partei. Am stand der Initiative Pro Tram wurde zeitweise leidenschaftlich gestritten. Einen friedlichen Tag auf dem Fest machten sich Stefanie Gräber und ihre Tochter Sina. Die Fünfjährige hatte sich bei der Kindervereinigung rosa Blumen aus Gesicht malen lassen und den Tänzern der Via-Tanzküken zugeschaut. „Ich will noch die Stände anschauen. Man muss ja wissen, was man wählt“, zeigte ihre Mutter auch Interesse an den politischen Angeboten.
Die Veranstalter zeigten sich zufrieden mit ihrem Fest. Die Besucherzahl aus dem Vorjahr, als 15 000 Besucher kamen, habe man wieder erreicht, sagte Linken-Kreisvorsitzender René Wilke. Noch mehr freute ihn allerdings: „Man sieht lächelnde Frankfurter“.